Postkarte aus Havanna

Text: Stefanie Rigutto
Fotos: Basil Stücheli

04. August 2010

Selbst Fidel Castros penetrante Propagandaplakate können nichts daran ändern: Havanna, diese karibische Schönheit, macht (fast) blind vor Liebe. Oder liegts am Mojito?

Havanna ist wie ein Schluck Rum: angenehm süss und kratzend scharf zugleich. Da die herausgeputzten Oldtimer aus den Fünfzigern, dort die staatlichen Lada-Taxis, die beinahe auseinander fallen. Da die wunderbaren Kolonialpaläste mit lauschigen Innenhöfen (4), daneben Bruchbuden, gefühlte Stunden vor dem Kollaps. Da die sauber geputzten Strassen, dort die Menschen, die vor der Bäckerei Schlange stehen. Da diese unbändig grosse Lebensfreude, dort, an jeder Strassenecke, das Plakat mit der Aufschrift «51 años de revolución».

Die Revolution mag 51 Jahre her sein, doch Fidel Castro und Che Guevara sind immer noch die Helden der kubanischen Hauptstadt. Konkurrenz macht ihnen just – Ironie des Schicksals – ein Amerikaner: Ernest Hemingway. Die Orte, an denen sich der Schriftsteller bewegte (falsch: Meistens sass er und trank), sind heute die grössten Attraktionen der Karibikstadt.

Zum Beispiel sein Lieblingslokal El Floridita, die «Wiege des Daiquirí», wo eine Bronzestatue des Autors an der Bar steht, na ja, hängt. Hemingway kreierte dort seine eigene Daiquirí-Version, genannt Papa. Es ist der Daiquirí des Alkoholikers: Grösseres Glas, weniger Zucker, und statt süsssaurem Limesaft kommt bitterer Grapefruitjuice rein. Auch La Bodeguita del Medio war schon morgens eine Anlaufstelle des Autors: Hier trank er vorwiegend Mojito(s). So eingestimmt, setzte er sich an seine Hermes Baby im Hotel Ambos Mundos an der Calle Obispo, der Fussgängermeile in der Altstadt Havana Vieja, und schrieb «Wem die Stunde schlägt».

Kommentar lesen (1)
Oh Havanna. Ich mag diese Stadt! Meine Tipps dafür: http://www.travelfeedback.com/FeedbackList.aspx?travel_guide_id=120
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