Neues Haar, neues Glück!

Text: Isolde Burtscher
Fotos: Karin Heer

Der mutige Schritt zum grossen Schnitt: Coiffeur Niall Wykes zeigt Simone Truong den soeben abgeschnittenen Pferdeschwanz
Im 2-Stunden-Takt kommen hundert erwartungsfrohe annabelle-Leserinnen in den Coiffeursalon
Vanessa Teston ist seit kurzem leidenschaft liche Downhill-Bikerin, jetzt möchte sie auch auf dem Kopf mehr Action. Mit Mèches und langen Stufen verleiht Niall Wykes ihrer Frisur Leben und Spiel
Die Wohnung im Tessin ist gekauft, die Italienisch- Vokabeln sitzen immer besser – jetzt fehlt nur noch die neue Frisur: Leserin Janina Kasprzak mit dem geduldigen Fox­terrier Louis
Er kämmt und färbt, tönt und föhnt, onduliert und effiliert: Niall Wykes ist unermüdlich
e
f

Der mutige Schritt zum grossen Schnitt: Coiffeur Niall Wykes zeigt Simone Truong den soeben abgeschnittenen Pferdeschwanz

Im 2-Stunden-Takt kommen hundert erwartungsfrohe annabelle-Leserinnen in den Coiffeursalon

Vanessa Teston ist seit kurzem leidenschaft liche Downhill-Bikerin, jetzt möchte sie auch auf dem Kopf mehr Action. Mit Mèches und langen Stufen verleiht Niall Wykes ihrer Frisur Leben und Spiel

Die Wohnung im Tessin ist gekauft, die Italienisch- Vokabeln sitzen immer besser – jetzt fehlt nur noch die neue Frisur: Leserin Janina Kasprzak mit dem geduldigen Fox­terrier Louis

Er kämmt und färbt, tönt und föhnt, onduliert und effiliert: Niall Wykes ist unermüdlich

Unser Coiffeur Niall Wykes hatte viel zu tun: Hundert Frauen freuten sich auf die neue Frisur, die sie von annabelle und Nivea für ihr neues Lebensgefühl geschenkt bekommen.

Niall Wykes war vom ersten Moment an Feuer und Flamme für das 100-Covers-Projekt von annabelle. Nach einiger Vorarbeit und etlichen Terminrochaden schaffte er es, sieben Seiten in seinem Terminbuch für dieses rekordverdächtige Projekt freizuschaufeln. Mit seinen beiden Assistentinnen Alicia Castro und Helen Schneider stand Niall Wykes nun bereit, die hundert Makeovers in Angriff zu nehmen.

Zum Beispiel bei einer jungen Dame im Rollstuhl, die soeben strahlend vor einem der deckenhohen Spiegel Platz genommen hat. Ja, kürzen dürfe Niall ihre Haare gern. Aber bitte nicht so sehr, dass sie sich nicht mehr zum Pferdeschwanz zusammenbinden lassen. Nathalie Hans spielt Rollstuhltennis, und beim Sport würde offenes Haar stören. Man einigt sich auf Mèches in mehreren helleren und dunkleren Tönen für zusätzliche Farbdimensionen und einige Layers für die Form. Kaffee? Mineral? Ein paar Zeitschriften? Nialls Assistentin Alicia verschwindet derweil in der kleinen Nische neben den Waschplätzen, die als Kaffeeküche und Platz für kurze Snackpausen dient. Vor allem aber wird sie immer wieder zur Hexenküche eilen, in der zahllose Farbmischungen angerührt werden.

Ein kurzer, aber konzentrierter Blick auf das Haar der Kandidatin und das Spiegelbild ihm gegenüber, und Niall gibt seinen Assistentinnen mysteriöse Zahlenfolgen an: «7/73 plus 6% und 12/0 plus 12%.» Was für nicht Eingeweihte wie ein völlig unverständlicher Geheimcode klingt, wird bald in Form einer gelblichen, bräunlichen oder rötlichen Paste auf die exakt abgeteilten Haaransätze der Kundin gepinselt. Jeweils ein sauber gefaltetes Blatt eines feinen, wachsartigen Papiers dazwischen, und bald sieht das Ganze wie die Origami-Version einer Tina-Turner-Perücke aus. Unter einer Haube wird dieses Kunstwerk nun zwanzig Minuten lang bedampft, während seine Trägerin an ihrem Kaffee nippt, SMS schreibt oder sich aus den herumliegenden Magazinen mit neustem Klatsch und Modetrends versorgt.

