Buenos Aires - ¡Un beso, Baires!

Wer einmal in Argentiniens Hauptstadt war, will immer wieder hin - Eine Reisereportage von Stefanie Rigutto.

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Ein besonderes Wahrzeichen? Fehlanzeige. Die argentinische Hauptstadt muss man mit dem Herzen sehen

Tango...

...und verstopfte Strassen,...

...abgewrackte Bars und...

...nostalgische Cafés: Buenos Aires ist laut, hektisch – und auf charmante Weise faul

Fussballgott Maradona wacht über dem Heimstadion der Boca Juniors: Ob Fussball,...

...Hunde,...

...Essen...

oder Posieren im Park – was immer die Porteños in ihrer Freizeit tun, das tun sie ohne Kompromisse

Wer einmal in Buenos Aires war, kann nicht mehr aufhören, von der Stadt zu träumen. Von ihrem leidenschaftlichen Chaos, ihrer trägen Erotik. Auch wir liessen uns küssen und verführen.

Es ist reiner Sarkasmus, dass die Stadt Buenos Aires – gute Lüfte – heisst. Eine Wolke gärenden Schweisses ausstossend, donnert der Colectivo 152 mit der Ruhelosigkeit des Gejagten über die Avenida Santa Fe an uns vorbei. «Porqué no paró?», warum hat er nicht angehalten, fragt die gepflegte ältere Dame den Mann, der vor ihr in der Schlange steht (wohl der einzige Moment im Leben eines Argentiniers, den man als geordnet bezeichnen kann). Der Typ zuckt mit der Schulter. «Was weiss ich?», antwortet er. «Vielleicht hat ers vergessen. Oder vielleicht wollte er einfach mal durchfahren.» In einer Stadt ohne Logik und rationale Erklärungen bleibt nur die Philosophie des Achselzuckens.

Mit Buenos Aires – auch Baires genannt – ist es wie mit dem Tango: Man muss sich fallen lassen. Relajarse. Alles fliesst. Alles ist Improvisation. Lass dich gehen, flüsterte der Tangolehrer Filiberto der verkrampften Europäerin ins Ohr. Und so liess sie sich (pflichtbewusst!) fallen, in die Arme des Machos, in die Arme dieser Stadt. Ein folgenschwerer Entscheid: Hat dich Buenos Aires – dieses eifersüchtige Biest – erst umschlungen, lässt es dich nicht mehr los. Es drückt einem das Gesicht an seinen üppigen Busen, dass man kaum atmen kann. Man japst nach Luft – und möchte sich doch an keinem anderen Ort gebettet wissen. «Mi Buenos Aires querido – mein geliebtes Buenos Aires», schmachtete schon Tango-Ikone Carlos Gardel 1934.

Woher zum Teufel kommt diese Sehnsucht? Buenos Aires hat ja noch nicht einmal ein Wahrzeichen! Keinen Eiffelturm, kein Moma, keinen Zuckerhut. Nichts, was man wirklich gesehen haben muss (die Einwohner würden natürlich intervenieren und die Avenida 9 de Julio mit dem Obelisken aufführen, mit 140 Metern die breiteste Strasse der Welt). Buenos Aires lässt sich – wie jede grosse Liebe – nicht mit vernünftigen Argumenten erklären. Man kann die Stadt nur mit dem Herzen verstehen. Da wäre der Neid, der die Aorta verstopft wie die Colectivos die Prachtalleen. Die Porteños – so nennen sich die Einwohner der Hafenstadt – sind genetisch gesehen Europäer, die Nachfahren von Auswanderern. Keiner, dessen Grosseltern nicht aus einem Nachbarland der Schweiz stammen. Der Porteño, so sagt man, sei ein entwurzelter Italiener, der Spanisch spricht, sich wie ein Franzose benimmt und gern ein Engländer wäre. Vielleicht ist es die grosse Ähnlichkeit mit den charmanten Unterschieden, die uns so neidisch macht. Wir selber könnten Porteños sein! Sind wir aber nicht. ¡Carajo! Das nervt.

