Leben im 3-Generationen-Haus

Als Grossfamilie in der Villa Kunterbunt

Redaktion: Line Numme; Fotos: Rita Palanikumar

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«So lebe ich» Nina Binkert über ihr Zuhause in Eglisau ZH

Mit Weitsicht: Das Haus liegt auf einem Hügel zwischen Birken

«Vielfältig muss es sein»: Die Küchentheke ist ein Regal, die Schlafkoje der Jüngsten eine Theaterbühne und das Atelier auch ein Kinderparadies

«Hier sind für mich das Glück und die kreative Umgebung, die ich brauche. Ich bin zwischen Kindern, Atelier und Haushalt ganz fest zuhause»

Während Nina Binkert an ihren Postkarten arbeitet, werkeln die Töchter an eigenen Basteltischen

«Vieles braucht Zeit, bis es sein Plätzchen gefunden hat»: Die Einrichtung im Wohnzimmer ändert häufig – das Kunstwerk von Nina Binkerts Schwester Andrea Heller und das Stillleben auf dem Cheminéesims aber bleiben

Was es braucht bei einem Grosshaushalt? Einen ausgeprägten Ordnungssinn. So wie ihn die zweitälteste Tochter Laura in ihrem Zimmer beweist

Bringen Leben in Haus und Garten, von links: Emma (10), Nina (43), Sofia (4), Peter (69), Yuna (1), Laura (13), Nora (15)

Grafikdesignerin Nina Binkert (43) lebt ihren Traum: In einem 3-Generationen- Haus in Eglisau ZH, wo ihre Grossfamilie und ein eigenes Atelier Platz haben. Der Stil in der Villa Kunterbunt? Lebendig und verspielt.

Grossfamilie und Grafikdesign

Nina Binkert ist Grafikdesignerin und Mutter. Zusammen mit ihrem Mann Peter (69) – ebenfalls Grafiker – und ihren fünf Töchtern im Alter von 1 bis 15 Jahren lebt sie in ihrem ehemaligen Grosselternhaus am Hügel von Eglisau. 2016 gründete Nina Binkert ihr eigenes Postkarten- label, für das sie in ihrem Heimatelier Sujets mit ganz besonderem Charme entwirft. Verkauft werden sie in ihrem Dorflädeli oder über ihre Website schönegrüsse.ch

Wie kamen Sie zu diesem Haus?
Es war das Haus meiner Grosseltern. Mein Vater wuchs schon hier auf, ebenfalls mit vier Geschwistern. Sie waren also zu fünft, wie meine Töchter jetzt. Als alle Kinder meiner Grosseltern ausgezogen waren, wurde das Haus unterteilt und erweitert. So entstand der Hausteil, in dem meine Eltern jetzt immer noch wohnen und meine Schwester und ich aufgewachsen sind. Nebenan wohnte meine Grossmutter. Ihr Wunsch war es, dass das Haus nach ihrem Tod weiter von der Familie belebt wird. Das war unser Glück! Es war nämlich schon immer ein Paradies.

Was bedeutet Ihnen Ihr Zuhause?
Es bedeutet mir sehr, sehr viel. Es ist der Ort, an dem ich mich schon als kleines Mädchen daheim fühlte. Die Gerüche, die Ausstrahlung, das Gemütliche, es war schon immer da. Das Schönste ist, dass ich es nun mit meiner Familie bewohnen und geniessen darf. Wir haben zwar neu gestrichen, erweitert und Wände rausgenommen, aber der gute Hausgeist ist geblieben. Der Standort zwischen den Birken mit der wunderbaren Sicht über den Rhein und weit in die Ferne ist einfach einzigartig.

Könnten Sie sich vorstellen, woanders zu leben?
Nein, hier sind für mich das Glück und die kreative Umgebung, die ich brauche. Ich bin zwischen Kindern, Atelier und Haushalt ganz fest zuhause.

Wie vereinen Sie das Leben mit Grossfamilie und Ihre Arbeit unter einem Dach?
Es gibt einiges zu koordinieren! Ich versuche es möglichst gelassen zu nehmen. Dabei hilft mir meine morgendliche Jogging-Runde den Rhein entlang, da kann ich über vieles nachdenken und vor mich hinsinnieren. Ich nutze jede freie Minute zwischen Einkaufen, Kochen, Hausaufgaben, Kindersorgen, Haushalt und Garten, damit ich in meinem Atelier an neuen Postkarten und Buchprojekten arbeiten kann. Das geht meistens recht gut – auch mit den zwei jüngsten Mädchen, die noch nicht in die Schule gehen. Sie beschäftigen sich dann an ihrem Basteltisch und sind mindestens für eine Stunde glücklich damit.

