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Valle Onsernone: Das Tal der Dichter

Text: Barbara Achermann; Fotos: Espen Eichhöfer

Valle Onsernone, das Tal der Dichter
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«Ein Gefühl der wohltuenden Unzugehörigkeit»: Das war es, was Max Frisch im Dorf Berzona genoss

Umgeben von viel Grün und wenig Menschen schrieb er im Valle Onsernone das Buch «Der Mensch erscheint im Holozän», das ihn in den USA zum Star machte

Aber hallo! In Comologno wird man auch mal von einem Esel begrüsst

Die meisten Künstler sind nur ein paar Jahre geblieben – sie aber halten zum Onsernonetal in guten wie in schlechten Zeiten: Bauer Roger Rudin, Malerin Catherine Pollard (links),

Professor Charles Suter

Graziella (mit dem Topf von Max Frisch) und Sandro Dellamora

Die Zeit steht still: Spruga, das letzte Dorf im Tal

Seit je zieht das Valle Onsernone Intellektuelle an. Was Schriftsteller Max Frisch dort suchte, findet man noch heute: «Einen Ort ausserhalb von allem.»

Roger Rudin krault seine Frosa zwischen den Hörnern. Er sagt: «Golo liebte die Geissen.» Golo Mann hat ihn manchmal besucht auf seiner Alp oberhalb von Berzona. Bauer Rudin lacht ob der Erinnerung: Im Rucksack habe der alte Schriftsteller zwei Flaschen Rotwein und einen Plastiksack getragen. Auf dem rutschte er abends wieder die Wiese runter. «Er hatte es mit den Knien.»

«Golo war ein Lieber. Den mochten wir alle.»

«Alfred Andersch? Der hat sich ständig über Lärm beklagt. Seine Gisela auch. Aber Schriftsteller dürfen ihre Launen haben.»

«Max Frisch hat nie gegrüsst.»

Das Valle Onsernone im Tessin zieht seit vielen Jahrzehnten Künstler und Intellektuelle an. Besonders im kleinen Dorf Berzona liessen sich die Literaten nieder: Max Rustici und bewirteten illustre Gäste. Heute würde man das wohl eine Parallelgesellschaft nennen. Hier die exzentrischen Exponenten der Hochkultur mit der lärmempfindlichen Seele (Andersch), den spanischen Jünglingen im Schlepptau (Mann), der Gefriertruhe voller Fleisch (Frisch), dort die einheimischen Dörfler. Man war keiner von ihnen, weil man das auch nicht wirklich wollte. Frisch nannte es «ein Gefühl der wohltuenden Unzugehörigkeit».

Rudin setzt sich an den Steintisch, mitten in die dramatische Landschaft des Onsernonetals, der man mit Ölfarben oder Lyrik begegnen müsste. Die Wolkendecke reisst auf und erlaubt ein Schlaglicht auf die waldigen Hügel. Das Chlorophyll schluckt alle roten und blauen Wellen und reflektiert Grün in sämtlichen Variationen. «Die Aussicht herrlich, nicht anders als vor Jahrtausenden», schrieb Frisch. Doch Rudin unterbricht das Schwelgen, zeigt auf einen nahen Hang, an dem ein paar vereinzelte Ferienhäuschen kleben. «Im Sommer ist hier der Teufel los.» Er schimpft jetzt fast, aber stets mit einem ironischen Unterton. «Die kommen fürs Wochenende mit dem Helikopter angeflogen, packen ihre Motorsensen und Alphörner aus. Können zwar nicht mal Blockflöte spielen, aber genieren sich nicht, uns die Ohren vollzutröten.» Ihm sei das ja egal, aber seine Catherine, die müsse sich konzentrieren.

Nur die Beiden sind geblieben

Catherine Pollard legt ihm sanft die Hand aufs Knie. Im Tal unten nennt man sie liebevoll «baronessa», man sagt, sie esse Kuchen nur mit der kleinen Gabel. Sie stammt aus Versailles, hat Ikonenmalerei studiert und bemalt gerade ein Holzei mit Motiven aus der Antike. Eine Künstlerin, auch sie. Vor dreissig Jahren wollte Rudin mit ihr um die Welt segeln, ist aber im Onsernonetal gestrandet und hat die Alp einem Schüler von Salvador Dalí abgekauft. Stadtflüchtige Hippies gab es in den Siebziger- und Achtzigerjahren einige, aber durchgehalten haben nur die beiden. Das Leben hier oben ist hart, besonders wenn man die sechzig überschritten hat. Der Fuchs schleicht sogar tagsüber um den Stall, die Wildschweine graben die Weiden um, alle Einkäufe müssen im Rucksack eine Stunde den Berg hinauf- und alle Abfälle runtergetragen werden.

