Der Berg rief

Foto: Conrad Godly

13. Juli 2010

Vor sechs Jahren hängte der erfolgreiche Modefotograf Conrad Godly die Kamera an den Nagel und kehrte der Glamourwelt den Rücken. annabelle hat ihn in seinem Maiensäss im Domleschg aufgespürt.

annabelle: Conrad Godly, Sie haben vor sechs Jahren Ihren Job als Modefotograf an den Nagel gehängt und sind nach einer langen Zeit des Pendelns zwischen den Weltmetropolen in Ihren Heimatkanton Graubünden zurückgekehrt – wie kam es dazu?
Conrad Godly: Es musste einfach ein radikaler Bruch in meinem Leben her. Der erste Schritt war, mich von der Modefotografie zu lösen, weil ich gemerkt habe, dass mir diese Tätigkeit nicht mehr entspricht.

Modefotograf gilt landläufig als Traumberuf, was stimmte denn für Sie nicht mehr?
In den 17 Jahren habe ich tatsächlich enorm viele Privilegien genossen, konnte viel reisen, habe spannende Leute getroffen, die ich sonst nie kennen gelernt hätte, und wurde für meine Arbeit auch noch sehr geschätzt. Eigentlich perfekt. Nur war irgendwann der Reiz weg, ich fühlte mich mit einem Mal übersättigt. Und sehnte mich nach den Bergen, nach Ruhe und nach mehr Beständigkeit in meinem Leben.

Klingt sehr nach Heimweh.
Ja, das wars wohl auch. Und dadurch, dass ich ins Bündnerland zurückgekehrt bin, habe ich auch zu meiner alten Leidenschaft, der Malerei, zurückgefunden.

Wie ernst war es mit der Malerei seinerzeit?
Sehr ernst, ich habe die Kunstgewerbeschule und die Malfachklasse in Basel absolviert. Eine gewisse Zeit habe ich mich nach dem Studium auch als bildender Künstler versucht, aber dann kam durch Zufall die Fotografie dazwischen.

Was war das für ein Gefühl, mit 44 alle Brücken hinter sich abzubrechen, in ein kleines Dorf im Bündnerland zu ziehen und sich in einem Atelier an einer Staffelei wiederzufinden?
Ein total schräges. Als ich das erste Mal mit einem Pinsel vor einer Leinwand stand, da habe ich mich gefragt: Was mache ich hier eigentlich? Es war nicht so, dass ich mich gleich total sicher gefühlt hätte in dem, was ich tue. Mir ist bewusst geworden, dass Malerei ein Handwerk ist und es Zeit braucht, um wieder eine gewisse Virtuosität darin zu erlangen. Ich wollte erst an die Öffentlichkeit, wenn ich das Gefühl hatte, der Malerei mit der gleichen Professionalität nachzugehen wie der Fotografie.

Was war denn Ihr erstes Motiv?

Berge. Was eigentlich nahe liegend ist. Ich bin ja nicht nur physisch zu meinen Wurzeln zurückgekehrt.

Kommentar hinzufügen
Weiterempfehlen
Sie können mehrere Adresse einfügen, trennen Sie diese einem Komma.