Schütt isst in den Gaststuben zum Schlössli in St. Gallen

Text: Julian Schütt
Illustration: Bazooka

Herkunftsüberzeichnung.

Mit der Herkunft nehmen wir es sehr genau. Nicht nur wenn es um Menschen geht. Auch beim Essen und Trinken spielt die Herkunftsbezeichnung eine immer grössere Rolle. Mit dem Ort und dem Namen des Produzenten ist es längst nicht mehr getan. Wir wollen wissen, wie tiergerecht oder biologisch er produziert, wie fair er mit den Angestellten umspringt und wie es um die Bodenbeschaffenheit steht.

Sonst sind wir ja alle strikt Internationalisten, nur kulinarisch kann es nicht regional und echt genug sein. Da ehren wir hiesiges Schaffen, und das ist gut so, weil sich so Transportwege verkürzen und die Waren sowie die Einkommen einheimischer Produzenten verbessern lassen. Manchmal treibt der Lokalpatriotismus allerdings etwas bunte Blüten.

So erlebt im «Schlössli» in St. Gallen. Da bekommt man eine recht universale Vorspeise serviert: geräuchertes Forellenfilet mit Apfel-Meerrettich-Schaum und Blini. So schmeckt sie auch,
sehr fein zwar, aber unspektakulär. Ganz anders die Beschreibung in der Menükarte: Da erfahren wir, dass die Forelle nicht nur kalt geräuchert, sondern auch aus dem Bergwasser gezogen wurde, und nicht irgendwo, sondern im Weisstannental. Die Blini sind nicht einfach Blini, sondern hergestellt aus Rheintaler Ribelmais mit Schutzsiegel AOC. Weniger blumig wird die Hauptspeise feilgeboten: Das Cordon bleu, gefüllt mit Spargeln, Mostbröckli – und beim Käse muss ich um Nachsicht bitten.

Prompt weiss ich nicht mehr, ob nun Pfäferser Alpkäse oder der Toggenburger Bergblumenkäse drin war. Ausgezeichnet und nahrhaft ist das Gericht so oder so. Unvergesslich im «Schlössli» auch der sankt-gallisch aufmerksame und charmante Service.


Gaststuben zum Schlössli

Zeughausgasse 17
9000 St. Gallen
Tel. 071 222 12 56
www.schloessli-sg.ch

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