Frauenquote

annabelle setzt sich für eine befristete Frauenquote ein

Text: Barbara Achermann

30 Prozent Frauen ins oberste Kader! annabelle plädiert für eine zeitlich befristete Quotenregelung in Schweizer Führungsetagen.

30 Prozent Frauen ins oberste Kader! annabelle plädiert für eine zeitlich befristete Quotenregelung in Schweizer Führungsetagen. Wieso? Weil sich nichts ändern will in den Chefbüros, obwohl Frauen inzwischen oft besser qualifiziert sind als Männer. Und weil alle davon profitieren. Nicht zuletzt wirtschaftlich.

Die Schweizer Presse war lange Zeit eine geschlossene Gesellschaft: von Männern gemacht, von Männern gelesen. Mabel Zuppinger verschaffte sich Zutritt dank Geschick, Mut und Können: 1938 erfand sie annabelle, die erste Frauenzeitschrift des Landes, führte das Blatt zum Erfolg und rettete nebenbei die «Weltwoche» vor dem Bankrott.

Vieles hat sich seit Mabel Zuppingers journalistischer Revolution verändert. Eines aber ist gleich geblieben. In den Teppichetagen hiesiger Unternehmen sind Frauen noch immer eine Seltenheit. Seit Jahren dümpelt in der Schweiz der Anteil von Frauen in Führungspositionen auf dem immer gleichen, tiefen Niveau: elf Prozent in den Verwaltungsräten, fünf Prozent in den Geschäftsleitungen und lächerliche drei Prozent bei den CEOs. Dabei machen mehr Frauen als Männer einen Hochschulabschluss, und das mit durchschnittlich besseren Noten – selbst beim MBA, dem begehrten Studiengang für Manager. Weshalb werden Frauen dennoch nicht zu Chefinnen? «Die guten wollen nicht, und die, die wollen, sind nicht gut genug», heisst es gemeinhin. «Falsch», sagt Headhunterin Christine Stimpel, «es hat viele hoch qualifizierte Kandidatinnen auf dem Markt.»

Freiwillige Frauenquote funktioniert nicht

Bloss werden diese Frauen häufig nicht eingestellt. Seit zehn Jahren gibt es in Deutschland eine freiwillige Verpflichtung der Wirtschaft, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Was bisher geschah? Gerade mal 0.5 Prozent mehr Frauen sind in Verwaltungsräte und Geschäftsleitungen gekommen. Auch die gross angepriesenen Frauenförderungsprogramme der Schweizer Unternehmen entpuppten sich oft als Alibiübungen.

Eine Quote scheint unumgänglich, wenn sich vor unserer aller Pensionierung noch etwas ändern soll. Die gute Nachricht ist: Es würden nicht nur einzelne Managerinnen profitieren. Studien haben gezeigt, dass eine bessere Durchmischung der Chefetagen profitabel ist. Unternehmen mit Frauen in der Leitung haben bessere Aktienkurse, höhere Renditen, weniger Schulden. Und um Managerinnen rekrutieren zu können, müssten Firmen ihre Strukturen endlich den heutigen Bedürfnissen anpassen. Davon profitierten alle Frauen und Männer, die neben einer Karriere auch ein Familienleben möchten.

Deshalb stellt annabelle folgende Forderung zur Diskussion: eine auf fünf Jahre befristete Frauenquote von dreissig Prozent in der operativen Unternehmensführung für Betriebe mit mindestens 200 Mitarbeitenden. Wir sind der Meinung, dass es nach dieser Zeitspanne genügend weibliche Vorbilder und Türöffnerinnen geben wird, damit die Frauen auch ohne gesetzliche Krücke in die Chefetagen kommen.

Wir haben in den letzten Wochen mehrere Hundert Schweizerinnen und Schweizer gefragt, ob sie mit ihrem Namen hinter unserer Forderung stehen. Persönlichkeiten und Meinungsmacher aus Wirtschaft, Kultur, Gesellschaft. Über 200 haben Ja gesagt, darunter Wirtschaftsprofessorin Margit Osterloh, die ehemalige Fernsehdirektorin Ingrid Deltenre, Autorin und Schauspielerin Laura de Weck, Alt-Stadtpräsident Elmar Ledergerber, heute Chef von Zürich Tourismus, oder Goetz Winter, General Manager Switzerland Estée Lauder. Klar bekamen wir auch viele Absagen, was bei diesem kontroversen Thema keine Überraschung sein kann. Selbst Paare sind sich uneins: Jutta Schilling etwa, Managerin bei IBM, sagt Ja, ihr Mann, der Headhunter Guido Schilling, hingegen Nein.

Auch wenn wir überzeugt sind, dass viele Fakten und Argumente dafür sprechen, eine zeitlich befristete Quote zu wagen, gibt es plausible Gründe dagegen. Deshalb haben wir auch den Quotenskeptikern Platz für ihre Argumente gegeben.

Deutschland diskutiert die gesetzliche Quote. Belgien, Frankreich, Italien, Holland, Island und Spanien haben sie bereits eingeführt. Norwegen sogar schon vor vier Jahren. Jetzt ist die Schweiz dran. annabelle macht den ersten Schritt, wie schon damals mit Mabel Zuppinger. Wer macht mit?!

Mehr Frauenquote:

— Einige der prominenten Stimmen zur Frauenquote präsentieren wir Ihnen hier: Ja! Wir sind für die Quote. Bitte machen auch Sie mit: Unterstützen Sie die Quote mit Ihrem Namen oder diskutieren Sie mit im Forum.


Mabel Zuppinger: Die Frau auf dem Cover

Unsere Frau auf dem Cover war die Stimme der modernen Schweizer Frau: Mabel Zuppinger (1897–1978), erste Chefredaktorin der 1938 gegründeten annabelle. Mehr über die Erfinderin der ersten Frauenzeitschrift des Landes und andere «Starke Schweizer Frauen» gibts im gleichnamigen Buch von Daniele Muscionico (Limmat-Verlag).

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