Beim Abstieg begegnen wir einem Reh, es hebt den Kopf und schaut uns wiederkäuend nach. Die Landschaft ist das Gegenteil von lieblich: steil und wild. Eine Stunde später in Berzona hören wir nur den Kuckuck, aber keine Menschen. Das Dorf ist autofrei, seine ständigen Bewohner kann man an einer Hand abzählen, einer von ihnen ist Charles Suter. Er ist ein emeritierter Professor der Psychologie und mäht noch mit siebzig die Wiese mit der Sense. Weisser Bart und Markenjeans, ein Zürcher mit Wurzeln im Dorf, hat eine vierbändige Publikation über Max Frisch herausgegeben und im nahen Museum eine Ausstellung kuratiert. Gemeinsam besteigen wir den alten Kirchturm, aus dessen Dach eine Birke wächst. Von hier oben sehen wir die Hauptstrasse, die parallel zum Tal verläuft, eine glitzernde Silberkette, an der neun Dörfer hängen. Der Tourismusverein spricht von «sonnigen Höhenterrassen», aber um scharenweise Feriengäste anzuziehen, ist das Valle Onsernone zu unbequem. Die Strasse von Intragna an der Talmündung bis Spruga ist 22 Kilometer lang, eng und kurvenreich, an manchen Stellen bedarf es geschickter Manöver, wenn sich zwei Autos kreuzen wollen, zum Wandern geht es entweder steil hinauf oder hinunter, und um an die lauschigen Badeplätze am Fluss Isorno zu kommen, muss man über Klippen klettern. Doch gerade weil man sich das Gelände dieses rauen Tals erklimmen muss, hat es seine ruppige Schönheit behalten und Künstler damals wie heute inspiriert. Golo Mann schrieb hier seine monumentale «Wallenstein»-Biografie, Max Frisch die Erzählung «Der Mensch erscheint im Holozän» und Alfred Andersch so manches, das ihn zwar bekannt, aber nicht berühmt machte.

Charles Suter erklärt die Topografie des Dorfs: Oberhalb von Berzona wohnte Mann, mittendrin beim Rathaus Andersch und unterhalb des Friedhofs Frisch. Die Granitdächer ihrer Häuser ducken sich wie prähistorische Schuppentiere ins üppige Grün. Mit Ausnahme des lieblos renovierten Rathauses sieht es hier nicht viel anders aus als vor fünfzig Jahren. Wenn Suter als Kind bei Nonna und Nonno zu Besuch war, hat er die berühmten Schriftsteller zwar häufig gesehen, aber sich einzig für deren Nachwuchs interessiert. An warmen Sommerabenden spielte er mit dem Sohn von Andersch Mörderlis.

Das Ehepaar Andersch lebte bereits in den späten Fünfzigerjahren in Berzona. Max Frisch hat sie zusammen mit Schriftstellerin Ingeborg Bachmann einige Male besucht. Und so kam es, dass sich auch die freiheitsliebende Bachmann ein Häuschen im Tessin wünschte. Frisch machte sich erst über ihre Sehnsucht nach einem trauten Heim lustig und liess sich wenig später mit einer anderen Frau in Berzona nieder, der um 28 Jahre jüngeren Marianne Oellers. Suter blättert in seinem Buch und zeigt ein Foto des Schriftstellers beim Rasenmähen. Letztlich haben selbst die grössten Intellektuellen ihre kleinbürgerlichen Träume. Frisch formuliert es in einem Interview eleganter: «Ich brauche mein Haus als einen Ort, wo ich ausserhalb von allem sein kann.»

Er wollte hier von der Welt auf Abstand gehen, doch Alfred Andersch konnte er nicht ausweichen. Er begegnete ihm fast täglich im Laden oder bei der gemeinsamen Garage. Die Enge des Dorfs erstickte ihre gegenseitige Sympathie. Zwei Freunde, analysiert Frisch scharfsinnig in seinem «Berliner Journal», «sollten nicht Nachbarn in einem Dorf werden. Nachbarschaft schliesst den Krach aus, der die Freundschaft prüft und weiterbringt; den offenen Krach.» Aus verschiedenen Briefen geht hervor, dass das Verhältnis bis zum Tod von Andersch unterkühlt blieb. Er liegt auf dem Friedhof in Berzona unter einem struppigen Thuja-Gewächs begraben, während eine Tafel an der Mauer an Frisch erinnert.