 


Nivea Cover-Aktion

Es folgt die klassische Dreierkombination: Waschen – Schneiden – Föhnen. Immer wieder, hundert Mal und doch immer ein wenig anders. Mal landen zentimeterlange Strähnen auf dem Boden, etwas seltener werden gleich mehrere Monate oder gar ein Jahr abgeschnitten.

Für Niall Wykes bedingt Veränderung nicht immer einen radikalen Eingriff, sie definiere sich dadurch, was eine Frau empfindet, wenn sie sich nachher im Spiegel anschaut. «Manchmal reicht eine kleine Farbveränderung, vielleicht ein paar Mèches. Wenn man nicht an Farbe gewöhnt ist, ist das bereits ein Riesenschritt. Oder eine leichte Stufung. Die Umwelt wird es vielleicht gar nicht bemerken, doch für diese Frau ist der Rahmen um ihr Gesicht verändert, die Aura, die sie umgibt.» Es sei übrigens nach wie vor so, dass Frauen immer zuerst an ihr Haar denken, wenn sie einer einschneidenden Veränderung in ihrem Leben äusserlich Rechnung tragen wollen. Und oft hätten sie dann etwas viel zu Grosses im Sinn, im Stil von: das Haar raspelkurz schneiden und gleich noch komplett umfärben. «Es kommt vor, dass ich Kundinnen von ihrem Vorhaben abrate. Nicht immer sind einschneidende Ereignisse im Leben der richtige Moment, um auch noch die Haare drastisch zu verändern.» Umgekehrt sei eine komplett andere Frisur nicht immer der richtige Ansatz, sein Leben zu verändern oder glücklich zu werden.

Die Vorhaben und neuen Ereignisse, die von den Bewerberinnen als Grund für eine Teilnahme am Cover-Styling angegeben wurden, waren so unterschiedlich und individuell wie die Kandidatinnen selbst. Und nicht jede war an dem Wendepunkt ihres Lebens, an dem sie sich radikal von alten Zöpfen trennen wollte. Manchmal steckte auch Angst dahinter: Nicht selten bekam Niall Wykes wahre Horrorgeschichten von völlig verschnittenen Haaren zu hören. Oder von misslungenen Dauerwellen. Oder verunglückten Blondierungen.

Stichwort Farbe. Wer sich für eine Veränderung mittels Färben, Tönen oder Mèches entscheidet, hat theoretisch die Qual der Wahl. Praktisch gibt es für Niall Wykes aber durchaus Anhaltspunkte für die richtige Entscheidung in Sachen Coloration: «Ich glaube nicht an allzu extreme Farbveränderungen. Eine Frau mit dunklem Haar sollte nicht blond werden und umgekehrt. Ich zeige meinen Kundinnen daher, wie der dunkelste Ton ihrer hellen oder der hellste Ton ihrer dunklen Naturfarbe aussieht. Entscheidend ist, dass die Farbe zum Hautton passt. Sie darf mit ihm aber auch nicht so eine verwaschene Einheit bilden, wie man es bei Blonden oft sieht, wenn Haare und Teint dieselbe goldene oder gelbliche Farbe haben. Das ist total falsch.»

 


Nivea Cover-Aktion

Sprachs und verhilft einer naturblonden Kandidatin zu einem noch aufregenderen, leuchtenderen Blond. Entgegen der landläufigen Meinung braucht es dazu übrigens nicht einfach eine kräftige Dosis Wasserstoffperoxid. Es geht vielmehr darum, der Haarfarbe durch hellere und dunklere Mèches, so genannte High- und Lowlights, zusätzliche Leuchtkraft und Dimension zu geben. Michaela Schweizer ist vom Ergebnis begeistert. Ihr blondes Haar ist für sie nicht blosser Schmuck, es hat auch eine Menge Symbolkraft. Denn sie ist die jüngste Co-Pilotin im Schweizer Rallyesport und obendrein die einzige Blonde, was ihre Kollegen immer wieder zu Witzeleien über Blondinen und deren Fähigkeiten im Kartenlesen veranlasst. Ob ihr das was ausmacht? «Nicht wirklich», meint die Berner Oberländerin, «es spornt mich höchstens an, es noch besser zu machen.» Es summt und brummt im Salon, Föhne und Wasserhahnen sind im Dauerbetrieb. Alle zwei Stunden kommen zwei neue Kandidatinnen in den Salon und zwei frisch gestylte verlassen ihn. Mit ihnen eine Wolke Nivea Color Crystal Gloss Hairspray Nummer 4, Niall Wykes’ Favorit, mit dem er jede Frau zum Abschied grosszügig umhüllt.

