Hairstylistin Sally Brooks gibt den letzten Schliff

Interview: Isolde Burtscher
Fotos: Karin Heer, Rita Peter

Mit Charme und Hairspray: Sally Brooks stylt Denise Stadelmann
  • Mit Charme und Hairspray: Sally Brooks stylt Denise Stadelmann

Die frisch geschnittenen und gefärbten Haare unserer Cover-Models bekamen zum Fototermin noch mal ein Topstyling. Die Londoner Hairstylistin Sally Brooks gab in ihrer Rolle als Art Director für Nivea Hair jeder Frisur den letzten Schliff.

Die britische Hairstylistin Sally Brooks ist längst eine feste Grösse in der internationalen Stylingszene. Sie wird von renommierten Magazinen wie «Elle» oder «Vogue» gebucht und entwickelte kreative Trendlooks für die Shows hochrangiger Modedesigner wie Alexander McQueen oder Hussein Chalayan. Bereits dreimal wurde Sally Brooks als London Hairdresser of the Year ausgezeichnet, was in britischen Coiffeurkreisen einer Adelung gleichkommt. Neu hinzugekommen ist der Titel UK’s Most Wanted Creative Director, den ihr das  Branchenmagazin «Creative Head» kürzlich verliehen hat.

Wenn Sally Brooks einmal nicht als Trendsetterin und internationaler Art Director für Nivea Hair um die Welt reist, kümmert sie sich um die Haare der Kunden ihres Londoner Salons Brooks & Brooks. Trotz übervollem Terminkalender nahm sich die Starstylistin die Zeit, während zweier Tage am 100-Covers-Shooting im Fotostudio Kandidatinnen zu stylen. Und für ein Gespräch rund um das Thema Veränderung.

annabelle: Sally Brooks, in unserer 100-Covers-Geschichte dreht sich alles um Veränderungen. Was sind Ihrer Erfahrung nach Gründe, warum Frauen ihre Frisur komplett verändern wollen?
Sally Brooks: Das hängt meist mit einschneidenden Veränderungen im Leben der Frauen zusammen. Wie zum Beispiel der erste Job oder ein markanter Karriereschritt. Dann kommt die Hochzeit, für die viele Frauen ihre Haare wachsen lassen. Sobald dann Kinder da sind, haben sie nicht mehr so viel Zeit und wollen eine praktischere Frisur. Ein weiterer Klassiker, wenn man so will, ist die Veränderung im Zuge einer Scheidung, viele Frauen lassen sich dann ihr Haar abschneiden. Und schliesslich sind da noch die grossen Lebensalter-Abschnitte: Dreissig, vierzig, fünfzig, sechzig – die bringen oft eine neue Farbe, einen neuen Schnitt, eine neue Liebe.

Wie gehen Sie vor, wenn eine Frau mit dem Wunsch nach einer einschneidenden Veränderung zu Ihnen in den Salon kommt?

Ich versuche herauszufinden, woher dieser Wunsch kommt. Denn viele denken, dass eine neue Frisur ihr Leben verändern wird. Das ist aber nicht immer der Fall. Wenn also eine Frau in meinen Salon kommt, um sich ihre langen Haare kurz schneiden zu lassen, dann muss ich sicher sein, dass sie mit kurzen Haaren auch glücklich wird. Manchmal schlage aber auch ich einer Frau vor, ihren Look zu verändern. Weil sie eine Veränderung in ihrem Leben braucht, um weiterzukommen oder sich selbst wieder attraktiv zu finden.

 


Nivea Cover-Aktion

Können Sie sich als Frau eigentlich besser in solche Situationen einfühlen?
Wollen Sie mich damit fragen, ob Frauen die besseren Coiffeure sind? Im Ernst, ich denke, das ist eine Frage der Erfahrung, der beruflichen wie auch der Lebenserfahrung.

Was macht denn einen guten Coiffeur aus?
Ein guter Coiffeur richtet sich nach den individuellen Bedürfnissen der Kundin, schneidet und coloriert das Haar so, dass sie es zu Hause leicht handhaben kann, und gibt ihr Tipps für Styling und Pflege. Und er vergisst auch nicht, dass jede Frau im Schnitt zehn Minuten hat, um ihr Haar zu machen.

Und wie findet man einen guten Coiffeur?
Indem man Menschen anspricht, deren Frisur man mag, und ihnen zwei Fragen stellt: erstens, wo sie ihre Haare machen lassen, und zweitens bei wem. Zudem bietet jeder gute Salon eine kostenlose Konsultation an, um sich kennen zu lernen. So findet man heraus, was der Coiffeur mit den Haaren machen würde, ob man auf derselben Wellenlänge liegt und sich gegenseitig versteht. Ein guter Coiffeur muss dein Haar verstehen und dich als Frau.

Wie halten Sie es mit Kundinnen, die ein Foto aus einem Magazin mitbringen und sagen «So will ich aussehen …»?
Damit habe ich kein Problem. Meist kann man die Frisur auf dem Foto nicht hundertprozentig nachstylen. Doch es vermittelt einen Eindruck davon, was die Kundin möchte.

