Generation Z

Auf Shopping-Tour mit einem Teenie

Text: Niklaus Müller; Fotos: Christoph Kuhn 

Make Up

Welche Make-up-Produkte lieben Teenager und wofür geben sie ihr Geld aus? Wer sind ihre Beauty-Vorbilder und wie wichtig ist ihnen Schönheit? Auf Shoppingtour mit Zoe (16).

«Das sind die neuen Lidschattenpaletten von Jeffree Star x Shane Dawson. Die muss ich mir unbedingt genauer ansehen», sagt Zoe Imondi. Die 16-Jährige, die eine KV-Ausbildung in Staufen AG macht, bekommt heute von uns eine besondere Aufgabe: Sie soll für hundert Franken Beauty-Produkte kaufen, die ihr gefallen. «Na ja, die Palette sieht zwar cool aus, aber es hat Farben drin, die ich eh nie verwende. Ich mag vor allem Brauntöne und kann mit Blau oder Grün gar nichts anfangen, da fühl ich mich verkleidet.» Hier in der grossen Marionnaud-Parfumerie an der Bahnhofstrasse in Zürich gibt es noch andere Marken, die sich Zoe anschauen möchte. Smashbox wegen deren Make-up-Primern und Bobbi Brown ebenfalls wegen der Lidschattenpaletten. Von den ganz edlen Marken wie Dior oder Chanel hält sich Zoe fern: «Die Produkte sind elegant, sprengen aber mein Budget.»

Zoe bezeichnet sich selbst als sehr kosmetikaffin, aber nicht fanatisch. Sie schminkt sich auch nicht jeden Tag – wenn sie arbeitet nur ganz diskret oder gar nicht. Wenn sie zur Schule geht schon mehr – und für den Ausgang richtig. Da dürfen es dann auch mal Contouring und falsche Wimpern sein. Alle zwei Monate, manchmal öfter, geht Zoe Beauty-Produkte einkaufen. Durchschnittlich für etwa fünfzig Franken im Monat. Ein nicht unerheblicher Teil ihres Lehrlingslohnes von 740 Franken. Inspiration und Hilfe bekommt sie von ihren älteren Cousinen, die echte Beauty-Expertinnen seien. Aber auch die Youtuberin Nikkie Tutorials oder die Sängerinnen Maggie Lindemann und Lana Del Rey dienen als Inspiration. Am spannendsten findet Zoe Make-up-Produkte. Pflege ist ihr wichtig, da hat sie schon ihre Routine gefunden: Ein Waschgel von Neutrogena und eine Feuchtigkeitscrème von Nivea. Bodylotion und Shampoo nimmt sie von ihrer Mutter.

Lipliner sind günstiger und halten länger als Lippenstifte: Zoe mit einer Beraterin bei Sephora im Manor.

In der Parfumerie sprüht sich Zoe noch grosszügig mit Hypnotic Poison von Dior ein, ihrem Lieblingsduft, bevor sie weiter zum Coop-City St. Annahof geht. Bis jetzt ist das Budget von hundert Franken noch unangetastet, aber das kann sich hier ändern. Zielstrebig schaut sie sich im Warenhaus das Sortiment der künstlichen Wimpern und der Nagellacke an. Dann bleibt sie beim Ständer von Maybelline hängen: «Die haben gute Concealer, und davon brauche ich ziemlich viel. Da nehme ich einen mit.» Als Nächstes geht es zu L’Oréal Paris, dort soll es eine Mascara sein. Auf Empfehlung der Parfumeriechefin kauft sie eine mit dem Namen Bambi. Mit Wimperntusche und Kajal hat Zoe angefangen, sich zu schminken, da war sie 13 Jahre alt. Für ihre Eltern war es okay, da sie sich nur für spezielle Anlässe schminkte. Damals leistete sie sich eine Foundation von Nars für 74 Franken. Ein Unsinn, findet sie heute. Die Foundation war zwar gut, aber viel zu teuer. Heute benutzt sie eine von Fenty, die halb so teuer ist. Ihren Lehrlingslohn investiert sie lieber in den Ausgang. Zoes Lieblingsprodukte sind Mascara, Concealer, Foundation und Lidschattenpaletten. Beautydoc-Behandlungen wie Hyaluron oder Botox kommen für sie nicht in Frage. Man solle nur etwas machen lassen, wenn man so unglücklich sei, dass man nicht mehr damit leben kann. Hilfsmittel wie künstliche Wimpern sind für sie okay. Vor Kurzem habe sie sich sogar von ihrer Cousine Gelnägel machen lassen, weil ihre so brüchig seien.

Diese Produkte hat sich Zoe für die hundert Franken gekauft: Make-up-Setting-Spray All Nighter von Urban Decay ca. 37 Fr. Fit Me Concealer von Maybelline ca. 13 Fr. False Lash Bambi Mascara von L’Oréal Paris ca. 22 Fr. Lip Pencil von Mac ca. 23 Fr.

Ihre Cousinen sind Zoes grosse Beauty-Vorbilder. Mit zwei Produkten in der Tasche geht es als Nächstes zu Sephora im Manor. Dort inspiziert Zoe kurz die Marken Benefit und Too Faced. «Eigentlich brauche ich mehr Pinsel für mein Make-up, denn ich habe nur zwei zuhause. Aber ich wüsste gar nicht, wie man diese richtig anwendet.» Gleich nebenan bei Mac interessiert sich Zoe für eine Lidschattenpalette. Aber knapp 200 Franken findet sie zu viel, obwohl ihr die Farbtöne gefallen. Lieber einen Lippenstift. Oder noch besser einen Lipliner: «Die sind günstiger und halten viel länger», meint sie. Mit 37 Franken ist ein Setting-Spray fürs Make-up am Stand von Urban Decay der teuerste Einkauf, den Zoe getätigt hat. Die Gesamtsumme des Einkaufs beträgt 96 Franken. Nach knapp drei Stunden ist die Shoppingtour beendet. Zoe freut sich über ihre neuen Produkte. Sie kommen zuhause in die bereits vollen Make-up-Schränke. Denn Make-up kann man nie genug haben.

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