Die Ortschaft Berzona

Auf dem Weg durchs Dorf bückt sich Charles Suter alle paar Meter und reisst eine Pflanze aus, Erigeron annuus, ein fremdes Kraut, das sich rasend schnell verbreitet und die einheimische Flora verdrängt. In der Luft liegt der Duft von Holunder, in den Gärten blühen alte Rosenstöcke, doch die meisten Häuser stehen jetzt im Frühling leer. Es sind Ferienhäuser von Deutschen und Deutschschweizern: drei Verlegerfamilien, eine Verwaltungsratspräsidentin, germanischer Adel, ein ehemaliger Botschafter. Die Onsernoni nennen Berzona den Bonzenhügel. Einige schimpfen, die fremden Käufer würden die Preise in die Höhe treiben, aber die meisten heissen die Feriengäste willkommen, denn ohne Kapital aus dem Norden wären wohl zahlreiche Häuser verfallen. Die Abwanderung der Einheimischen begann bereits vor gut hundert Jahren. Damals lebten die Dörfler von der Verarbeitung von Stroh. Frauen und Kinder flochten Taschen, Körbe und Hüte, welche die Männer in Italien und Frankreich verkauften. Doch schon damals gab es internationale Konkurrenz: Billige Ware aus Asien zerstörte das Geschäft. Als japanische Strohhüte auf den europäischen Märkten auftauchten, brach die einheimische Industrie zusammen. Das Tal verarmte, die Jungen zogen weg, Häuser waren günstig zu kaufen, und die Intellektuellen griffen zu.

Auch Herr Geiser zog von Basel in den Süden. Er ist der Protagonist in Frischs Erzählung «Der Mensch erscheint im Holozän». Mit dem dünnen Buch wurde Frisch in den USA ein Star. Die Sprache ist messerscharf, die Geschichte schonungslos. Noch heute jagt sie einem Angst ein, vor dem Tessin und vor dem Alter. «Die Frage, warum Herr Geiser sich in diesem Tal niedergelassen hat, ist müssig; Herr Geiser hat es getan. Alt wird man überall.» Der Mann flüchtet vor der eigenen Demenz und vor einem grossen Unwetter. In seinem Haus in Berzona lauscht er seit Tagen dem Tröpfeln und Prasseln des Regens, unterscheidet 16 Arten von Donner. Bei Nacht und Dauerregen verlässt der Alte sein Haus und läuft über den Garinapass ins Maggiatal. Wir machen die Wanderung bei Tag und Sonnenschein, über die Steinbrücke, die Geiser im Dunkeln kaum erkennt, durch den steilen Wald, vorbei an Buchen und Kastanien, von denen er nur die Stämme sieht, weil die Wipfel im Nebel verschwinden. Geiser stapft durch Schieferschlamm, sucht Halt an morschen Ästen, stürzt. Das Tal lässt ihn seine archaische Gewalt spüren, uns hingegen begegnet es sanftmütig. Auf der Passhöhe treffen wir eine Landschaft wie für einen Heimatfilm arrangiert: Rustici in einer Blumenwiese, dazwischen hüpft ein Bächlein.

Wir verlassen die Spuren von Geiser und steigen zurück ins Valle Onsernone hinab, nach Loco. Oberhalb der Post wohnt der pensionierte Bürgermeister Sandro Dellamora, ein formeller Mann in Anzug und Krawatte, der Max Frisch und Marianne Oellers getraut hat, 1968, im Rathaus von Berzona. In «Montauk» beschreibt Frisch die schlichte Feier: «Casa Comunale, wo auch das Schulzimmer für die Dorfkinder ist, il Sindaco, Tapezierer von Beruf, der das einfache und mit sorgsamer Handschrift selbst verfasste Eheversprechen verliest, Trauzeugen aus Malerei und Literatur, alles in allem sieben Freunde; ein roher Tisch, wo beide ohne Übermut ihre Unterschrift geben.» Eine nüchterne Hochzeit? Dellamora erinnert sich daran, dass sein Vater den Risotto gekocht hat, doch den Hochzeitskuss hat er vergessen. Das Wohnzimmer ist abgedunkelt, der Fernseher läuft, davor sitzt seine Frau Graziella mit hochgelagerten Beinen. Sie steht schwerfällig auf, geht in die Küche und kehrt mit Rotwein und einer alten Gusseisenpfanne zurück. Während sie die Gläser bis zum Rand füllt, erzählt sie, die Pfanne habe sie von Frisch zu Weihnachten bekommen, die Qualität sei «eccellente», sie brauche sie täglich für Polenta, Risotto, Ossobuco. Graziella hat bei Frisch im Haushalt gearbeitet, seine Kleider geflickt. «Diese alten Lumpen, ich hätte die ja längst weggeschmissen.»