Kann man denn nicht auch einfach sagen, welchen Schnitt man möchte?
Manchmal weiss die Kundin nicht unbedingt, was ein bestimmter Fachbegriff genau bedeutet. Verlangt eine Kundin zum Beispiel einen speziellen Schnitt, dann ist nicht gesagt, dass Coiffeur und Kundin darunter dasselbe verstehen. Von daher sollten Kundinnen viel eher beschreiben, wie sie nach der Veränderung wirken wollen. Sie sollten beispielsweise sagen: Ich möchte meine feminine Seite betonen oder modischer wirken oder eleganter. Und der Coiffeur weiss: Eleganter bedeutet einen klassischeren Schnitt, feminin bedeutet Bewegung, und modisch heisst etwas ausgefallener. Es macht keinen Sinn, einem guten Coiffeur etwas von Schnitten oder Techniken zu erzählen. Es ist unser Job, die Technik zu bestimmen und wie das Haar geschnitten werden soll. Der Job der Kundin ist es zu entscheiden, wie sie sich fühlen möchte.

 


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Inwieweit leisten Trends dem Wunsch nach einem neuen Style Vorschub?
Sanfte Veränderungen haben ganz klar mit Trends zu tun, gravierende jedoch eher nicht. Wenn sich eine Frau mit langen Haaren einen Pony schneiden lässt und den Scheitel auf der anderen Seite zieht, ist das meist modisch bedingt und bedeutet für diese Frau meist schon eine grosse Veränderung. Das ist aber nicht vergleichbar mit dem Schritt von lang zu kurz oder von schwarz zu blond, der in aller Regel durch eine einschneidende Veränderung im Leben motiviert ist.

Was sind denn die aktuellen grossen Trends?
Feminität, Frauen möchten feminin sein, wollen Bewegung im Haar. Das ist weniger ein technischer Trend als vielmehr ein Gefühl, das sich vor allem auch über das Haar und das Hairstyling ausdrückt. Neu ist, dass sich alles um den Zustand der Haare dreht, denn schönes Haar muss in erster Linie gesund sein, also schonend behandelt werden. Noch vor ein paar Jahren ging es ja in erster Linie um Bleichen, Strecken, Dauerwellen – all diese relativ aggressiven Behandlungen. Das hat sich geändert, die Colorationen werden zunehmend softer, und wir tönen auch eher, als dass wir färben. Dabei verwenden wir vermehrt Rot- und warme Braunnuancen.

Was empfehlen Sie Ihren Kunden zur Pflege?

Grundsätzlich ein Shampoo, einen Conditioner und eine Maske, die natürlich den Bedürfnissen des Haars entsprechend ausgewählt sein müssen. Ich empfehle auf jeden Fall, bei derselben Linie zu bleiben. Eine Haarmaske einmal pro Woche und nicht allzu lange Abstände zwischen den Coiffeurbesuchen, das sollte auch drinliegen, wenn man eigentlich nicht sehr viel Zeit für die Haarpflege erübrigen kann. Auf der Grundlage eines guten Schnitts sehen die Haare mit diesem Minimalprogramm immer gut aus.

Welche Stylingprodukte benutzen Sie am meisten?

Ausschliesslich Produkte mit pflegender Komponente, also pflegende Mousses und Seren. Und nichts, was einen hohen Alkoholanteil aufweist. Ich style aber auch schonender, glätte beispielsweise die Haare nicht mehr so sehr wie früher. Dafür kommt im Moment sehr oft mein Zauberstab – so nenne ich den Lockenstab mit der grossen Bürste – zum Einsatz, mit dem man diesen coolen Gerade-aufgestanden-Look kreieren kann.



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Warum tun sich viele Frauen so schwer mit der Verwendung von Stylingprodukten?
Ich glaube, viele sind damit zurückhaltend, weil sie noch jene Generation Stylingprodukte miterlebt haben, die durch einen grossen Alkoholgehalt die Haare ausgetrocknet und ihnen den Glanz genommen haben. Dabei haben sich die Formeln der Produkte total verändert, sie pflegen und verbessern das Haar, statt ihm zu schaden. Allerdings ist das heutige Angebot an Sprays, Gels und Schaumfestigern unüberschaubar geworden, und viele Frauen wissen schlicht nicht, welche Produkte für ihr Haar und ihr Styling die richtigen und wie sie anzuwenden sind. Da benutzen sie lieber gar keine Stylingprodukte und nehmen dafür kraftloses, plattes Haar in Kauf. Aber ein guter Coiffeur berät – wie gesagt – seine Kundin auch in Sachen Styling und Pflege.

Viele unserer 100-Covers-Modelle wussten von traumatischen Haar-Erlebnissen zu berichten, die bis heute ihren Mut zur Veränderung beeinträchtigen. Zum Beispiel misslungene Dauerwellen …
Ja, die Dauerwellen-Ära hat wohl eine ganze Generation traumatisiert! Alle, die heute wie ich vierzig Jahre oder älter sind, hatten wohl einmal eine Dauerwelle, die schief ging. Ich selbst habe eine Dauerwellen- und eine Haubenmèchesphobie. Aber die jüngere Generation hat da keine Berührungsängste. Und die Produkte sind heute so viel besser, dass ich mit einem Comeback dieser Techniken rechne. In naher Zukunft werden wir wohl neue, sanftere Dauerwellen und natürlichere Highlights sehen.



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