Wer sein Essen nicht nachhause liefern lässt, ist kein wahrer Hauptstädter

Buenos Aires erschliesst sich einem an vielen Orten. Samstags auf dem Fussballplatz. Nachts um vier im Club. Morgens im Park. Doch nirgends offenbart sich Buenos Aires so sehr wie in einem der 8000 Cafés. Hier spielt sich das Leben ab. Es heisst sogar, es gebe keine typischere Erfahrung in Buenos Aires, als in einem Café zu sitzen und über die vorbeispazierenden Menschen zu sinnieren. Dazu fahren die Porteños aber nicht durch die halbe Stadt ins neuste Trendcafé, sondern setzen sich ins Café de la esquina, dem Café um die Ecke, wo sie morgens vorbeikommen für eine Lagrima – Milch mit einer Träne Espresso. Da der Porteño grundsätzlich im Superlativ denkt, ist er überzeugt, den besten Kaffee der Welt zu trinken; im Vergleich zum Caffè in Neapel ist er jedoch ein Tässchen Weihwasser.

Unser Quartiercafé ist das Nostalgia Resto, an der Ecke Soler und Coronel Díaz im Viertel Palermo, zwischen dem Blumenladen und dem Gemüsehändler. Nichts Aussergewöhnliches, abgewetzte Holztische, schwarz-weisse Bodenplatten, aber immerhin ein «café notable», wie uns ein Kleber am Fenster weismacht. Ein Laufbursche schlendert vorbei (wer sein Essen nicht nachhause liefern lässt, ist kein wahrer Hauptstädter), danach der Cartonero mit dem Schubkarren voller Altkarton. Grauhaarige Männer in massgeschneiderten Leinenanzügen lesen die «Página/12», andere arbeiten hier den ganzen Tag am Laptop. Kein Kellner in Buenos Aires würde sie fragen: «Möchten Sie noch was?» Und meinen: Wenn nicht, hau ab! Man kann stundenlang sitzen, mit einem winzigen Cortadito für acht Pesos, umgerechnet 1.60 Franken, und niemand behelligt einen – schliesslich sieht sich der Kellner als stolzer Gastgeber, nicht als Geldeintreiber. Vielleicht sitzen die Einheimischen deshalb so gern im Café.

Herrgott, dieses Geknutsche! An jeder Strassenecke verschlingen sich die Paare leidenschaftlich

Keine Frau, die an unserem Tisch vorbeiflaniert, trägt die Haare kurz, trotz der Hitze. Und anders als die Italienerinnen sind die Porteñas nicht bis ins letzte Detail durchgestylt. 30 Prozent sind Nonchalance, 20 Prozent Attitüde – man hat es doch nicht nötig, sich aufzubrezeln! Und die restlichen 50 Prozent sind purer Sex. Der Gang so lasziv, dass man jedem Bauarbeiter nachfühlen kann, wenn er sich nicht mehr auf seine Arbeit konzentriert und stattdessen dem verführerischen Hintern hinterherruft, was er jetzt am liebsten mit ihm anstellen würde. Die Pirobos, die Komplimente, sind der Sauerstoff der Frauen von Buenos Aires. «Man kann im Pyjama auf die Strasse gehen und sich hundeelend fühlen, irgendeiner pfeift dir immer hinterher», sagen sie. Buenos Aires ist die Stadt, in der einem sogar Polizisten ein «¡que hermosa!» hinterherflüstern. Und tattrige Grossväter flöten: «Wenn ich zehn Jahre jünger wäre, würde ich um deine Hand anhalten!» Der junge Typ am Nebentisch sagt: «Es gibt vier Dinge, die ein Porteño im Leben tun muss. Sich vergnügen, Liebe machen, Kinder machen und arbeiten. In dieser Reihenfolge.»

Wenn sich zwei Frauen treffen, dann küssen sie sich ab wie die alte Josefina in Pedro Almodóvars Tragikomödie «Volver». Ein Staccato-Geschmatze, mindestens fünf Mal auf jede Seite. Klar, wenn man allen ein Küsschen gibt, dann muss man denjenigen, die man wirklich mag, eben ein paar mehr geben. Lernt man nämlich jemanden kennen, egal ob in einer Bar oder auf der Strasse, heisst es erst mal: un beso. Ein Kuss. Selbst der Kauf eines Armbands am Markt auf der Plaza Serrano wird mit einem Küsschen besiegelt. Sogar beim Arztbesuch heisst es als Erstes: un beso! Herrgott, dieses Geknutsche! Auf der Puente de la Mujer im Viertel Puerto Madero, ach was, an jeder Strassenecke verschlingen sich die Paare so leidenschaftlich, wie wir Schweizer es nicht einmal im Bett machen. Bei ausgeschaltetem Licht.

