Yoani Sánchez
Heldin der Freiheit für die einen, Staatsfeindin für die anderen: Dabei schreibt Yoani Sánchez bloss einen Blog – über ihren Alltag in Kuba. Eine Begegnung mit der Dissidentin wider Willen in Havanna.
Pünktlich um 11 Uhr steht sie vor dem Parque Central. Wer Yoani Sánchez schon einmal gesehen hat, auf einem Zeitungsfoto, im Internet oder persönlich, lässt sich von der grossen Sonnenbrille, die fast ihr halbes Gesicht verdeckt, nicht täuschen. In der Nähe, sagt sie zur Begrüssung, kenne sie «un lugar muy discreto», einen diskreten Ort, an dem man sich nicht verdächtig mache.
Drei Jahre ist es nun her, dass Yoani Sánchez als erste Bloggerin des Landes unzensiert aus Kuba über Kuba schreibt. Ihre Webseite hat sie zu einer prominenten Frau gemacht. Auf der sozialistischen Insel selbst, aber auch in Lateinamerika und gar weltweit. Prominent ist aber nicht gleichbedeutend mit gern gesehen: Die zerbrechlich dünne Frau geht mit zügigen, vielleicht ängstlichen Schritten voran. Immer wieder schaut sie sich um; wahrscheinlich, um sich zu vergewissern, dass uns kein Spitzel des alles umschlingenden Staatsapparats folgt.
Nach 200 Metern stehen wir vor einem klobigen Gebäude. «Edificio Bacardí», Bacardi-Gebäude, protzt der Schriftzug über dem Eingangstor. Man kann es als Ironie der Geschichte auslegen, dass Yoani Sánchez den ehemaligen Firmensitz des Rumherstellers für einen sicheren Ort hält. Nach der Kubanischen Revolution 1959 flüchtete die Familie Bacardi ausser Landes. Heute lebt sie auf den Bermudas und ist bekannt dafür, dass sie diverse Putschversuche gegen das kubanische Regime unterstützt hat.
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