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Interview mit Jane Birkin: «Ich wollte keinen Zuckerguss über den Tod meiner Tochter giessen»

Literatur & Musik

Interview mit Jane Birkin: «Ich wollte keinen Zuckerguss über den Tod meiner Tochter giessen»

Kunst bedeutet aus Schmerz «etwas Schönes» zu machen, so Jane Birkin. Auf ihrem neuen Album ist sehr vieles schön. Und das ist eigentlich traurig.

«Allô, allô?», ertönt es in der Leitung. Sie ist es wirklich: Jane Mallory Birkin – Ikone der Sechzigerjahre, Poetin, eine Hälfte des wohl skandalträchtigsten Paares Frankreichs, dreifache Mutter, Namensgeberin der bekanntesten Handtasche der Welt – Queen of Everything. «Fragen Sie mich bloss nicht, wie viele Birkin Bags ich besitze – ich habe nur einen!», kichert sie. Ihr Lachen ist so hell wie das eines Teenagers. Aber das ewige Mädchen mit der berühmten Zahnlücke ist mittlerweile 74 Jahre alt.

Im Interview ist sie beschwingt, widerspricht aber auch oft – und eins fällt besonders auf: Birkin spielt ständig ihr Werk herunter. Es stimmt nachdenklich, wenn eine solche Legende wie sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit andere, meist Männer, für ihre Erfolge verantwortlich macht. An Sätzen wie «Serge machte mich gut» oder «Ich war ein Niemand» wird nicht gespart. Und leider scheint es sich nicht um Koketterie zu handeln. Und dann ist da noch ihre Tochter Kate Barry, über die Birkin auf ihrem neuen Album «Oh pardon, tu dormais» zum ersten Mal singt. Barry wurde nach einem Sturz aus dem vierten Stock ihres Pariser Apartments tot aufgefunden. Man geht von Suizid aus. Das war vor sieben Jahren. Sie war 46. Wenn ihre Mutter heute Worte wie «catch me if you can» singt, tut das beim Zuhören weh. Aber wenn sie beteuert, dass man als Künstlerin verpflichtet sei, aus seinem Schmerz «etwas Schönes» zu machen, glaubt man ihr jedes Wort.

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annabelle: Jane Birkin, ein Satz auf Ihrem neuen Album ging mir nicht mehr aus dem Kopf: «Je voulais être une telle perfection pour toi» – ich wollte dermassen vollkommen für dich sein. Wer ist gemeint?
Jane Birkin: Die Zeile ist von einer meiner Theaterrollen inspiriert und fällt im Stück nach einem schrecklichen Eifersuchtsdrama. Die Figur ist danach darüber betrübt, dass ihr Geliebter sie als unkontrolliertes Monster erlebt hat, und setzt alles daran, diese Erinnerung in ihm auszulöschen. Ich kann sagen, dass ich diesen Satz mindestens drei Mal in meinem Leben gesagt habe. Aber es war immer schon zu spät. Dieses Gefühl, für einen Mann perfekt sein zu wollen, obwohl ich weit davon entfernt war, hat mich oft begleitet.

Wie fühlt sich das an, wenn Sie heute alte Bilder von sich sehen?
Ich habe kürzlich Bilder von mir und John Barry, meinem ersten Ehemann, gesehen und mich kaum wiedererkannt. Ganz ehrlich: Nichts an mir war echt. Mein Mund, diese grossen Augen, die blonden Haare – nichts davon entsprach dem, wie ich wirklich aussah, es war alles angemalt.

Es heisst oft, heute sei der Druck auf junge Frauen grösser als früher, weil man durch Social Media noch mehr aufs Aussehen fokussiere.
Das finde ich nicht. Wir alle wollten in den Sechzigern wie Twiggy oder Jean Shrimpton aussehen. Und glauben Sie mir: Der Druck war enorm. Heute sind die Frauen doch viel selbstbewusster und freier. Es gibt Mädchen, die andere Mädchen lieben, es gibt Mädchen, die wie Jungs aussehen, es gibt Mädchen, die öffentlich über psychische Probleme sprechen, Mädchen, die ungeschminkt herumlaufen, Mädchen, die sich wie Profis schminken. Meine Enkel haben mir gezeigt, wie sie Fotos bearbeiten und sich selbst optimieren, aber es gibt offenbar auch diese Bilder, die nach 24 Stunden wieder verschwinden. Das alles ist sehr mysteriös für mich.

