Inspiration Bergell

06. Juni 2008

(1) Maloja
Hier beginnt das Bergell. Und die Artebregaglia. Auf der Passhöhe, wo der Aussichtsturm Belvedere über dem waldigen Tal thront. Wer ihn betritt, hört das Lachen von Ursula Pallas Soundinstallation. Die Künstlerin bezieht sich auf den Maler Giovanni Segantini, der während seiner letzten Lebensjahre hier lebte.

An der Staumauer Orden können sich Kletterer auf die Bergeller Felswände vorbereiten. Klettergärten gibts auch in Castasegna, Pian di Lago und auf der Albigna. Und fordernde Granitgipfel im ganzen Tal.

(2) Vicosoprano
Vor dem malerischen Dorf Vicosoprano führt eine Seilbahn auf 2100 Meter hoch. Die Staumauer auf dem Plateau ist imposant, auch der Schmelzwassersee und die Schneeberge dahinter, wo Gämsen und Bartgeier wohnen. Von hier aus kann man sich durch die Hohlkammern der Mauer führen lassen, zur SAC-Hütte marschieren, die Fiamma (Flammenfelsen) erklettern oder einen Schwatz mit Mauerwart Renzo Giovanoli halten.

All das macht hungrig. In der Arvenstube des Albergo Corona im Dorf werden hausgemachte Teigwaren serviert. Probiert werden muss der frische Ziegenkäse ? Wirt Aldo Petti hält sich über den Laubwäldern von Vicosoprano zwanzig Geissen plus Bock Valentino. Wer nett fragt, darf zum Melken mit. Die Weide liegt direkt am Panoramaweg, auf dem man von Maloja bis Chiavenna wandern kann. Seilbahn: 7 bis 11.30  und 13.15 bis 16.45 Uhr, Berg- und Talfahrt 18 Fr. Führungen Staumauer: bis 30. 9. täglich von 9 bis 11 Uhr. Albergo Corona: Tel. 081 822 12 35

(3) Stampa
Stampa war das Zuhause der Künstlerfamilie Giacometti. Die Arbeiten von Giovanni, Augusto, Diego, Bruno und dem berühmtesten, Alberto, sind in der Ciäsa Granda zu sehen. Das Museum führt auch eine Mineraliensammlung. Und ausgestopfte Tiere aus der Region, eine Alpendohle etwa, eine Ringelnatter oder einen Hermelin.

Südlich von Stampa liegt der Palazzo Castelmur, ein Patrizierhaus, das 1854 von Giovanni Castelmur ausgebaut wurde. Wie er sind viele Bündner im Ausland als Zuckerbäcker reich geworden. In der Ausstellung im zweiten Stock erfährt man alles über sie. Sehenswert ist der Palazzo auch wegen seines Interieurs, das noch genauso ist, wie es die letzten Castelmurs hinterlassen haben: üppig, mit antiken Möbeln, seidenen Tapeten, Säbeln und Rüstungen. In der Bibliothek befindet sich zudem das Büro der Artebregaglia, wo man sich mit Informationen eindecken kann. Und draussen auf der Brücke ist nachts Roman Signers Kajak-Projektion zu sehen.
Ciäsa Granda: bis zum 20. 10. täglich von 14 bis 17 Uhr. Palazzo Castelmur: bis zum 15. 9. Di bis So
9.30 bis 11 und 14 bis 17 Uhr