Was machen Sie als Erstes, wenn Sie nachhause kommen?
Wenn ich nachhause komme, ist es meistens von einem Grosseinkauf oder von Ausflügen mit den Kindern. Dann heisst es als Erstes alles aus- und einräumen, den Haushalt organisieren, und wenn dann noch Zeit bleibt, gehen wir ins Atelier. Da herrscht sofort eine friedliche Stimmung, und jeder werkelt vor sich hin.

Was inspiriert Sie?
Der Alltag, die Kinder mit ihren Fragen, mit ihren wunderbaren Erklärungen und Ideen, wie die Welt ist oder sein sollte. Und meine tägliche Frischluft-Runde. Ich liebe windige Tage, wenn es nicht zu heiss ist. Zudem inspiriert mich gute Musik, Augen schliessen und Wolkenbilder entdecken.

Ihr Stil in drei Worten:
Lebendig, verspielt, hell.

Woran hängen Sie am meisten und warum?
Ich hänge sehr an meinen gesammelten Dingen. Sie tragen alle Geschichten in sich.

Was würde Ihnen nie ins Haus kommen?
Vorhänge, die einem die Aussicht versperren, und Spannteppiche, die Fegen mit einem Besen unmöglich machen.

Auf was könnten Sie keinesfalls verzichten?
Schwer zu sagen. Das ist wohl mein Sammlerherz – die meisten Sachen, die wir haben, sind mir sehr wichtig.

Worauf achten Sie besonders beim Einrichten?
Es soll lebendig und warm sein. Vielfältig muss es sein!

Ihr schlimmster Fehlkauf?
Seltsam, aber Fehlkäufe passieren mir eigentlich nur bei Schuhen. Da stellt sich oft erst bei längerem Tragen heraus, dass sie unbequem sind.

Ihr grösster Glücksgriff?
Einer von vielen Glücksgriffen, aber wohl der glücklichste war das graue Blechschubladenmöbel aus dem Brockenhaus, in welchem unsere Schlüssel, Nastücher, Pflaster, Schuhbändel, Taschenlampen und so weiter eine gewisse Ordnung finden. Es steht im Korridor beim Eingang und dient als treue Ablagefläche.

Drei persönliche Einrichtungstipps:
1. Nicht alles schon niet- und nagelfest montieren, denn vieles braucht Zeit, bis es sein Plätzchen gefunden hat. Bei uns wandern die Sachen immer wieder von da nach dort und werden zu neuen Kompositionen zusammengefügt. Das macht das Wohnen lebendig und frisch. 2. Experimentieren. Ich finde beispielsweise die meisten Badezimmerschränkchen hässlich, weil sie so zweckgebunden sind. Mit einer oder mehreren grossen an die Wand geschraubten Blechschachteln lässt sich eine viel spannendere Schrankwand machen. 3. Der Mix macht es. Es schaudert mich, wenn alles voller Designmöbel ist oder nur das Praktische Vorrang hat. Da fehlt mir die Geschichte, das Einzigartige. Die Einrichtung soll nicht verkrampft wirken.

Woher oder von wem bekämen Sie selbst gern mal eine Postkarte?
Ich hätte gern mal Fanpost bekommen – von meinem Idol David Bowie! (lacht) Farbige Briefkastenfreuden sind von überall her herzlich willkommen und werden an die Metallwand beim Eingang gehängt. Postkarten haben mich schon immer fasziniert. Auf Flohmärkten stöbere ich jeweils durch die verstaubten Boxen mit alten Postkarten.

Wovon träumen Sie immer noch?
Eigentlich bin ich wunschlos glücklich in unserer Villa Kunterbunt.

 

Tipps und Tricks von Nina Binkert:
Ihr Zuhause ist voll von liebevoll zusammengestellten Deko-Objekten, die sie auf Flohmärkten, Brockenhäusern oder auch auf der Strasse entdeckte. Uns verrät die Grafikdesignerin, wie man erfolgreich und stilvoll sammelt. 

Line Numme

Die Wohnredaktorin interessiert, was gutes Design ausmacht und wer dahintersteckt. Privat ist sie seit kurzem auch B&B-Gastgeberin in zwei gemütlichen Holzwagen in Zürich.

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