Das Tempo in Buenos Aires hat in den vergangenen Jahren zugelegt. Die Menschen arbeiten viel, haben oft mehrere Jobs, um sich einen höheren Lebensstandard zu leisten. Trotzdem ist der Porteño im Herzen ein Müssiggänger geblieben – halt, wir präzisieren: ein fauler Hund. Am liebsten legt er sich in die Sonne. Dementsprechend verfault ist auch seine Sprache, das Castellano porteño. So ist die zweite Person Plural über die Jahrzehnte wie ein vertrocknetes Blatt abgefallen, sie wurde kurzerhand ersetzt durch die dritte Person Plural. Und das Doppel-L sprechen sie nicht wie die Spanier mit dem anstrengenden Laut im Gaumen aus, sondern mit einem sch: Calle spricht man Casche aus, und yo sagt man scho. Ein süffiges Gesäusel, ein Liebesschwur, mit heissem Atem ins Ohr gehaucht. Der Rest Argentiniens schnödet über den Akzent der Hauptstädter, aber das nehmen diese noch nicht einmal zur Kenntnis. Im Vergleich zu Argentinien ist Frankreich ein Ausbund an Föderalismus. Ein Drittel aller Argentinier, etwa 13 Millionen, wohnen in der Hauptstadt – Buenos Aires ist die drittgrösste Megacity Lateinamerikas. Für die Provinz interessiert sich keiner. «Dios está en todas partes pero atiende en Buenos Aires.» Gott ist überall – aber seine Sprechstunde hat er in Buenos Aires, heisst es.

“Wir sind Fanatiker – egal ob es um Hunde geht, um Fussball oder um Kinder”

Die Porteños sind kein Volk mit Mass. Pathos und Melodrama triefen aus allen Poren der Stadt. Immer übertrieben, immer zu viel. Das bestätigen sogar die Psychologen. «Es gibt nur 150 Prozent oder gar nichts. Auf Halbmast leben, das kennen wir nicht», sagt Fabiana Mengozzi. «Wir sind Fanatiker – egal ob es um Hunde geht, um Fussball oder um Kinder.» Sie ist 40 Jahre alt und arbeitet als Psychologin. Jeder fünfte Hauptstädter legt sich regelmässig auf die Couch; Buenos Aires ist die Stadt mit der höchsten Dichte an Psychologen weltweit (noch vor New York). Fabiana Mengozzi trägt enge Jeans, hohe Plateauschuhe und ein luftiges weisses Hemdchen. Sie ist braun gebrannt. Eine Grossstadt bringe soziale Einsamkeit, Stress und Depressionen mit sich, sagt sie, auch wenn sie selbst nicht danach aussieht. Die Krise im Jahr 2001, als die Regierung wegen akuten Geldmangels die Konten der Argentinier einfror, habe viele Leute verzweifelt zurückgelassen. Sie räumt aber ein: «Wir Argentinier sind ziemlich hypochondrisch.» Und schwatzhaft: Der typische Porteño hört sich gern reden. «Oftmals treffen die Psychologen ihre Patienten in einem Café», sagt Fabiana Mengozzi.

Als wohl einzige Stadt der Welt kehrt Buenos Aires dem Wasser den Rücken zu. Obwohl ihr Entstehungsort, hat der braune Rio de la Plata keine Bedeutung für sie. Dafür lieben die Porteños ihre Viertel umso mehr. Es ist, als ob viele Städte in Buenos Aires vereint wären. Puerto Madero, das ehemalige Hafenquartier mit den renovierten Backsteinhäusern, erinnert an Hamburg. Im Szeneviertel Palermo mit den Boutiquen und Restaurants fühlt man sich wie in Williamsburg. Im traditionellen San Telmo und dem mausarmen La Boca dagegen wähnt man sich in einem Dorf in Kolumbien. Bleiben das Microcentro und das reiche Recoleta mit den Herrschaftshäusern, wo jede zweite Ecke nach Paris klingt. Buenos Aires hat viele Gesichter, aber eben: kein Wahrzeichen. Zum Glück. Die wenigen Must Sees im Reiseführer kann man sich getrost schenken. Zum Beispiel der Tango-Unterricht in der berühmten Confitería Ideal um 12 Uhr: nur spastische amerikanische Paare, alle über siebzig. Timing is everything. Denn die Confitería, wo Teile des Films «Evita» mit Madonna gedreht wurden, ist durchaus ein Ort, der etwas über Buenos Aires aussagt. Aber erst am Nachmittag, zur Milonga, der Tanzveranstaltung für die Einheimischen.

