«Meine Hautfarbe kommt in den Läden nicht vor»

So schlecht steht es um Diversität in den Make-up-Regalen

Text: Sandra Huwiler; Bild: Getty Images

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Pro Filt’r Mat Foundation von Fenty Beauty in 50 Farbtönen, ca. 47 Fr. etwa bei Manor

Skin Long-Wear Weightless Foundation SPF 15 von Bobbi Brown in 43 Farbtönen, ca. 65 Fr. bei Bobbi Brown

Can’t Stop Won’t Stop Full Coverage Foundation von Nyx in 45 Farbtönen, ca. 24 Fr. bei Manor oder Coop City

Teint Idole Ultra Wear Nude von Lancôme in 40 Farbtönen, ca. 48 Fr. bei Douglas, Jelmoli oder Globus

Studio Fix Fluid SPF 15 von Mac Cosmetics in 66 Farbtönen, ca. 44 Fr. bei Mac, Jelmoli und Globus 

Make-up soll unsere Schönheit, unsere Persönlichkeit unterstreichen. Doch wie inklusiv ist die Auswahl an Make-up in der Schweiz – und wie gross das Angebot für verschiedene Hauttöne?

Ein Blick in die Make-up-Abteilungen in der Schweiz im Jahr 2020 bringt gemischte Gefühle mit sich. In regulären Supermärkten reicht die Foundations-Farbpalette bei den meisten Beauty-Brands nach wie vor nicht über zwanzig Shades of White hinaus.

Doch es gibt sie, die Brands, welche verschiedenste Foundations ganz selbstverständlich in 40 oder mehr Farbtönen anbieten, von ganz hell bis ganz dunkel. Es gibt sie – aber leider noch längst nicht flächendeckend.

50 Farbtöne bei Fenty Beauty

Seit knapp zwei Jahren ist Make-up von Rihannas Fenty Beauty hierzulande bei Sephora erhältlich, online und im Laden. Und zwar in allen 50 verfügbaren Farbtönen. Denn genau um Inklusivität gehe es bei Fenty Beauty, erklärt eine Verkäuferin im Shop.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Auch bei Globus und Jelmoli gibt es einige Brands, welche eine umfassende Foundations-Palette anbieten. Mac Cosmetics beispielsweise hat letztes Jahr die Studio Fix Foundation auf 66 Farbtöne erweitert. Bobbi Brown verkauft seit bald dreissig Jahren Foundations für alle Hauttöne und auch Lancôme bietet eine grössere Auswahl von sehr hellen bis zu sehr dunklen Farbtönen an, vor allem auch mit verschiedenen Untertönen.

Wenn man beim Make-up den falschen Unterton erwischt, wirkt die Haut farblos und fahl», erklärt die Zürcher Make-up Artist Rachel Bredy. Deshalb reiche es nicht aus, die Farbpalette einfach um ein paar Töne zu erweitern. Unabhängig vom Farbton muss das Make-up zur eigenen Haut passen. Aber gerade bei den preisgünstigeren Beauty-Brands in Supermärkten wird da kaum eine Auswahl geboten.

Zudem muss eine Foundation immer auch zur Beschaffenheit der Haut passen. Benutzt man das falsche Make-up, kann dies zu Unreinheiten und gereizter Haut führen. Wenn es den passenden Farbton dann nicht in Form verschiedener Produkte gibt, welche zur eigenen Haut passen, frustriert das.

Onlineshoppen macht keinen Sinn

«Eine Foundation online zu kaufen, ohne diese physisch testen zu können, macht keinen Sinn», so Bredy. Das könne man höchstens bei einer getönten Tagescrème wagen. Das Problem: Viele Make-up Brands bieten die ganze Palette ihrer Foundations entweder nur online oder nur im Ausland an.

Vor allem jüngere Brands produzieren zwar oftmals ganz selbstverständlich eine inklusive, breite Farbpalette. Ohne zu testen ist es jedoch – egal welchen Hautton man hat – nahezu unmöglich, die passende Foundation zu finden.

«Meine Hautfarbe kommt in den Läden nicht vor»

Für die Zürcherin Blessing Boateng ist genau das physische Testen von Make-up schwierig. «Meine Hautfarbe kommt schlicht nicht vor in den Läden», erzählt sie. «Vielleicht finde ich jeweils eine einzelne Foundation, die für meinen Hautton passt – im ganzen Sortiment.» Da schleicht sich das Gefühl, nicht dazuzugehören, unweigerlich ein.

Genau aus diesem Grund ist Blessing Boateng aktuell daran, ihren eigenen inklusiven Beauty-Brand Blesthetics aufzubauen. Unter dem Motto «All Faces, all Skintones» will sie in Zukunft neben Lashes für alle möglichen Augenformen weitere Beautyprodukte anbieten, die inklusiv sind. Vielleicht sogar irgendwann eine eigene Foundation-Linie.

«Endlich jemand, der zuhört»

Der Launch von Fenty Beauty war ein wichtiger, schöner Schritt, findet sie. «Endlich jemand, der zuhört», so Boateng. «Leider hat die weiss dominierte Beauty-Industrie das Bedürfnis nach mehr Diversität zu wenig erkannt.» Einige Brands zogen nach und erweiterten ihre Farbpaletten – doch es gibt noch Luft nach oben.

Gleichzeitig entstehen immer mehr Black-Owned Beauty Brands, welche auf die Bedürfnisse nach mehr Auswahl und Inklusivität eingehen. Dank Social Media gewinnen sie rasch an Bekanntheit und können so hoffentlich auch in den Schweizer Beauty-Abteilungen Fuss fassen.

In der Werbung und in Magazinen ändert sich ebenfalls etwas am Bewusstsein. Das Thema Diversität wird ernster genommen. Das stellt auch Make-up Artist Bredy bei ihrer Arbeit fest: «Die Model-Casts wurden in den letzten ein, zwei Jahren immer vielfältiger.»

Dennoch ist für sie aber selbstverständlich, dass Make-up-Artists selbst ausgerüstet sein sollten, um auf die unterschiedlichen Bedürfnisse verschiedener Hauttöne und -typen eingehen zu können: «Make-up muss immer an die Haut angepasst werden – völlig unabhängig vom Hautton.» Deshalb mischt sie das passende Make-up immer aus verschiedenen Produkten zusammen.

Angepasst werden darf bitte endlich auch das Sortiment in den Läden – damit die Beauty-Abteilungen genauso aufgemischt werden, wie aktuell die Beauty-Branche selbst.

Sandra Huwiler ,
Beauty-Praktikantin
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