Reise-Tipp

Die Schöne und das Meer: Postkarte aus Barcelona

Text: Thomas Wernli; Fotos: Frank Heuer/laif, Joachim Marquardt, Babak Dastmaltschi

Die Schöne und das Meer: Postkarte aus Barcelona
Die Schöne und das Meer: Postkarte aus Barcelona
Die Schöne und das Meer: Postkarte aus Barcelona
Die Schöne und das Meer: Postkarte aus Barcelona
Die Schöne und das Meer: Postkarte aus Barcelona
Die Schöne und das Meer: Postkarte aus Barcelona
e
f

Im klitzekleinen Jugendstilcafé Escribà an der Rambla behalten die grandiosen Kellner auch bei Grossandrang immer den Überblick

La Vela, das Segel, nennen die Einheimischen das Hotel W

Mitten in der City, mitten im Winter: Mandarinenbäume in den Jardins de Rubió i Lluch.

Candy Glam Rings heissen die Schmuckstücke aus Zucker, die es bei Escribà gibt. Die Confiserie ist eine Institution und rühmt sich, jeden noch so ausgefallenen Tortenwunsch zu backen.
— Rambla de les Flors, 83; www.escriba.es

Barcelona bei Sonnenuntergang 

Blick aus dem Flugzeug

Frühling mitten im Winter – und immer was fürs Auge: Das ist die Designmetropole Barcelona zwischen den Jahren.

Es war einmal vor einem Vierteljahrhundert, da hörte ich von einer Stadt im Süden. Dort gebe es keinen einzigen dieser hässlichen weissen Kunststoffgartenstühle, die bei uns im ganzen Land das Auge (und den Hintern) beleidigen. Und es begab sich, dass ich mich auf die Reise dorthin machte und feststellte, dass dem wirklich so war. Diese Stadt hiess Barcelona und fand einen Platz in meinem Herzen als die Designstadt für Möbel und Architektur, Mode und ja – eigentlich alles, was sich gestalten lässt.

Happy End? Ich will es wissen und reise nochmals hin. Statt einer langen Bahnfahrt diesmal ein kurzer Flug, der ein paar wenige entspannte Tage zwischen Weihnachten und Neujahr möglich macht, inklusive farbiger Strassenbeleuchtung und dieser ganz speziellen Rückblick-Aufbruch-Stimmung zwischen den Jahren. Statt des kleinen Dreisternehotels direkt im Gewimmel an der Flaniermeile La Rambla diesmal ein Zimmer im Hotel W.

La Vela, das Segel, nennen die Einheimischen den von Stararchitekt Ricardo Bofill realisierten Bau am Strand seiner Heimatstadt. Das neue Wahrzeichen sehe ich bereits beim Landeanflug. Im 2009 eröffneten Luxushotel beginnt meine Design-Entdeckungsreise. Der Blick aus dem 15. Stock aufs Meer ist überwältigend. Viel Zeit im Zimmer bleibt nicht, diesmal stehen statt den weltberühmten Modernisme-Bauten von Antoni Gaudí architektonische Zeugen der Postmoderne auf dem Programm.

Die Stadt ist voller Menschen, auch jetzt, während der Nebensaison, und auch wenn viele Läden etwa am Stephanstag geschlossen haben. Auf der Rambla herrscht ein Gedränge wie am Samstag auf der Zürcher Bahnhofstrasse. Mein Ziel ist die Boqueria. Der Markt in einer Jugendstilhalle liegt direkt an der Rambla und gilt als einer der schönsten Spaniens. Ein kleines Schlaraffenland ist er auf jeden Fall. Die Plätze an den Tapasbars sind alle besetzt, also kaufe ich Ibérico-Schinken, Manchego-Käse und eine Baguette und suche draussen einen ruhigen Ort. Das kleine Picknick findet dann nur ein paar Schritte weiter in den Jardins de Rubió i Lluch statt, im Innenhof eines alten Spitals – unter Mandarinenbäumchen voller reifer Früchte. Hier ist es fast menschenleer.

Später am Meer: Alle tun so, als ob es Sommer wäre. Einige essen Glace oder wagen sich gar auf dem Surfbrett in die kalten Wellen. Und in den vielen Restaurants im ehemaligen Fischerquartier Barceloneta sitzen sie draussen in der warmen Nachmittagssonne, abends unter Heizpilzen – aber garantiert nicht auf weissen Plastikstühlen.

Barcelona im Winter: Die Tipps

ARCHITEKTUR & DESIGN

Barcelona wurde durch die Gotik und den Modernisme, den katalanischen Jugendstil, geprägt. Auch heute spielt Architektur eine grosse Rolle. Zu den sehenswerten Bauten gehört der Torre Agbar von Jean Nouvel (2005). Für die Oberfläche wurden vierzig verschiedene Lackfarben verwendet, wodurch sich je nach Tageslicht ihre Farbe verändert. Nachts wird der Turm zur überdimensionierten Lava-Leuchte. Laut Gerüchten soll aus dem Geschäftsgebäude demnächst ein Luxushotel werden.
— Plaça de les Glòries Catalanes; www.torreagbar.com

Weitere interessante Gebäude der Postmoderne sind etwa das neue Designmuseum des Barceloner Architekturbüros MBM (gleich neben dem Torre Agbar), das leuchtend weisse Museu d’Art Contemporani MACBA von Richard Meier (USA) oder das Mehrzweckgebäude Edifici Fòrum (von den Baslern Herzog & de Meuron) in Form eines spektakulären Dreiecks, das in der Luft zu schweben scheint.

