Mister Universum

Text: Anne Ameri-Siemens
Foto: Thomas Rabsch

In seinem neuen Roman «Limit» hat Frank Schätzing die Erdgrenze überschritten, die Handlung auch ins All verlegt, und während man dem Autor nun gegenübersitzt und seiner Begeisterung für das Unbekannte lauscht, beschleicht einen das Gefühl: Ob der Mann nicht vielleicht selbst von einem anderen Planeten in unsere Welt gefallen ist? Und das ist noch nicht mal unfreundlich gemeint. Aber Frank Schätzing ist schon ein ziemlich seltenes Exemplar – selbstüberzeugt, unbescheiden und: sympathisch. Das schafft kaum ein Mensch.

Übers Bücherschreiben sagt er Sätze wie diesen: 10 Prozent Idee, 10 Prozent Talent und 80 Prozent Fleiss, so käme ein Werk zu Stande. Und ja, nicht all seine Schriftstellerkollegen hätten auf diesen Ausspruch begeistert reagiert. «Teils sind die schon sehr dem deutschen Geniekult verhaftet, fühlten sich durch meine Meinung entwertet.» Namen will er keine nennen. «Aber», schiebt er grinsend nach, «ich mache eben nicht den üblichen Autorenkäse, gebe mich nicht als grüblerischer Schreiber, ich sehe mich als Unterhaltungsfaktor.»

Mag sein, dass er auch dieses Treffen nach ebendem Grundsatz organisiert hat. Denn Frank Schätzing hat den Interview-Ort selbst ausgesucht, genauer: kurzfristig geändert. Statt sein Büro in der Kölner Innenstadt nun also das Rheinufer: in ein Café, in dem alles sehr neu aussieht, wobei das wohl weniger ausschlaggebend war als die Nähe zum Fluss, der zweifelsohne tolle Blick über die Stadt, auf den Dom, die massive Brücke. Vor dieser Kulisse sollen später die Fotos gemacht werden, das hat der Schriftsteller sich so überlegt und auch gleich mit dem Fotografen besprochen. Zum Gesamtwerk Frank Schätzing gehört auch die Inszenierung seiner Person, nicht nur das geschriebene Wort. Doch dazu später mehr. Dass es am Morgen geregnet hat und der Tag für hübsche Fotos eigentlich zu grau ist, trübt die Laune nicht. Schätzing strahlt.

«Wollen wir uns trotzdem auf die Terrasse setzen? Es ist doch nicht zu kalt?»
«Nein, ist es nicht. Also, ja, gerne.»
«Kaffee?»
Schätzing bestellt.
Wegen des tief hängenden Himmels ist draussen nicht viel los, abgesehen davon, dass ab und zu auf dem Rhein ein Boot vorbeizieht. Der Kaffee kommt. Schätzing zieht die zwischen den Schultern bestickte Jeansjacke aus, lehnt sich zurück in seinem gestreiften Hemd, den ausgewaschenen Jeans, den Cowboystiefeln – einer Kombination, bei der man sich kurz fragt, ob sie ein hemmungsloser Tribut an das Ibiza der Achtzigerjahre sein soll, aber bevor man zum Nachfragen kommt, fängt Frank Schätzing an zu erzählen, ist kaum zu bremsen, während es um Kreativität, Arbeit, kurz Luft holen, seine Haltung als Schriftsteller geht. Wollte man seine Arbeitsauffassung möglichst kurz zusammenfassen, ginge das so: sehr entspannt gegenüber dem deutschsprachigen Kulturbetrieb.

«Amerikanische Autoren und Regisseure», sagt er, «machen es uns gekonnt vor: intelligente und zugleich spannende Unterhaltung umzusetzen. Aber eben Unterhaltung – und nicht verkopfte, nüchterne Konstrukte, wie es sie bei uns viel zu häufig gibt.» Für seinen 2004 veröffentlichten Roman «Der Schwarm» wurde der 1957 in Köln geborene Autor mehrfach mit Literaturpreisen ausgezeichnet – für seine Fähigkeit, eine Flut von wissenschaftlichen Informationen mit Nervenkitzel, also E und U, zu verbinden. «Der Schwarm» wurde zum Weltbestseller, verkaufte sich knapp vier Millionen Mal, wurde in 27 Sprachen übersetzt. Uma Thurmans Produktionsfirma hat die Rechte gekauft, plant die Verfilmung des 1000-Seiten-Buchs, in dem rebellische Meeresorganismen Tsunamis auslösen und Krebse, Killerwale und Quallen dazu bringen, Menschen anzugreifen.

