Hier wohnt der Koch

Text: Nicole Gutschalk
Fotos: Reto Guntli / Zapaimages.com
Erstellt: 15. Dezember 2009

15. Dezember 2009

Mit Fantasie und Liebe zum Detail hat sich Rico Zandonella über seinem Gourmettempel Kunststuben in Küsnacht eingerichtet.

Ich bin ein Frühaufsteher. Lange in den Federn zu liegen, mag ich nicht, das ist verlorene Zeit. Ich erfrische mich kurz und mache mich dann auf den Weg ins nahe gelegene Hallenbad. Ohne Schwimmen ist mein Tag nicht komplett. Und am Morgen ist dafür die beste Zeit. Dann ist es schön ruhig, und ich habe Zeit zum Nachdenken. Meistens drehen sich meine Gedanken ums Kochen. Darum, welche Kreationen am Mittag bei uns in den «Kunststuben» in Küsnacht ZH auf den Tisch kommen. Das meiste ist ja bereits geplant, da wir die Einkaufsliste jeweils schon am Vorabend zusammenstellen. Aber es gibt immer Details, die noch nicht fix sind, und an denen feile ich dann beim Schwimmen herum. Welche Gewürze könnte ich etwa der Vorspeise noch beifügen, um eine raffiniertere Komposition hinzukriegen. Auch die Anweisungen an meine Köche gehe ich im Kopf schon mal durch, zum Beispiel, wie bestimmte Gerichte angerichtet werden sollen. Wenn ich also Punkt acht Uhr morgens in der Küche stehe, ist beinahe jeder Handgriff schon einmal durchgedacht. Zu meinen Köchen habe ich zwar ein freundschaftliches Verhältnis, ich bin aber auch streng. Wenn jemand zum zehnten Mal nachfragt, wie er nun das Hauptgericht auf dem Teller arrangieren soll, kann ich auch einmal harsch reagieren. Falls ich mich aber im Ton vergreife, entschuldige ich mich dafür, das gehört zu einem respektvollen Umgang. Und ich denke, meine Köche verzeihen mir solche Ausrutscher, denn sie bekommen ja auch mit, unter welchem Erwartungsdruck wir stehen. Schliesslich haben wir bereits seit 19 Jahren die höchste Gault-Millau Punktzahl – dieses Niveau zu halten, ist eine Herausforderung, die man nur mit Disziplin meistert. Es gilt immer, neu, anders und natürlich besser zu sein als die anderen. Meine Aufgabe ist es, an den Gerichten herumzutüfteln, ich bin so etwas wie der Hexenmeister in unserer Küche. Momentan stecke ich in einer farbenfrohen Phase, so bekommt man bei uns zum Beispiel Gerichte mit verschiedenfarbigen Saucen serviert. Mein Partner Horst Petermann bremst mich aber, wenn es ihm zu bunt wird.

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