Engadiner Haus in Ardez

Text: Andrea Bornhauser
Fotos: Maurice Haas/13photo
Erstellt: 30. November 2009

01. Dezember 2009

Ein Händchen für Einzigartiges hat die Designerin Helen von Albertini nicht nur in der hohen Kunst der Handschuhmacherei. Auch ihr Engadiner Haus in Ardez ist voller Dinge, die ihre ganz eigenen Geschichten erzählen.

Wer genau hinhört, vermeint sie zu vernehmen: geflüsterte Geschichten, die sich zwischen den dicken Steinmauern des rund 350-jährigen Unterengadiner Hauses in Ardez zu einem kostbaren Stoff verweben. Eine, die genau hinhört, ist Hausherrin Helen von Albertini. Wenn sie Besucher durch ihr Reich führt, wird in ihren Erzählungen die Geschichte des Hauses wieder lebendig.

Zum Beispiel die der Familie Mengiardi, der dieses Haus einst gehörte und die dann im 19. Jahrhundert aus wirtschaftlichen Gründen nach Italien gehen musste, sich in Florenz niederliess, um ein Hotel zu eröffnen, in dem sie jeweils mehrere Monate im Jahr arbeitete. Ein altes Schwarzweissfoto in der Küche zeigt die Familie, todernst und in hochgeschlossenen Gewändern. «Sie waren so genannte Randolinas engiadinaisas, Engadiner Schwalben, die damals ihre Heimat in Scharen verlassen mussten, um in Italien und anderswo Geld zu verdienen. Im Sommer kehrten sie jeweils – wie die Schwalben – hierher zurück, in ihr Haus», erzählt Helen von Albertini.

Seit zehn Jahren ist dieses Haus nun im Familienbesitz der Schweizer Textildesignerin. Anfangs diente es lediglich als Feriendomizil, letzten Frühling ist die in Zürich aufgewachsene 55-Jährige ganz ins Unterengadin gezogen. Zusammen mit ihrer 17-jährigen Tochter Greta und der Hündin Monti, auf der Suche nach Ruhe, fernab der Stadt. «Es war ein grosser Schritt, aber das Beste, was ich machen konnte», sagt Helen von Albertini. «Hier oben kann ich meine Energien bündeln und werde nicht abgelenkt. » Zudem schliesst sich mit dem Umzug für die Designerin ein Kreis, denn ihre Familie hat Bündner Wurzeln. «Die von Albertinis stammen ursprünglich aus La Punt-Chamues-ch. Meine Grosseltern führten in Davos um die vorletzte Jahrhundertwende ein grosses Hotel.» Aus dieser Zeit stammt auch der weiss lackierte Liegestuhl, der auf der Terrasse steht, ein Erbstück unter vielen. «Einst erholten sich darauf Ferien- und Kurgäste, heute geniesse ich hier die Aussicht auf das Unterengadin.»

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