Interesse an den Filmrechten des soeben erschienenen Buchs «Limit» gibt es auch schon. Wiederum ein Thriller, in dem eines der grossen Themen die Ausbeutung der Erdressourcen ist, es also wieder gewissermassen um die geschundene Natur geht. Mehr möchte Frank Schätzing über die Filmoptionen aber noch nicht sagen. Also eine andere Frage.

«Steckt in Ihnen eigentlich auch ein Idealist, der seinen Lesern eine Botschaft nahe bringen will?»
«Nein, ich will vor allem gute Unterhaltung schaffen. Aber wenn jemand danach über den vernünftigen Umgang mit unseren Ressourcen nachdenkt oder über Meeresschutz, ist mir das natürlich nicht unrecht.»
Frank Schätzing liebt das Meer, spricht auch mit Begeisterung über das Weltall, findet «alles, was es an unerforschten Räumen gibt», faszinierend. In undurchsichtige Tiefen abzutauchen oder mit Haien zu schwimmen, sei das Grösste, und irgendwann würde er gern den Weltraum erkunden …

«Entschuldigen Sie, aber: wie das?»
«Pas de problème», erwidert Schätzing auf die Unterbrechung.
«Und wie auch immer es letztlich funktionieren mag, das All zu erkunden, allein die Idee ist doch toll.»

Auf «Der Schwarm» folgte 2006 ein Sachbuch – «Nachrichten aus einem unbekannten Universum», in dem Frank Schätzing mit ebendieser Begeisterung auf sehr kurzweilige Art die Entstehung der Erde und der Weltmeere beschreibt, von monströsen Urzeit-Raubfischen berichtet oder dem kleinen Krebs Colymbosathon ecplecticos, der im Vergleich zu seiner Körpergrösse den längsten Penis aller Zeiten besass. Auch dieses Buch umfasst immerhin 500 Seiten. «Limit» hat 1300.

«Ein ziemlich grosser Sprung, nachdem Sie in der Werbung ja genau das Gegenteil taten: möglichst kurze Texte und Slogans zu schaffen.»
«Nach zwanzig Jahren Werbung geniesse ich gerade das: lange Geschichten zu schreiben. Eigentlich war das sogar der Auslöser, überhaupt mit dem Bücherschreiben anzufangen.»

Frank Schätzing war lange Creative Director in internationalen Agenturen-Networks, mit zwei Freunden gründete er 1990 die Werbeagentur Intevi. 1995 erschien sein erstes Buch, der historische Roman «Tod und Teufel.» Schätzing schrieb am Wochenende und abends, wenn er aus der Agentur kam – und untermauert noch einmal rasch seine «Fleiss, Talent, Idee»-These: Seiner Erfahrung nach träumten viele Menschen davon, Bücher zu schreiben. «Die würden gerne, tun es dann aber nicht, weil sie abends zu müde sind. Aber wer seinen Arsch nicht hochkriegt, der hat es auch nicht verdient.» Schätzing war fleissig, sein historischer Roman wurde im Raum Köln ein grosser Erfolg. Er machte weiter. Fünf Jahre später folgte der Politthriller «Lautlos», in dem es um internationalen Terrorismus geht. 2004 zog er sich nach dem Erfolg von «Der Schwarm» aus der Agentur Intevi zurück.