Nur einmal wird es mucksmäuschenstill. Aus Simone Truongs hüftlangem Haar soll ein kurzer Pixie werden. Der ganze Salon ist wie elektrisiert, eine Mischung aus Spannung und Bewunderung für die mutige Entscheidung liegt in der Luft, als die Schere des Coiffeurs den langen Zopf durchtrennt. Der Kurzhaarschnitt enthüllt eine neue Frau, attraktiv, unverwechselbar – ein echter Typ. Und ein absolutes Highlight für Niall Wykes: «Es war toll, die langen Haare abzuschneiden! Das ist ein Gefühl, wie auf einem Berggipfel zu stehen. Du fühlst dich absolut frei, wenn du so schneiden kannst.»

Ein derartiges Gipfelerlebnis blieb unter den hundert Makeovers zwar einmalig, viele der Kandidatinnen kommen dafür in den Genuss eines Aha-Erlebnisses. Etwa einige der älteren Damen, die ihr Haar für die Wunschfrisur mit Bleichen und Dauerwelle arg strapaziert hatten. Sie verlassen den Salon mit einem Hairstyle, der nicht nur wunderbar zu ihrem Typ passt, sondern auch schonend mit ihrem Haar umgeht. Generell stellt Niall Wykes fest, dass sich Frauen mit zunehmendem Alter mit den natürlichen Gegebenheiten ihrer Haare arrangieren, was die Qualität des Haars verbessert. Sich selbst zu akzeptieren und zu wissen, was zu einem passt, das sei Teil einer persönlichen Entwicklung, die seiner Erfahrung nach so um die Mitte dreissig einsetze. «Und das ist gut so, denn es gibt nichts Schlimmeres als eine Frau in den Vierzigern, die krampfhaft jedem Trend folgen will.»

 


Nivea Cover-Aktion

Leuchtendes Beispiel für eine Frau in den Vierzigern, die aus ihrem Haar das Beste macht, ist für ihn Jennifer Aniston. «Sie ist meine Haar-Ikone, weil sie weiss, was ihr Haar kann. Es sieht immer toll aus, weil sie seine Natur akzeptiert und es supergut pflegt. Sie variiert schon mal die Länge, hat mal Stirnfransen, ist mal etwas dunkler, mal etwas heller – doch sie hat immer die für ihren Hautton perfekte Farbe.» Sie sei vielleicht nicht die hübscheste Frau in Hollywood, doch bei ihr passe alles gut zusammen. Daher konzentriere sich der Blick auch auf ihre Persönlichkeit, ihre Ausstrahlung und nicht ihre neue Frisur, die neue Handtasche oder das neue Styling. «Das Beste ist doch, wenn die Leute sagen, oh wow, du siehst toll aus, es aber nicht an etwas Bestimmtem festmachen können. Letztlich ergeben viele Einzelteile das Gesamtbild, und sie alle müssen zusammenpassen. Und ich bin überzeugt, dass Haare dabei eine zentrale Rolle spielen, seiner Persönlichkeit Ausdruck zu verleihen.»

Inzwischen ist es Freitagabend. Die letzte Kandidatin hat eben den Salon verlassen und wird mit den anderen 99 Frauen in den nächsten Tagen im Fotostudio für ihr annabelle-Cover Modell stehen. In der Ecke liegen die zusammengefegten Haare – die Bilanz des Tages und irgendwie auch der ganzen Woche. Nichts als ein Haufen Haare und doch so viel mehr. Während Niall Wykes, Alicia und Helen über die Digitalkamera gebeugt noch einmal die Nachher-Fotos der Kandidatinnen anschauen, resümieren sie einige der vielen Geschichten, die in den vergangenen sieben Tagen erzählt wurden. Und in der Nische neben den Waschplätzen knallt ein Champagnerkorken.

 

 


Nivea Cover-Aktion

Empfehlungen der Redaktion

Alle Fotografinnen, alle Fotografen und alle Models