Hairstylist Niall Wykes über den Pixie-Cut

«Manche haben einfach nicht das Gesicht dazu»

Redaktion: Viviane Stadelmann; Foto: Mihály Demeczky

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Hairstylist Niall Wykes hat ein Händchen für den richtigen Schnitt: Für die aktuelle annabelle-Ausgabe haben er und sein Team drei Leserinnen den neuen, superkurzen Pixie-Schnitt verpasst. Mit uns spricht er über Haar-Dramen, die passende Frisur und schwierige Kundinnen. 

Niall Wykes, schauen Sie Menschen, die Sie neu kennenlernen, immer als erstes auf die Frisurf?
Oh ja! Das tue ich tatsächlich - und nicht nur, wenn ich jemand kennenlerne oder wenn jemand in den Salon kommt. Auch auf der Strasse.

Und wie fällt ihre Bilanz aus für Zürichs Strassen – geben sich die Leute hier Mühe mit ihrem Haar?
Einige achten sehr darauf, andere gar nicht. Die Schweizer sind sehr loyale Kunden. Sie mögen einen präzisen Schnitt und etwas Farbe, im Prinzip eine Frisur, die sich im Alltag ohne grossen Aufwand stylen lässt. Wenn sie die gefunden haben, kommen sie immer wieder. Die Kultur, sich für eine Partynacht beim Coiffeur ein Blow-Dry verpassen zu lassen, gibt es nicht - ganz anders als in England, wo ich lange gearbeitet habe. Die Schweizer sind auch nicht besonders experimentierfreudig.

Kommen seit Cara Delevigne und anderen Stars, die aktuell ihre Haare sehr kurz tragen, mehr Kundinnen in den Salon für eine solch drastische Veränderung?
Man spürt schon, dass der Pixie-Cut im Trend liegt. Sehr viele Frauen fragen aber nicht danach. Und dann es gibt auch einige, die einen Pixie-Cut möchten – bei denen ich aber sehr vorsichtig bin und davon abrate.

Warum?
Für eine Veränderung von langem Haar zum raspelkurzen Pixie braucht es mehr als eine Laune der Kundin. Es braucht einen selbstbewussten Typ, jemand mit der richtigen Haltung. Auch wie die Person gekleidet ist, spielt eine Rolle. Man wird sich am Anfang vielleicht nicht wiedererkennen! Anders als viele denken, braucht der Pixie zudem jeden Tag Zeit fürs richtige Styling. Ausserdem haben manche auch einfach nicht das Gesicht dazu.

Wie sagen Sie jemanden, dass er nicht gut genug aussieht für einen bestimmten Haarschnitt?
Das hat nichts mit Schönheit zu tun, sondern mit dem Fakt, wie das Gesicht geschnitten ist. Es gilt auf so vieles zu achten: Die Gesichtsform, die Kopfform, die Nackenlänge, die Augenbrauen, die Nase und die Ohren. Nach mehr als 20 Jahren hat man den Dreh raus, auf diplomatische Art der Kundin etwas auszureden, das nicht gut aussehen wird.

Und wenn sie darauf besteht?
Das passiert zum Glück nicht oft. Aber dann kann ich nichts anderes tun, als dem Wunsch nachzukommen. 

Sie schneiden seit mehr als zwanzig Jahren Haare. An welches Haar-Drama erinnern sie sich noch heute?
Natürlich gab es mal jemanden, der gar nicht zufrieden war. Ich hatte auch schon Personen, die geweint haben. Einmal habe ich aus Versehen Haare blau gefärbt. In unserem Salon gibt es drei Trolleys mit Farbe, und wenn du dich nicht konzentrierst, kannst du auch mal daneben greifen. Aber das merkt man sofort. Zum Glück war es ein Freund von mir, der darüber lachen konnte und ich konnte das Malheur ohne Probleme wieder richten. Es kam aber auch schon vor, das ich jemanden aus dem Salon schicken musste. 

Weswegen?
Bei sehr schwierigen Kunden werde auch ich irgendwann wütend. Vereinzelt gibt es Menschen, die meinen, sie wissen weit mehr als du übers Haareschneiden und einem sagen, wie man den Job erledigen soll.

Was sollten Kundinnen sonst noch sein lassen?
Pausenloses Reden und sich dabei hektisch bewegen ist nicht ideal. Ein wenig Smalltalk ist natürlich nett, aber unsere Scheren sind ziemlich scharf – und ich möchte mir nicht plötzlich in den Finger schneiden, weil jemand nicht stillsitzen kann. Ich muss mich auch konzentrieren: Besonders wenn jemand zum ersten Mal bei mir ist, braucht es eine Weile, das Haar zu verstehen, seine Textur und wie es natürlich fällt.

Mögen Sie Leute, die mit dem Bild eines Celebrities zu Ihnen kommen, und dann erwarten, so auszusehen?
Ja, das finde ich gut. Es gibt mir einen visuellen Eindruck, wovon sie sprechen und was sie erwarten. Ich verspreche ihnen aber natürlich nicht, danach wie Charlize Theron auszusehen.  

Was ist am Bonmot dran, dass der Friseur auch ein Psychologe ist?
Das entspricht absolut der Wahrheit – und es ist nicht meine Lieblingsaufgabe. Manchmal wünsche ich mir einfach, dass die Leute sich bei mir zurücklehnen, entspannen und ein Magazin lesen.

Was ist wichtiger: Schnitt oder Farbe?
Beides! Das eine braucht das andere, um richtig zur Geltung zu kommen. Eine fiese Frage, muss ich mich entscheiden? Ein schöner Schnitt kann man auch ohne Farbe haben. Aber eine schöne Farbe mit Spliss und kaputten Spitzen schaut nie gut aus.

Welcher Schnitt führt die Rangliste zurzeit an?
Langes Haar wird immer der Spitzenreiter sein. Highlights und Balayage, das Aufhellen der Enden, sind noch immer sehr gefragt. Zum Glück ist aber die extremere Version davon verschwunden, die mochte ich gar nicht. Und blond – die Leute wollen immer blond sein. Das wird sich nie ändern. 

Eine letzte Frage: Wer schneidet Ihnen die Haare?
Mein Geschäftspartner. Da bin ich wahrscheinlich der allerschwierigste Kunde!

 

Viviane Stadelmann

Die stellvertretende Online-Leiterin liebt die grenzenlosen Möglichkeiten der digitalen Welt. Sie schreibt besonders gern über die kleinen und grossen Absurditäten des Alltags, genauso wie über Mode, Literatur und Kunst.

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