Beate Planta lacht. Sie nippt an Dellamoras Wein: «Pfff, Frisch, Frisch, Frisch.» Sie mag seine Bücher nicht. «War er wenigstens nett?», fragt sie das Bürgermeisterpaar, die nicken, korrekt sei er gewesen. Man lebte zwar nur wenige Schritte entfernt, aber es entstand keine Nähe. Beate Planta ist ebenfalls eine Eingewanderte, vor 23 Jahren aus Deutschland immigriert, schreibt seit Jahren an einem Liebesroman. Sie rät uns: «Fahrt nach Comologno, dort war die Valangin, die hat das Tal so richtig aufgemischt.»

Palazzo della Barca

Comologno ist das zweitletzte Dorf im Tal, es liegt bereits auf über tausend Meter über Meer, trotzdem wachsen Palmen in den Gärten. Hier hat Aline Valangin gelebt, in den Dreissigerjahren eine der spannendsten Frauen der Schweiz: Pianistin, Schriftstellerin, Autorin für annabelle und Psychoanalytikerin. Jeder interessierte sich für die intelligente Künstlerin mit dem schläfrigen Blick und den sinnlichen Lippen – selbst James Joyce hat ihr seine Träume erzählt. Hier in Comologno kaufte sie mit ihrem Mann Wladimir Rosenbaum den Palazzo della Barca und machte aus ihm ein Rettungsboot für Intellektuelle aus Nazideutschland. Auf den Liegestühlen im gepflegten Garten liess sich die Avantgarde nieder: Architekt Max Bill, Künstlerin Meret Oppenheim, Psychologe Carl Gustav Jung oder Schriftsteller Elias Canetti. Einigen öffnete Valangin nicht nur ihr Haus, sondern auch das Schlafzimmer, etwa dem Schriftsteller Kurt Tucholsky und dem Komponisten Wladimir Vogel. Das Ehepaar Rosenbaum-Valangin lebte eine offene Ehe, im stockkatholischen Tessin ein Skandal.

«Im Dorf lästerte man über die Leute in der Barca», sagt Rita Remonda, während sie Risotto und Scaloppine serviert. Sie führt das Hotel Palazzo Gamboni und kennt die Geschichte des Onsernonetals wie kaum eine andere. Ihre Mutter arbeitete bei den Valangins als Haushälterin. Es entging der damals jungen Frau nicht, dass die Herrschaften frivol die Partner tauschten. Als sie zuhause davon erzählte, durfte sie nicht mehr bei den Valangins putzen, man fürchtete, die Künstler könnten das Mädchen verderben. Wie in Berzona prallten auch in Comologno Welten aufeinander. Die meisten Künstler sind nur ein paar Jahre geblieben, irgendwann weggezogen und höchstens noch für ein paar Wochen im Jahr zurückgekehrt. Die Valangins, Mann und ebenso Frisch. So stark die Anziehungskraft des Onsernonetals, so abweisend kann es sein. Wenn es nicht aufhören will zu regnen, der Nebel die Hänge hinaufkriecht und sich das türkisfarbene Wasser des Isorno braun färbt. Solche Tage kennen auch Professor Suter, Bauer Rudin und Malerin Pollard. Trotzdem bleiben sie. Weil der Regen irgendwann aufhört und sich die waldigen Hügel wieder wie warme Tiere an sie schmiegen. Dann geht Rudin im Fluss baden, und Pollard steigt runter ins Dorf und trinkt ein Glas Rotwein mit ihren Freunden.

Durchs Valle Onsernone

WANDERUNGEN

LITERARISCH (2 STUNDEN)
In der «Holozän»-Erzählung von Max Frisch steigt der Protagonist vom Onsernone- ins Maggiatal. Wir empfehlen eine andere, mittelschwere Route. Die erste Hälfte folgen wir Frisch, von Berzona hinauf zur Kapelle, rein in den Wald und nach der zweiten Brücke rechts hinauf zum Passo della Garina (markiert). Oben auf der Passhöhe steigen wir nicht ins Valle Maggia ab, sondern zurück ins Valle Onsernone, nach Loco.