Die Klänge von Astor Piazzolla, dem Begründer des Tango Nuevo, plätschern durchs Fenster aus dem ersten Stock in die Gasse hinab. An den Tischen um die Tanzfläche herrscht eine klare Sitzordnung. Links die Männer, grauhaarig und in schicken Anzügen, rechts die Frauen, auch sie ältere Semester. Viele kommen jeden Tag, sitzen am selben Tisch. Touristinnen werden – zumindest von den Frauen – nicht gern gesehen. «Schafft sie hier raus!», soll ein weiblicher Stammgast einst geschrien haben. Den Männer dagegen gefällt das Frischfleisch. Möchten Sie tanzen, junge Dame?, fragt ein älterer Herr. «Er tanzt schlecht, sagen Sie Nein», raunt einem die Tangolehrerin Susanne Mühlhaus, eine gebürtige Deutsche, zu. Der Herr sei früher immer mit seiner Frau hierhergekommen. Sie ist vor zehn Jahren gestorben. Er kommt noch immer, um sich an sie zu erinnern.

Der argentinische Tango hat nichts mit dem forschen Gestelze gemein, wie wir es in unseren Breitengraden zu kennen glauben: Man tanzt völlig versunken, Stirn an Stirn, es hat etwas Meditatives, aber nicht Schläfriges. Nach jedem Stück setzen sich die Tanzenden zurück an ihr Tischchen, und ein kompliziertes Auswahlverfahren des nächsten Partners beginnt. «Nur scheinbar fordern die Männer die Frauen auf», sagt Susanne Mühlhaus. Zuerst suchen nämlich die Männer den Blickkontakt mit der Frau der Begierde, anschliessend warten sie auf ein leichtes Kopfnicken, und erst dann fordern sie die Dame zum Tanz auf. Der ältere Herr, dessen Frau vor zehn Jahren gestorben ist, steht immer noch neben uns. «No?», fragt er ungläubig. Dann gehe er halt auf den Balkon, eine Zigarette rauchen. «Falls du es dir anders überlegst, weisst du, wo du mich findest», sagt er.

Zwar ruft einem der Verstand noch zu: “Achtung heiss!” Aber da hat man längst hineingebissen

Es gibt diesen Witz: «Stehen zwei Argentinier vor dem Grillrost. Darauf liegt eine tote Kuh. Sagt der eine: ‹Ich weiss nicht, ob das für uns beide reicht.›» Die Argentinier sind die grössten Rindfleischkonsumenten der Welt – 56 Kilo pro Jahr, 13 Kilo mehr als die zweitplatzierten Australier. Der Asado am Sonntag, der Grillplausch, wird zelebriert wie eine Messe. Der Schriftsteller Juan José Saer schrieb einst: «Der Asado ist nicht nur die Hauptnahrung der Argentinier, sondern auch der Nukleus ihrer Mythologie und ihrer Mystik.» Das gilt vor allem für den Hauptstädter. Denn beim Asado, da fühlt er sich zurück in die Pampa versetzt, das weckt den Gaucho in ihm, den unabhängigen Geist. Die ganze Woche über geben sich die Porteños als coole Grossstädter, doch am Wochenende zieht es sie auf den geliebten Campo. Die Stadt ist am Sonntag leer gefegt, abgesehen von den Touristen, die über den Markt in San Telmo flanieren. Die Autobahn dagegen ist voll, denn irgendeiner hat immer ein Landhaus, wo grilliert wird.