Er liebe es, sagt Frank Schätzing, seine Fantasie heute in diesem Mass ausleben zu können, «so alleine dazusitzen und am Manuskript zu feilen, bis es fertig ist. Dann bekommt es meine Frau zu lesen.»
«Und vorher?»
«Keiner. Wieso?»
«Um zu wissen, dass man nicht eventuell 1000 Seiten geschrieben hat, die keinen interessieren?»
Ach, da lacht Frank Schätzing. Nein, er schmore lieber in seinem eigenen Saft, bis er fertig ist, fügt hinzu: «Nach Sabina, meiner Frau, bekommen es mein Lektor und der Verleger zu lesen. Diesen drei Personen vertraue ich, deshalb interessiert mich hinterher auch nicht, was andere über meine Bücher schreiben. Wenn die drei sagen, das ist jetzt wirklich ein Knaller, und ich selbst empfinde das auch so, dann mache ich mir danach keine Sorgen mehr, ob Müller oder Meier mein Buch gut finden.»

Vor ein paar Jahren schrieb ein Journalist über ihn, böse Zungen würden behaupten, der Schriftsteller sehe besser aus, als er schreiben könne. Wer Frank Schätzing zum Lachen bringen möchte, erinnert ihn an diesen Satz.
«Der Witz ist, den hat dieser Typ selber erfunden. Das hatte in Wahrheit nie jemand über mich gesagt. Dass er so etwas schreibt, ist mir egal. Prominente sind nun mal die Dienstleister der Medienbranche. Auf irgendjemand muss ja immer mal herumgehackt werden. Der Pokal wandert, da war er eben mal bei mir.»
Dass gerade sein Aussehen Thema wurde, schiebt Schätzing nach, habe sicher auch damit zu tun, dass er nicht nur Bücher schreibe und Lesungen halte, sondern aus seinen Auftritten grosse Performances mache: «Durch die zahllosen Präsentationen, die ich als Werber gehalten habe, trete ich auf der Bühne anders auf als andere Autoren. Ich agiere körperbetonter, und das lenkt den Fokus auf mein Äusseres.» Zudem sei er nicht fotoscheu. Dann lacht er und zitiert kurz noch die sehr blonde, sehr schlagfertige deutsche TV-Moderatorin Barbara Schöneberger: «Ich fände es blöd, wenn ich nur über meinen Verstand definiert würde.» Räuspern, Kaffee austrinken. «Spass beiseite, ich mache mir keine grossen Gedanken, ob sich jemand an meinem Äusseren abarbeitet.»

Frank Schätzings Ton ist mitunter schon sehr selbstüberzeugt, doch auch wenn der einem manchmal etwas viel wird, ist der Schriftsteller gewinnend in seiner geradezu jungenhaften Freude darüber, was ihm alles gelingt. Mag auch sein, dass dieser Ton, alles möglichst gross klingen zu lassen, die Nachwirkungen des Werberlebens sind. Schätzing bestellt sich ein Cola, lehnt sich wieder zurück, streicht sein Hemd glatt, will der Welt da draussen vielleicht ja auch gerade mit diesem Ensemble, das er heute trägt, sagen: Wisst ihr was? Mode, Stilfragen? Wen kümmerts? Den Massstab, den setze nämlich ich. Und die Haltung ist (mal unabhängig davon, wie man Cowboystiefel findet) ebenso sympathisch wie Schätzings Begeisterung für seine Arbeit.

Wenn er nicht gerade neue Bücher schreibt, produziert er die Hörbuchfassungen seiner Romane, hält Vorträge, geht auf Lesereise und bekennt: «Ich habe Spass daran, mich immer ein bisschen zu überfordern.» Besonders am Herzen liegen ihm die geplanten Performances zu «Limit»: grosse Bühnenshows mit Musik und Filmeinlagen. Er macht dafür das Konzept, komponiert die Musik, legt Dramaturgie fest, kurz gesagt: «Ich halte gerne alle Fäden in der Hand.» Man habe in Deutschland so ein seltsames, isoliertes Verständnis davon, dass ein Schriftsteller nur ein Schriftsteller sein dürfe. Überhaupt: ein so isoliertes Verständnis von Kultur. «Für mich ist es nichts Besonderes, all das zu übernehmen», sagt Frank Schätzing. Für ihn sei man auch nur dann ein echter Kreativer. «Ob man alles selber ausführt, ist wieder eine andere Sache. Aber ein Filmregisseur, Steven Spielberg zum Beispiel, muss in der Lage sein, alles, was mit seinem Film zu tun hat, beurteilen zu können.» Michael Crichton, dessen Bücher auch als Filme alle zu Kassenschlagern wurden, allen voran «Jurassic Park», fällt ihm dann noch als weiteres Beispiel für einen echten Kreativen ein. «Eine bemerkenswerte Persönlichkeit: Arzt, Wissenschaftler, grossartiger Regisseur, er hätte aber nie von sich behauptet, dass er ein Multitalent wäre. Er hat einfach nur seinen Job gemacht.»

