Postkarte aus Civita
Der Rede wert: In den Strassen wird Albanisch gesprochen, in der Kirche auf Griechisch gepredigt: Willkommen im italienischen Civita, einem historischen Multikulti-Städtchen in den Bergen Kalabriens.
Die Gassen sind gerade breit genug, um einen Esel oder einen Cinquecento durchzulassen. Kaum eine Bausünde stört das idyllische Dorfbild. An den Hängen des süditalienischen Monte-Pollino-Massivs gelegen, sitzt das kalabrische Städtchen Civita wie ein Adlerhorst auf einer Felsnase, wo sich eng die alten Steinhäuser aneinander drängen. Von hier überblickt man eine Landschaft voller schroffer Bergkanten und Schluchten, sonnendurchfluteter Olivenhaine und ausgedehnter Oleanderwälder. Irgendwo in der Ferne liegt das Meer.
Ein ganz normales italienisches Bilderbuchstädtchen? Nicht ganz. Denn die meisten Menschen sprechen hier nicht Italienisch – sondern Albanisch. Oder zumeist beides. An der kleinen Dorfschule wird zweisprachig unterrichtet, die Messe in der Kirche gar auf Griechisch gelesen. Hinter den sieben Hügeln: Civita, ein fast normales italienisches StädtchenNicht dass in den letzten Jahren eine Völkerwanderung stattgefunden hätte. Diese vollzog sich bereits vor 550 Jahren: Die Arbereschi, wie sich die Einheimischen in Civita nennen, sind Nachfahren von Albanern, die 1448 vor dem Ansturm der Türken über die Adria nach Süditalien geflohen waren. In der Abgeschiedenheit der kalabrischen Berge überdauerte ihre Kultur und Sprache bis heute.
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