Alberto ist Tierarzt und hat mit seiner Frau über den Sommer ein Ferienhäuschen gemietet, etwa vierzig Kilometer ausserhalb der Stadt. Die Naturstrassen sind matschig, gestern hat es geregnet. Seit dem Morgen werkelt er im Grillhaus, überwacht das Feuer, röstet das Fleisch. «Einen Asado kann nur ein Mann machen», sagt er. Es brauche viel Geduld, gerade da würde es bei seiner Frau hapern. Diese pflichtet ihm bei und tätschelt seine behaarte Wampe. Was ist das Geheimnis eines guten Asados? «Gutes Holz», sagt er ohne Zögern. Holz? Er selber grilliert ja mit Kohle! Er zuckt mit der Schulter, als wollte er sagen: Haarspalterei. «Und eine Flasche guten Malbec», grinst er. Er habe schon morgens angefangen zu trinken, während er sich vor dem Grill in Geduld übte. «Ein Asado ist wie eine japanische Teezeremonie, nur füllen wir die Tasse mit Rotwein», ergänzt sein Kollege Gustavo, den alle nur El Gordo nennen, den Dicken. Man nennt niemandem beim Vornamen: Unsere Begleiterin Flavia ist La Flaca, die Schlanke, der dunkelhäutige Kollege El Negro.

Auf dem Grill liegen Würste für das Choripán – ein aufgeschnittener Chorizo in einem Brötchen. Dann: Chinchulín (der Dünndarm der Kuh), Rippli, Lende und der berühmte Matambre, der Hungertöter, die Flanke des Rinds. Es ist laut, alle reden kreuz und quer, auf dem Tisch stehen Wein, Weissbrötchen und grüner Salat. Mehr gibt es nicht, das würde vom Fleisch ablenken. Nicht einmal Sauce? Blasphemie! Nur Salz und Pfeffer, allenfalls Chimichurri, eine pikante Gewürz-Öl-Mischung. Der Jack Russell Terrier von Flavia besteigt dauernd die Hündin von Alberto. Sie treiben es neben dem Tisch, hinterm Haus, unterm Baum. «Er ist halt ein Mann», sagt La Flaca schulterzuckend. Und ein starker Sextrieb sei doch etwas Schönes! «Oder bist du neidisch?»

Alberto, von der Hitze und dem Malbec gezeichnet, erklärt uns seine Stadt. Buenos Aires sei wie der Chorizo, den er zu lange über dem Feuer grilliert habe, sagt er. Aufgeplatzt, dampfe er verführerisch vor sich hin. Zwar rufe einem der Verstand noch zu: «Achtung, heiss!» Doch da habe man längst hineingebissen. Er wischt sich mit dem Handrücken den Fleischsaft vom Kinn und fügt mit dem Ernst eines Predigers an: «Man verbrennt sich den Mund, aber ich danke Gott für jeden Bissen.»

¡Que hermosa! Unsere Tipps für den Trip nach Buenos Aires

Reisetipps

Nach Buenos Aires gibt es keinen Direktflug. Entweder mit Iberia über Madrid oder mit Air France über Paris.
Ab 1500 Franken, www.iberia.com, www.airfrance.com

Frühling und Herbst, also die Monate Oktober/November sowie Februar/März. Im Dezember und Januar ist es sehr heiss in Buenos Aires.
www.bue.gov.ar

Unterkunft

Aura Suites Boutique Hotel
Hübsch, mit schönem Garten. Zur Plaza Serrano im Viertel Palermo, dem Dreh- und Angelpunkt der Ausgehszene, sind es zehn Gehminuten.
DZ/F ab 210 Franken
www.aurasuites.com.ar

Hotel Elevage
Businesshaus an bester Lage im Microcentro, guter Ausgangsort, um die Stadt zu erkunden.
DZ/F ab 180 Franken
www.elevage.com.ar 

Arrangement Salinatours
der Mittel- und Südamerikaspezialist von Travelhouse, bietet ein Citypackage an. Zwei Übernachtungen im Hotel Elevage inkl. Transfers, private Stadtrundfahrt sowie Tangoshow mit Abendessen kosten ab 590 Franken.
Weitere Angebote für Individual- und Rundreisen in Argentinien sowie Aufenthalte in Buenos Aires: Tel. 043  211 71 50, www.travelhouse.ch/salinatours

Essen

Treintasillas
Eines der ersten Restaurantes a puertas cerradas (Closed-Door-Restaurant), es wurde 2007 eröffnet. Damals gab es in Baires etwa fünf solcher Lokale, nun sind es geschätzte dreissig. Es ist nur am Wochenende geöffnet, man erfährt die Adresse nur nach der Tischreservation, und es gibt nur ein Menü.
www.treintasillas.com

Weitere Closed-Door-Restaurants
www.lacocinadiscreta.com
www.colectivofelix.com
www.paladarbuenosaires.com.ar

Trattoria Il Ballo del Mattone
Benannt nach einem Lied von Rita Pavone. Spezialität ist das Caramello, ein mit Mozzarella gefülltes Blätterteigzeltli.
Palermo, Gorriti 5737 (Ecke Bonpland)
www.ilballo.tv

Ugi’s Pizza
Eine Takeaway-Institution, die man an verschiedenen Orten findet, zum Beispiel an der Suipacha 602 (Ecke Tucumán). Die Pizza kostet acht Pesos, 1.60 Franken.