(4) Promontogno
Das romantische Dörfchen in der Mitte des Tals eignet sich gut zum Übernachten. Etwa in der Pension Sciora, einem typischen Bündnerhaus. Die Kammern sind einfach, aber charmant. Auf der Terrasse des Restaurants können über der rauschenden Maira Bündner Spezialitäten genossen werden. Einen Steinwurf von der Pension entfernt ist der Negozio Scartazzini - ein kleiner Dorfladen. Im Bergell kauft man noch in familiären Betrieben ein, die vom Alpkäse über Zapfenzieher bis zu Topfpflanzen alles führen. Bei Scartazzini gibts nebst Spezialitäten wie Nusstorte oder Kastanienkonfitüre auch frisches Mehl aus der hauseigenen Mühle. In einem 15-minütigen Spaziergang auf den Felsriegel erreicht man die verwunschene Kirche Nossa Donna, die 988 erstmals erwähnt und Mitte des 19. Jahrhunderts wieder aufgebaut wurde. Auch sie ist eine Station der Artebregaglia - Künstlerin Ariane Epars hat sich mit ihrer Geschichte als Wallfahrtsort und als Herberge einer Familiengruft auseinander gesetzt.
Pension Sciora: DZ ab 110 Fr., Tel. 081 822 14 90, pension.sciora@bluewin.com. Negozio Scartazzini: Mo bis Fr 8 bis 12 und 14.30 bis 18.30 Uhr

(5) Soglio
Die Lage von Soglio auf der 1090 Meter hohen Sonnenterrasse ist einmalig. Auch der Charme des Dörfchens mit seinen engen Gässchen und Steinhäuschen. Wer gerne gediegen logiert, reserviert ein Himmelbettzimmer im Palazzo Salis. Das Essen im ritterlichen Gewölbesaal schmeckt ausgezeichnet. Und der gepflegte Barockgarten ist eine Oase. Hier wachsen übrigens zwei über hundert Jahre alte Mammutbäume. Soglio ist auch ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen. In einer halben Stunde erreicht man die schönen Kastanienwälder von Castasegna. Zur Orientierung sei das Buch «Grenzland Bergell» empfohlen ? es enthält kürzere und längere Routen, Geschichten aus dem Tal und wertvolle Tipps.
Palazzo Salis: DZ ab 190 Fr., Tel. 081 822 12 08, www.palazzosalis.ch. Ursula Bauer und Jürg Frischknecht: Grenzland Bergell. Rotpunktverlag, 42 Fr.

(6) Piuro
Bereits Leonardo da Vinci lobte die Wasserfälle von Acquafraggia im italienischen Bergell. Das Baden im eisigen Wasser ist zwar verboten, aber trotzdem tuns alle.
Den Zimperlichen spenden die hohen Bäume Schatten. Abends kann man hier picknicken oder grillieren. Oder sich im kleinen Chiosco einen Cinzano genehmigen. Feinschmecker dürfen das Crotto Belvedere unten am Fluss nicht versäumen. Hier soll es die besten Gnocchi des Tals geben. Und so ist es auch.
Tel. 0039 0343 3 35 89, www.crottobelvedere.com

(7) Chiavenna
Das Städtchen am südlichsten Zipfel des Bergells verspricht Italianità pur. Der Baustil ist mediterran, in den Gärten blühen Oleander und Jasmin. Die beste Adresse für Caffè, Dolci und Gelati ist die Pasticceria Folini. Gestärkt gehts weiter zum Parco Paradiso, dem botanischen Garten auf zwei steilen Felsen, in dem Simone Zaugg den Kunstparcours Artebregaglia mit einer Soundinstallation abschliesst. Zudem finden sich zwischen den duftenden Pflanzen und Bäumen moosbewachsene Überreste der Festung, die einst als Schutzwall gegen Eindringlinge aus Nord und Süd diente. Heute wird man im Bergell zum Glück mit offenen Armen empfangen.
Pasticceria Folini: Via Pedretti 24, Tel. 0039 0343 3 27 04

Kunst im Bergell
Die Artebregaglia ist ein Kunstparcours von Maloja bis Chiavenna. An 20 Stationen sind bis zum 21. September Installationen, Projektionen und Skulpturen von Kunstschaffenden wie Roman Signer oder Luigi Serafini zu sehen.
Infos: www.artebregaglia.ch
Infos zum Bergell: Ente Turistico Pro Bregaglia, Tel. 081 822 15 55, www.bergell.ch

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