Konnten Sie dieses Gefühl, es allen recht machen zu wollen, irgendwann ablegen?
Nein, absolut nicht. Die einzige Lösung für mich ist, in niemanden verliebt zu sein. Wenn ich nicht verliebt bin, spüre ich auch nicht den Druck, für jemanden perfekt sein zu müssen. Im Moment stellt sich diese Frage für mich also nicht. Zum Glück. Was für eine Erleichterung!

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Trotzdem singen Sie auf Ihrem neuen Album darüber, wie sie die Verliebten im Park beneiden.
Wenn man verliebt ist, ist es die Hölle, und wenn man es nicht ist, wünscht man es sich. Wenn ich küssende Paare sehe, zwickt es mich schon im Herzen und ich denke: Ich weiss noch, wie sich das anfühlt. So wunderschön, wenn man für jemanden die einzige Person auf der ganzen Welt ist. Und wenn man es vor lauter Leidenschaft nicht einmal mehr schafft, seinen Mantel auszuziehen, bevor man loslegt. Aber wir wissen alle, dass das nicht anhält. Wenn ich Sätze wie «Die Liebe verändert sich und wird zu etwas Neuem» höre, kann ich nur spöttisch lachen. Wir wollen doch alle die Dringlichkeit der ersten Zeit.

Sind Sie fertig mit der Liebe?
Eigentlich nicht. Aber ich treffe ja niemanden. Oder vielleicht doch. Ach, keine Ahnung. Hmm. Vielleicht.

Sie singen ebenfalls «wenn du mich nicht liebst, liebe ich mich selbst nicht mehr».
Ja, ziemlich gut die Zeile, oder?

Haben Sie es geschafft, sich selbst zu lieben, egal welcher Mann Sie liebt?
Nein, weil es keine Rolle spielt. Ich lebe doch nur für die Augen der anderen. Was soll ich mich denn selbst lieben? Ich bin sowieso alt und es bringt nicht mehr so viel Spass, mich selbst anzuschauen. Aber immerhin bin ich noch lustig. Ich brauche eben jemanden, um mich komplett zu fühlen. Ich sage nicht, dass das richtig ist, aber so ist es nun mal. Meine Tochter Lou würde schon wieder wütend werden über solche Statements.

Würden Sie sagen, dass Serge Gainsbourg und Sie sich gegenseitig erschaffen haben?
Nein, er war lang schon, bevor ich überhaupt in sein Leben trat, eine unglaubliche Person. Schon damals, als Brigitte Bardot sich in ihn verliebt hatte. Ich hingegen war ein Niemand. Er hat mir seine besten Jahre geschenkt. Ich habe gar nichts an ihm kreiert, er war seine eigene Erfindung, und niemand wird jemals so sein wie er. Es ist sehr selten, dass ein Poet nicht nur melancholisch, sondern auch unglaublich komisch ist. Ich mag sehr, wie Bob Dylan schreibt, aber ich glaube nicht, dass man sonderlich viel Spass mit ihm hat. Serge hat mich immer zum Lachen gebracht. Das Problem an ihm war seine Liebe zum Alkohol. Und die hat auch das Ende unserer Liebe besiegelt. Das und die Tatsache, dass ich Jacques Doillon kennengelernt habe und an einem Punkt in meinem Leben war, an dem ich dachte, dass ich noch einmal neu beginnen könne.

Wie war es, mit Brigitte Bardot zu arbeiten?
Wundervoll, sie war ein Darling!

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«Ich lebe doch nur für die Augen der anderen. Was soll ich mich denn selbst lieben?»

Obwohl Sie Ihre Nachfolgerin waren?
Ja, da war keine Spur von Groll, Brigitte war sehr süss, hatte absolut null Ehrgeiz, diesen Film zu machen, und wollte eigentlich nur jeden Tag endlich ihren Feierabenddrink.

Ich stelle mir das komisch vor, eine Bettszene mit der Ex meines Mannes zu spielen.
Warum komisch? Serge war der grösste Künstler unserer Zeit und Brigitte Bardot die schönste Frau auf dem Planeten. Was komisch ist, ist, dass Serge sich nach Bardot in mich verliebt hat! Es war dumm von ihr, Serge für den furchtbaren Gunter Sachs zu verlassen.