Museu del Disseny: Dekorative Kunst, Keramik, Textilien, Mode, Grafik – 70 000 Objekte erzählen im 2014 eröffneten Museum die Designgeschiche Kataloniens und Spaniens. Eine Etage ist der Mode gewidmet und der Frage, wie Korsetts, Polster und Schnitttechniken den menschlichen Körper formen.
— Plaça de les Glòries Catalanes; www.museudeldisseny.cat

KULINARISCHES

Im Mercat de Sant Josep de la Boqueria hängt der Himmel voller Schinken. Und auf den Marktständen liegt alles, was das Feinschmeckerherz sonst noch begehrt: Obst und Säfte, Fleisch und Fisch, Gemüse, Süsses. Viele kleine Bars und einige Restaurants.
— La Rambla, 91; www.boqueria.info

Das Restaurant Il Rey de la Gamba in Barceloneta ist kein Geheimtipp und gilt wohl eher als das, was man Touristenfalle nennt. Aber mir hat es beim König der Crevetten geschmeckt (und einigen Einheimischen auch!)
— Passeig Joan de Borbó, 53; www.reydelagamba.com

Barcelona ist bekannt für seine – Schokolade! (Darum gibts auch ein Schoggi-Museum: www.museuxocolata.cat.) Patisseur Orial Balaguer etwa pflegt die süsse Hochkultur, und zudem wurde sein Gipfeli 2014 als das beste Spaniens ausgezeichnet. Sein kleines Hauptgeschäft liegt in einem Wohnquartier; nicht zentral, aber spannend zu entdecken. Auf der Website sind die Adressen der City-Filialen aufgeführt.
— Sant Gregori Taumaturg, 2; www.oriolbalaguer.com

ÜBERNACHTEN

Allein die Aussicht lohnt es, im Hotel W einzuchecken. Dann das Design: viele runde Formen, viel Platz – und ein Touch Glamour. Das Publikum ist so international wie die Hotelkette mit über vierzig Fünfsternehotels weltweit, das Personal sieht gut aus (es ist gecastet – kein Witz), stammt aus über vierzig Nationen, ist immer gut gelaunt und hilfsbereit. Sehen und gesehen werden. In-Bar Eclipse im 26. Stock. Wellnessbereich nur mit Treatments nutzbar.
www.w-barcelona.com; DZ ab ca. 200 Fr.

ÜBERBLICK

Wer die Stadt von oben sehen möchte, steigt gleich beim Hotel W in den Transbordador Aeri: Die Hafenseilbahn bringt einen in sieben Minuten über das alte Hafenbecken zum Berg Montjuic.
www.telefericodebarcelona.com

LA RAMBLA ODER LAS RAMBLAS?

Rambla bedeutet Flussbett. Darum müsste man für die berühmteste Flaniermeile Barcelonas den Singular verwenden: la rambla = das Flussbett. Da der Boulevard jedoch in regelmässigen Abständen einen anderen Namenszusatz hat (Rambla de Canaletes, Rambla dels Estudis und so weiter), wird der Name oft auch in den Plural gesetzt: Las Ramblas (spanisch) oder Les Rambles (katalanisch). Auch die Einheimischen sind sich nicht einig, was richtig ist.

KLIMA

Die Stadt wird von kalten Winden, die oft aus den Pyrenäen über Katalonien wehen, durch die Berge im Hinterland geschützt. Die Tagestemperaturen bewegen sich im Winter um 13 Grad. Kaum Regen.

ANREISE

Direktflüge ca. 70 Minuten etwa mit Swiss (ab ca. 130 Franken), Iberia oder Vueling; www.swiss.com

INFOS

www.barcelonaturisme.com

BCN Design Tours App: Stadtplan mit Einträgen zu Gebäuden des Modernisme, Designshops, Restaurants (Katalanisch, Spanisch, Englisch).

Ein weiterer annabelle-Tipp in Barcelona ist das Restaurant La Rita
 

Thomas Wernli

Der Produktionsleiter ist bei annabelle für Planung und Organisation zuständig und textet alle Schlagzeilen. Gern schreibt er auch längere Texte, etwa für die Kolumne «Der bewegte Mann».

Alle Beiträge von Thomas Wernli

Empfehlungen der Redaktion

Postkarte

Postkarte aus Beirut - Neues Nachtleben aus den Ruinen

Newsletter

Das Beste jede Woche in Ihrer Mailbox

Mehr aus der Rubrik

Reisen

App-grade für die Ferien

Von Leandra Nef