Postkarte aus Bergen

Text: Peter Ackermann
Fotos: Nadja Athanasiou
Erstellt: 19. Februar 2010

23. Februar 2010

Es werde Licht:  Noch liegt die norwegische Stadt im Winterschlaf. Doch in wenigen Wochen wird Bergen wieder von der Sonne wachgeküsst.

Es sind nicht die eng aneinander stehenden roten, gelben und orangen Kaufmannshäuser an der Uferstrasse Bryggens, die Bergen ausmachen, auch wenn sie die hanseatische Fischer- und Schifffahrtsstadt in touristischen Prospekten bewerben wie der Eiffelturm. Es sind vielmehr die malerischen Arbeiterhäuschen in den schmalen Gassen der Halbinsel Nordnes und am Fuss des Fløyen, die es vom Fischmarkt aus zu entdecken gilt, weil sie so typisch sind für das Leben an der Ostküste Norwegens. Fast nirgendwo sonst in Europa gibt es so viele Holzhäuser wie in der von sieben bewaldeten Bergen umfriedeten Stadt. Zweistöckig sind sie zumeist, mit ihrem weissen Anstrich trotzen sie den langen dunklen Wintern, mit ihren Giebeldächern dem Regen. An 220 bis 260 Tagen im Jahr flutet es vom Himmel. Der Schirm gilt deshalb als Körperteil der Einheimischen.

Aber kaum ist ab April die Zeit der Nässe vorbei und die Mitternachtssonne mit ihren schier endlosen Tagen nah, stellen die Bergener den Schirm in die Ecke und Blumen in die Fenster und holen in wenigen Wochen draussen nach, was sie im aufsässigen Winter versäumt haben. Die Zeit des Lichts wird durch intensives Leben gefeiert: in den Strassencafés, auf dem Wasser und auf den vielen Inseln des Fjords. Eine Woche Sonnenschein, und das Lachen in den Gesichtern schwindet selbst dann nicht, wenn nach Mitternacht das letzte Dämmerlicht erlischt.

Kommentar hinzufügen
Weiterempfehlen
Sie können mehrere Adresse einfügen, trennen Sie diese einem Komma.