Sie sollen sich dennoch am Set geweigert haben, mit ihr «Je t’aime … moi non plus» zu singen.
Ach, ich kann mich nicht mehr so genau erinnern. Ich weiss nur noch, dass wir die Bettszene drehen mussten und den Regisseur fragten, was wir denn eigentlich genau tun sollten. Er sagte nur: «Ihr wisst schon, fangt einfach an!» Bardot schlug vor, «Je t’aime … moi non plus» zu singen, aber ich begann einfach, «My Bonnie Lies Over The Ocean» zu trällern (lacht). Es war bestimmt hart für sie – Serge hatte «Je t’aime … moi non plus» ja für sie geschrieben, sie haben es damals total verliebt in seinem kleinen Studio eingesungen, und kurz bevor Serge es herausbringen wollte, verbot Bardot es ihm und ging zu Gunter Sachs. Dann kam ich, sang es ein und der Song wurde ein Nummer-1-Hit auf der ganzen Welt – dabei war es doch ihr Lied! Sie haben einmal gesagt, dass Serge Gainsbourg ein Genie war und Sie selbst einfach nur gut aussahen.

Warum waren Sie so unsicher, obwohl Sie doch schon so viel erreicht hatten?
Das war keine Koketterie, das war die Wahrheit. Zwischen zwanzig und dreissig sah ich vor allem gut aus und machte dumme Comedy-Filme. Ich war hübsch und lustig anzusehen, das wars. Als ich älter wurde, schnitt ich meine Haare kurz, machte seriösere Filme, spielte Theater, fing an, richtig zu singen, und die Dinge wurden interessanter. Serge hat «Histoire de Melody Nelson» geschrieben, während ich nur Müll produzierte.

Warum hat es so lang gedauert, bis man Sie als Künstlerin ernst nahm?
Weil ich vorher keine war. Noch mal: ich war ein hübsches, lustiges, sexy Ding mit einem dämlichen Akzent. Es war für viele eine Überraschung, dass ich die anspruchsvollen Filme von Godard oder Agnes Varda tragen konnte – am meisten für mich selbst. Auf den Plakaten zu meinem ersten Konzert im Bataclan stand «Wird sie es wirklich schaffen?». Später wurde ich zum Filmfestival nach Cannes eingeladen, weil ich in Filmen mitspielte, die nominiert waren, vorher war ich da nur immer gewesen, weil die Parties gut waren (lacht). Es ist spannend, wie das Leben oft noch mal eine andere Wendung nimmt, wenn man in seinen Vierzigern ist.

Dieses ärgerliche Klischee, dass schöne Künstlerinnen ihre Haare abschneiden und sich abschminken müssen, um ernst genommen zu werden, hält sich hartnäckig.
Ja, bei mir war das tatsächlich so. Ich habe mir eben gedacht: Wenn ich nach nichts aussehe, dann schauen sie mich nicht an und hören stattdessen endlich zu. Das hat funktioniert. Ich weiss nicht, wie meine Töchter das geschafft haben. Lou ist so wunderschön, aber die Leute auf der Strasse sprechen sie immer auf ihre Musik an und nicht auf ihr Aussehen. Bei mir war das anders. Ich war vom göttlichen Serge überschattet. Und zwar zu Recht.

Gainsbourg war ein Provokateur. Glauben Sie, es wäre schwer für ihn, in der heutigen Zeit zu leben, in der sich alle ständig empören?
Wer weiss. Bei uns waren doch auch schon alle immer empört (lacht). «Je t’aime … moi non plus» wurde vom Papst zensiert. Oder ich denke da an den Moment, in dem Serge live im staatlichen Fernsehen zur jungen Whitney Houston «I want to fuck you» gesagt hat. Er war damals etwas ausser Kontrolle, weil ich ihn verlassen und er seine Familie verloren hatte. Er wollte nur noch einen Skandal nach dem anderen provozieren. Aber immerhin war er authentisch.

Auch nach Ihrer Trennung haben Sie weiterhin Gainsbourgs Lieder gesungen. Irgendwie bizarr, über den Liebeskummer zu singen, den man selbst verursacht hat, nicht?
Ja, das war furchtbar schwierig und seltsam. Aber ich fühlte mich so schuldig und musste es deshalb tun – ich hatte schon genug Schmerzen verursacht. Ausserdem glaube ich daran, dass man Trauer in etwas Schönes verwandeln muss.

Wie war es damals für Sie, Kinder und Ihre Karriere zu vereinen?
Nun, als ich ans Set von «Swimmingpool » kam, schrie mich der Regisseur Jacques Deray an, weil ich mein Kind dabei hatte. Ich dachte, das sei kein Problem, weil Alain Delon und Romy Schneider ihre Kinder auch mitbrachten. Aber im Film sollte ich 17 und unberührt sein und Deray hatte Angst, dass mich Journalisten mit meinem Kind sehen könnten und so die Illusion zerstört würde. Ich habe mich eingeschlossen und geweint, bis Romy kam und mich getröstet hat. Sie hat Deray dazu gebracht, sich zu entschuldigen. Ich hätte meine Kinder viel öfter mitnehmen sollen, ich sehe, wie meine Tochter Charlotte das ganz selbstverständlich tut, und ich bewundere sie dafür.