ALPIN (2 STUNDEN RAUF)
Um auf die malerische Alp Salei zu gelangen, gibt es zwei Möglichkeiten: Von Spruga, dem letzten Dorf im Tal, führt ein schöner, steiler Wanderweg hinauf, mit Blick auf den Lago Maggiore. Unterwegs bei Maly & Giordi einkehren (www.maly-giordi.ch) und ein Stück Holzofenbrot mit selbst gemachter Konfi essen. Bequemere Variante: Von Vergeletto geht eine Seilbahn hinauf. Auf der Alp zum kleinen See spazieren und einen Risotto in der Salei-Hütte essen (www.capannasalei.ch).
— Seilbahn Zott, Vergeletto, Tel. 091 797 17 07

GEMÜTLICH (30 MINUTEN)
Ebenfalls von Spruga aus führt ein Wanderweg immer die stillgelegte Strasse entlang nach Italien zu den warmen Quellen der Bagni di Craveggia (auch mit Kinderwagen oder Rollstuhl). Einst ein Thermalbad, dann romantisch-verfallen und seit wenigen Monaten etwas unsanft renoviert.

KULTURELLES

MUSEO ONSERNONESE
Die ethnografische Dauerausstellung über das Valle Onsernone ist etwas altmodisch, aber informativ. Sie soll demnächst mit einer Informations- und Dokumentationsplattform zum 20. Jahrhundert ergänzt werden. Tipp: Im Museum können kulturelle Spaziergänge durch einzelne Dörfer gebucht werden, etwa auf den Spuren von Max Frisch durch Berzona. Anfragen an Marisa Losa, Tel. 079 337 34 22.
— Museo Onsernonese, Loco, Tel. 091 797 10 70, www.onsernone.ch

INFO-POINT
Im Dorf Auressio gibt es ein Infobüro für Touristen. Dort kriegt man nebst wertvollen Tipps auch die besten Produkte des Tals zu kaufen: prima Biowein von Peter Rüesch, das regionale Birra San Rocco oder das Gourmetmehl Farina bona.
— Auressio, Tel. 091 797 10 00

BÜCHER

— Max Frisch: Der Mensch erscheint im Holozän. Suhrkamp-Verlag, 1981, ca. 13 Fr.
— Max-Frisch-Archiv Zürich (Hrsg.): Max Frisch Berzona. Katalog zur Ausstellung im Museo Onsernonese, Loco, zweisprachig deutsch/italienisch, 2013, ca. 80 Fr.
— Beat Hächler: Das Klappern der Zoccoli. Literarische Wanderungen im Tessin. Rotpunkt-Verlag, 2007, ca. 38 Fr.
— Aline Valangin: Die Bargada. Dorf an der Grenze. Limmat-Verlag, 2002, ca. 48 Fr.

SCHLAFEN/ESSEN

PALAZZO GAMBONI
Wer Antiquitäten liebt, fühlt sich in diesem Palast aus dem 17. Jahrhundert wohl: Im historischen Teil des Hotels befinden sich zwei Zimmer mit der antiken Originalmöblierung. Wer es lieber praktisch hat, bucht ein Zimmer im modernen Teil des Hauses. Zum Hotel gehört die Osteria al Palazign, das beste Restaurant im Tal.
— In di Strecc, Comologno, Tel. 091 780 60 09, www.palazzogamboni.ch, DZ ab 170 Fr.

BED AND BREAKFAST
Nebst dem Palazzo Gamboni können wir drei besonders schöne B&Bs empfehlen: Das vor mehr als 300 Jahren erbaute Cas in Scima mit dem grünen Garten und dem weiten Blick ins Onsernonetal beherbergt zwei sonnige Zimmer.
— Cas in Scima, Barione, Mosogno, Tel. 079 737 26 15, www.palazzobarione.ch, ab 50 Fr./Person

Im alten Pfarrhaus von Mosogno vermietet Beate Planta seit Jahren zwei gepflegte Zimmer mit hübschem Garten. Die Idylle wird einzig durch die lauten Kirchenglocken (auch nachts) gestört. Auf Wunsch kocht die Gastgeberin Tessiner Gerichte.
— Casa Parrocchiale, Mosogno, Tel. 079 883 04 57, www.bnb-mosogno.ch, 60 Fr./Person inkl. Frühstück

Da Toldo: Das Tessinerhaus mit den schönen Holzbalkonen klebt wie ein Adlerhorst im Steilhang und liegt etwas ausserhalb des Dorfs Russo.
— Da Toldo, Russo, Tel. 078 893 57 65, www.datoldo.ch, 60 Fr./Person inkl. Frühstück

Anreise
Mit dem Zug bis Locarno und weiter mit dem Postauto.

Barbara Achermann

Barbara Achermann ist Redaktorin und Reporterin im Ressort Reportagen. Sie möchte Geschichten erzählen, die in die Tiefe gehen und die man auch noch Wochen später gern liest.

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