Dass ihm Regisseure als Vorbilder eher in den Sinn kämen als Schriftsteller, läge daran, erklärt Schätzing, dass er vor allem «vom Film» beeinflusst sei.
«Was ich aufschreibe, sind innere Filme.» Kurze Pause. «Ich glaube, ich schreibe Bücher, weil ich keine Filme drehen kann.»
«Das kommt vielleicht noch, Herr Schätzing.»
«Vielleicht.»
Frank Schätzing sieht nicht unoptimistisch aus, dass es irgendwann so kommen wird – und schiebt nach: «Meine kreativen Arbeiten sind wie meine Kinder, die ich natürlich so lange wie möglich und bestmöglich begleiten will.» Alles, was er unternehme, folge spontaner Eingebung. «Ich weiss heute nicht, was mich morgen interessiert. Ich lasse die Dinge auf mich zukommen.»

Echte Kinder – Familiengründung – war nie ein Wunsch von ihm. «Dieser Schritt passte nicht ins Konzept», sagt Frank Schätzing, der zu Beginn des Gesprächs deutlich gemacht hat, nichts über sein Privatleben erzählen zu wollen. «Aber darüber zu sprechen, dass meine Frau und ich nie Kinder wollten, ist für mich nichts sehr Intimes. Ich habe festgestellt, dass der Wunsch nach Kindern bei meiner Art zu leben – allem, was mir wichtig ist – nie vorkam. Ich hätte keine Zeit, mich angemessen um Kinder zu kümmern. Und dann sollte man es besser lassen, sie nicht in ein Leben holen, in dem für sie kein Platz ist.»

Dann kommt er wieder auf seine Bühnenauftritte zu sprechen. Er könne auch abgeben, andere machen lassen – «wenn jemand auf mich zukommt und sagt: Ich kann das besser als du, dann gucke ich mir das an, stelle in vielen Fällen fest: Nee, ich muss da noch mal ran. Oder ich stelle fest: Super – und dann bin ich der Allererste, der sagt: Klar, da nehmen wir jetzt deines! Das gehört ja auch dazu beim Regieführen.» Er nennt ein Beispiel fürs Zurücktreten, und zwar aus seinem Leben als Musiker, das es neben dem erfolgreichen Schriftstellerdasein auch gibt: Frank Schätzing komponiert, will nächstes Jahr wieder mehr vor Publikum mit seiner Musik, Alternative und Indie. Er spielt Gitarre. «Die spiele ich im Studio selber ein, aber nicht auf der Bühne, nein, nein, das können andere besser.» Und dann kommt ein echter Schätzing: «Ich singe dann halt nur bei den Konzerten.» Albern, wer nur einen Moment geglaubt hat, er sei gar nicht auf dem Podium.

