As design goes by - Peter Grünbaums Loft

Text: Nicole Althaus
Fotos: Reto Guntli

01. Juni 2010

In und um Peter Grünbaums Loft ist alles in Bewegung: Auf der einen Seite fliesst die Limmat vorbei, auf der andern pulsiert das Stadtleben von Zürich-West. Selbst die Möbel und Vasen im ausgebauten Dachstock kommen und gehen.

Durchgangsheim ist die perfekte Bezeichnung für Peter Grünbaums Loft im über 100-jährigen Geschäftshaus neben dem Tramdepot beim Zürcher Escher-Wyss-Platz. Jenseits seines politischen Gebrauchs nämlich bedeutet Durchgangsheim: zu Hause in der Veränderung. Und nichts weniger als das ist der Sammler und Glas- und Designkenner. Denn nirgendwo sonst ist der permanente Umbruch, der diese Stadt prägt, so stark zu spüren wie hier. Und kaum irgendwo anders leben Gegensätze in so guter Nachbarschaft. Während sich hinter dem Haus der Blick zum Hönggerberg auf ein fast schon ländliches Ufer-Idyll weitet und die Limmat die urbane Hektik friedlich stadtauswärts trägt, lässt die moderne Kulisse zur  Hardturmstrasse hinaus optisch und akustisch nichts zu wünschen übrig. Hier staut sich der Verkehr Richtung Autobahn, wächst das neue Zürich permanent in die Höhe.

Die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen, das Nebeneinander von sonst Getrenntem setzt sich im Haus fort, in dem heute gewohnt und gearbeitet wird: Im Parterre sorgt das «Sphère», ein Bücherladen, der gleichzeitig auch Café ist, für ein permanentes Kommen und Gehen. Ein Kindermöbelgeschäft, eine Softwareentwicklungsfirma, die Wochenzeitung WOZ und eine Kommunikationsagentur teilen sich mit Bewohnern die oberen Stockwerke. Vor zehn Jahren, kurz bevor die Industriebrache im Kreis 5 zuerst von Partygängern und dann von Investoren entdeckt wurde, hat Peter Grünbaum mit ein paar gleich Gesinnten das Haus gekauft und für sich den Dachstock umgebaut. «Ich kann Dachstöcke nicht ausstehen», sagt der Mann lachend und dreht sich mit gespreizten Armen einmal um seine Achse, «Balken, die Schräge – das ist nichts für mich. Widersprüche aber fordern mich heraus.»

Zusammen mit dem preisgekrönten Architektenduo Andreas Fuhrimann und Gabrielle Hächler packte er die Herausforderung und raubte dem Raum das «Dachstockfeeling»: Sämtliche Balken sind konsequent eckig verkleidet und weiss gestrichen, die Dachschräge wurde durch eine über die ganze Länge gezogene Gaube – einen Dachaufbau mit Fenstern – durchbrochen, die langen schmalen Öffnungen, die einst mit industriellen Glasbausteinen vermauert waren, wurden verglast. Entstanden ist ein luftiger Raum mit beinahe sakraler Wirkung, der sich durch Schiebetüren dreiteilen lässt. In einem «Seitenschiff» ist eine puristische Küche in Senfgelb untergebracht, das andere dient als Büro und Gästeraum und beherbergt Schlafzimmer und Bad. Das «Mittelschiff», der Hauptraum also, ist Wohnraum und zugleich Zentrum des Lofts. Jeder Raum lebt vom Licht des Nachbarraums und gibt sein eigenes Licht gleichzeitig ab.

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