Trinken

La Resistencia
Heruntergekommen, laut, dreckig. 2001 während der Krise eröffnet, als Widerstandsbewegung gegen die Regierung, welche die Konten der Argentinier einfror.
San Telmo, Defensa 820

Gran Bar Danzónv
Coole Cocktail-Bar, auch hübsch zum Essen, gute Alternative zu den Restaurants im Palermo. Unbedingt die Ceviche als Vorspeise probieren!
Microcentro, Libertad 1161
www.granbardanzon.com.ar

Unternehmen

Bicicleta Naranja
Die Stadtverwaltung will die Bewohner auf Velos umsatteln. Die Touristen tun es bereits, mit geführten Touren von Bicicleta Naranja, die in San Telmo oder Palermo starten. www.labicicletanaranja.com.ar

Tango
Wer Tango lernen will, findet in Claudia Bozo eine seriöse, versierte Lehrerin.
La Escuela del Tango
www.laescueladeltango.com.ar

Wer selber tanzen will, ist an den Nachmittags-Milongas in der Confitería Ideal richtig
www.confiteriaideal.com

Asado
Einen kann man zwar auch in einem Restaurant in Buenos Aires essen. Es lohnt sich aber ein Grillierausflug aufs Land. Bei Salinatours gibt es einen privaten Tagesausflug «Fiesta Gaucha» auf eine Estancia.
264 Franken/Person
www.travelhouse.ch/salinatours

Fussball
Wer keinen Match der Boca Juniors gesehen hat, am Besten im Heimstadion La Bombonera, wird die Kopflosigkeit der Stadt nie verstehen. Die Fans nennen sich La 12, der zwölfte Spieler. Sie singen vor, während und nach der Partie, drei Stunden lang, als würden sie Mantras rezitieren. Jede Muttenzerkurve verkommt da zum Kindergarten. Als Tourist ist es aber praktisch unmöglich, an Tickets zu kommen. Es bietet sich daher an (und ist auch sicherer), eine Tour zu buchen. Man wird vom Hotel abgeholt, zum Spiel gebracht und wieder zurück gefahren. www.juanchofutbol.com.ar

Kultur

Fundación Proa
Ein Museum mit wechselnden Ausstellungen, ein Glasbau inmitten der Kolonialfassaden, gleich neben der Touristenmeile Caminito. Von der Caféterrasse blickt man auf das Markenzeichen des Viertels, eine alte Eisenbahnbrücke.
La Boca
www.proa.org

Palacio Barolo
Der erste Wolkenkratzer der Stadt, 1923 errichtet. Kürzlich renoviert, gibt es nun Touren durch das eindrückliche Gebäude, samt Aussicht.
www.pbarolo.com.ar

Shopping

Rapsodia
Die Kleiderladenkette vereint alle Eigenschaften der Stadt: Schönheit, Sinnlichkeit, Entspanntheit, aber auch Ineffizienz.
Honduras 4872
www.rapsodia.com

Havanna
Buenos Aires ist übersät mit Filialen dieser Confiserie. Sie verkauft Alfajores; die beliebtesten sind jene mit Dulce de leche, einer Crème aus Milch, Zucker und Vanille – mit Abstand die wichtigste Süssigkeit Argentiniens.
www.havanna.com.ar

Lesen

«Mafalda»
Der argentinische Comic schlechthin, gezeichnet von 1964 bis 1973, doch mit seiner Weltkritik bis heute aktuell. Das besserwisserische Comic-Mädchen Mafalda wurde 2009 mit einer lebensgrossen Statue geehrt. Ecke Chile und Defensa, San Telmo.

Tomás Eloy Martinez: «Santa Evita»
Der meist gelesene argentinische Roman aller Zeiten, eine Mischung aus Biografie, Legende und Klatsch über Evita Perón.

Text: Stefanie Rigutto
Fotos: Ornella Cacace