Frank Schätzing ist indes schon beim nächsten Punkt. «Die Freiheit, die ich dank der Bucherfolge heute habe, ist das Tollste.» Er könne einfach genau so sein, wie er sein wolle. «In den zwanzig Jahren Werbebranche konnte ich das nicht. In der Werbung ist es so: Man hat da seinen Kunden sitzen, dem man am liebsten mal gehörig die Meinung sagen würde, weiss aber, die Hälfte des Agentur-Etats hängt von ihm ab – und hält den Mund.»
Das muss er heute nicht mehr, stellt das auch gleich unter Beweis. Frank Schätzing hätte gern, dass George Clooney die männliche Hauptrolle in der Verfilmung von «Der Schwarm» übernimmt, und kommentiert das im selben Atemzug: «Ich war schon immer unbescheiden, habe in den letzten zwanzig, dreissig Jahren immer auf Sieg gesetzt. Wenn es dann nicht klappt, habe ich es wenigstens versucht.»
«Und gibt es einen Plan B, falls er nicht will?»
«Der fällt mir dann ein.»
«Enttäuschte Erwartungen sind offenbar kein Problem für Sie, Herr Schätzing.»
Über die komme er schnell hinweg, sagt Schätzing. Er sei überhaupt jemand, der sich schnell berappelt, wenn etwas nicht gelänge. Man dürfe da nicht zu behäbig sein.
«Es gibt Menschen, die immer am einmal eingeschlagenen Weg festhalten und dabei Chancen verpassen, die sich auftun, aber abseits des Weges liegen. Ich habe diesen Tunnelblick nicht, kriege dadurch mehr mit als andere, und dann ist da plötzlich was, und ich sage, ach, guck mal, klasse, daraus könnte man doch was machen.»

Man könne sich eben nicht weiterentwickeln, wenn man nicht bereit sei, neue Wege auszuprobieren, auch grosse Schritte schnell zu entscheiden.
«Und das ist immer gut gegangen?»
«Nein, natürlich nicht. Dieser Pioniergeist hat mich auch schon von einem sicheren, sehr guten Job als Kreativchef in einen Gartenpavillon gebracht. Ohne Sicherheiten. Noch nicht mal mit Schreibtisch.»
Kurz nach Gründung der eigenen Werbeagentur Intevi sprang der Grosskunde ab, auf den sie alle gebaut hatten. «Da sassen wir nun, hatten unsere grossen Karrieren in den Sack gehauen, kein Geld, nicht mal ein Büro hatten wir.» Aber einer der Freunde hatte den Pavillon, und Schätzing hatte einen Bekannten bei der Plattenfirma EMI, der erste Intevi-Job: die Gestaltung eines Schlagercovers. «Irgendwann lief unsere Agentur. Aber anfangs mussten wir tingeln.» Und dann sagt Frank Schätzing noch: «Ich bin jemand, der sich schnell weiterbewegt, aber natürlich tut es weh, wenn Dinge, die man mit Herzblut macht, nicht funktionieren.» Der Mann ist also doch von dieser Welt.

Bleibt also nur noch eine Frage:
«Woher, Herr Schätzing, kommt eigentlich dies ungetrübte Selbstbewusstsein?»
Er überlegt einen Moment, zögert. Dann, schliesslich, antwortet er: Doch, das könne er ruhig erzählen, es läge alles lang genug zurück. «Ich war ein extrem schüchterner Teenager mit riesigen Selbstbewusstseins-Problemen. Ein Spätentwickler.» Pause. «Aber manchmal denke ich, dass so ein bisschen früher Leidensdruck ganz gut ist, weil man sich umso mehr anstrengt, anerkannt werden möchte, gesehen werden möchte, aus seiner Aussenseiterrolle herauswill. Auch aus diesem Gefühl: Kann ich eigentlich irgendwas? Und vielleicht, wenn man ein bisschen mehr dafür kämpfen muss, gibt man sich mehr Mühe, und das ist es wahrscheinlich, was ich gemacht habe.»

Nicht lange nachdem er das gesagt hat, geht Frank Schätzing für den Fotografen am Rheinufer entlang, über die eine Schulter hat er einen Astronautenanzug geworfen, unter dem anderen Arm trägt er den dazugehörigen Helm. Vorher hat er sich angehört, wie die Bilder aussehen sollen, hat die Grenzen gesteckt. Jetzt plaudert er zwischendurch mit Passanten, posiert, lacht. Und plötzlich, gerade als der Fotograf richtig loslegt, kommt die Sonne hinter den Wolken hervor, bringt selbst das grünlich-braune Rheinwasser zum Schimmern. Irgendeinen Verbündeten hat Frank Schätzing da oben doch.

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Frank Schätzing: Limit. Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2009, 1312 Seiten, ca. 43 Franken

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