Autotest

Einer für Blondinen

Text: Jacqueline Krause-Blouin; Foto: Kevin Schärer

Autotest
  • Bereit für eine Sonntagsfahrt an einem Freitag: Unsere stv. Chefredaktorin Jacqueline Krause-Blouin und der rote Tscheche

Zunächst war der neue Škoda Rapid Spaceback Style für Test-Rookie Jacqueline Krause-Blouin bloss ein rotes Auto. Konnte das gut gehn?

Ich wähne mich schon in einer Selbsthilfegruppe: «Hallo, mein Name ist Jacqueline.» – «Hallo Jacqueline.» – «Ich bin blond und ich kann nicht Auto fahren.» Ja, ich bediene ein Klischee, das wohl zuletzt so Anfang der Achtziger im Kontext von Blondinenwitzen lustig war. Kann man doch nicht zugeben so was, im Jahr 2018! Total antifeministisch! Dann noch als Millennial. Nun ja, um die Sache klarzustellen – ich kann nicht Auto fahren, weil ich es nie tue, nicht weil ich zu bekloppt dafür bin. Ausserdem macht eine gesunde Selbstreflexion einen noch nicht zur Antifeministin.

Aber das nur nebenbei, ich soll ja ein Auto testen, mein allererster Autotest überhaupt. Dreieinhalb Jahre hatte ich mich erfolgreich geweigert, aber nun, ich gebe es zu, brauchte ich halt dringend ein Gefährt. Als mich mein Mann fragt, was für ein Auto das unglückliche denn sein werde, sage ich: «Ein rotes!» Mal kurz nachgeschaut: Es ist ein Škoda, genauer der Škoda Rapid Spaceback Style. Gemacht für Millennials wie mich, mit «Always-on»-BoardWifi und einer eigenen App, die den geografischen Standort des Wagens anzeigt, falls man mal wieder vergisst, wo man parkiert hat (soll Blondinen ja überdurchschnittlich oft passieren).

Wir haben etwas Besonderes mit dem roten Tschechen vor: auf zu einer Filmpremiere mit Auftritt auf dem Roten Teppich. Ob der Škoda auch glamourös kann? Nun, jedenfalls ist im Spaceback, der Name liess es schon vermuten, schon mal ordentlich Platz für mein Abendkleid, das ich schön ausbreiten kann (Jawohl, ein weiteres Klischee, ich schreibe auch auf dieser Seite über Mode!).

Einmal eingestiegen, gefällt mir das relativ nüchtern gehaltene Cockpit gut, ich muss auf der Autobahn nicht das Gefühl haben, in einem Privatjet zu sitzen, und tausend unnötige Knöpfe nerven mich sowieso. Allerdings erfasst mich jetzt Panik. Ich bin eine Sonntagsfahrerin, das hatte ich ja erwähnt. Also, so jeden Sonntag alle zwei Jahre. Und heute ist Freitag, verdammt! Der Škoda aber, keine Show-off-Kiste, wirkt irgendwie beruhigend – kompetent, könnte man fast sagen. Als wir auf der Autobahn sind, fühle ich mich schon so wohl, dass ich das Autoradio voll aufdrehe und vom erstklassigen Sound überrascht bin. Selbst bei Höchstgeschwindigkeit hört man die Nuancen unseres Roadtrip-Soundtracks.

Am Roten Teppich angekommen, steige ich wie die Millennial-Marilyn höchstpersönlich aus unserem Škoda, als ob es ein Bentley wäre: alles eine Frage der Attitüde. Wie langweilig, denke ich mir noch, die ganzen schwarzen Autos, aus denen die anderen aussteigen, sehen alle so gleich aus. Bis wir merken, dass die Premiere von Audi gesponsert wurde. Na ja, Auto ist Auto, sage ich ja immer. Und der Škoda hat mir auf jeden Fall ein Stück weit meine Freude am Fahren zurückgegeben. Vielleicht teste ich nächstes Mal ein blaues.

Modell: Škoda Rapid Spaceback Style
Motor: 1.4-Liter-TSI
Fahrleistung: 125 PS, von 0 auf 100km/h in 9.9 s
Höchstgeschwindigkeit: 205 km/h
Masse: Länge 4.3 m, Breite 1.7 m, Höhe 1.4 m
Leergewicht: Das fragt man eine Lady nicht
Kofferraumvolumen: 415 l
Verbrauch: 4.9 l/100 km,
CO2-Emission: 115 g/km
Energieeffizienz: D
Preis: ab 16 560 Fr., Testmodell: 29 867 Fr.
Infos: skoda.ch

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