Sie meinen, es wird für erwerbstätige Mütter von Generation zu Generation besser?
Ja. Meine Mutter sagte mir früher nämlich auch schon, dass ich sehr privilegiert sei, Job und Familie so gut vereinen zu können. Ihr wurde als junge Mutter eine Rolle am Broadway angeboten, die sie unbedingt annehmen wollte. Aber mein Vater verbot es ihr, weil er schon ein Haus für die Osterferien gemietet hatte (lacht). Dem hätte ich sonst was erzählt! Aber meine Mutter hatte weder das Geld noch das Selbstbewusstsein, ihr eigenes Ding zu machen. Ich glaube, das hat sie später bereut.

«Ich war ein hübsches, lustiges, sexy Ding mit einem dämlichen Akzent»

Wie war es für Sie, mit einer berühmten Mutter aufzuwachsen?
Was glauben Sie, warum ich aus England geflüchtet bin? Nur weil meine Mutter so wunderschön und populär war. Und weil Sie eine Berühmtheit am Theater war, habe ich mich von der Bühne lang ferngehalten. Sowieso wollten wir in den Sechzigern mit der Vergangenheit nichts zu tun haben. Wir wollten nicht wie unsere Mütter aussehen mit ihren Fourties-Looks, ich trug Miniröcke und gerade Haare! Mich wundert immer, dass die jungen Leute so nostalgisch nach den Sechzigern sind – wir waren derart arrogant, als wir jung waren, und ausschliesslich an Neuem interessiert, an dem, was wir selbst kreierten.

Wie kann man sich den Familienalltag im Hause Gainsbourg/Birkin vorstellen?
Serge und ich waren jede Nacht bis fünf Uhr weg und kamen gerade rechtzeitig nachhause, um mit den Kindern zu frühstücken und sie zur Schule zu bringen. Tagsüber schliefen wir und holten sie irgendwann von der Schule ab, spielten mit ihnen im Park, um dann abends wieder auszugehen. Ich weiss nicht, ob das das Beste für die Kinder war, aber es bedeutete sehr viel Spass für mich! Serge war immer sehr dominant, er entschied, wie sein Tag aussehen sollte, und die Kinder mussten sich dem fügen. Heute ist es ja oft umgekehrt.

Auf Ihrem neuen Album sprechen Sie zum ersten Mal über den Tod Ihrer Tochter Kate vor sieben Jahren. Warum waren Sie jetzt dazu bereit?
Ich habe mich auf diesem Album mit Schmerz beschäftigt, da wäre es einfach verlogen gewesen, den Tod meiner Tochter nicht zu thematisieren. Es hat sieben Jahre gedauert, diesen Verlust halbwegs zu fassen. Vorher konnte ich nicht einmal darüber sprechen. Als ich auf Tour war, kam ich einmal weinend ins Hotel zurück und traf auf meinen musikalischen Leiter Étienne Daho. Ich hatte ein Pedicureset gesehen und erinnerte mich plötzlich an Kates Füsse. Da bin ich zusammengebrochen. Er sagte mir: «Jane, du musst darüber schreiben.» Mein erstes Lied über Kate war «Cigarettes». Ich hatte anfangs ein wenig Bedenken, weil das Lied sehr nach Kurt Weill klingt und die Melodie so beschwingt ist.

Hatten Sie Angst, es könnte schockieren?
Ja, aber es fühlte sich trotzdem richtig an. Es ist ja auch schockierend! Ich denke an ihre schönen Füsse und dann fällt mir ein, wo sie jetzt sind. Oder ihre wunderschönen aschblonden Haare und dann fällt mir ein, dass sie an ihrem blutverschmierten Gesicht klebten, als ich sie das letzte Mal gesehen habe. Es ist immer noch ein Schock und das hört man auch in der Musik. Ich wollte keinen Zuckerguss über den Tod meiner Tochter giessen. Ich höre das Album oft, wenn ich allein bin, aber dieses Lied überspringe ich immer, es tut zu weh. Auf dem Album geht es viel um Tod, «Jeux interdits» erzählt davon, wie meine beiden Töchter oft auf dem Friedhof spielten. Und auch «Ghosts» und «Catch Me if You Can» handeln von Kate – sie ist auf diesem Album sehr präsent. Es ist wunderschön, über sie zu sprechen, aber es macht nichts besser und es macht nichts schlimmer (ihre Stimme bricht für einen Moment).

Sie fragen sich im Song, ob der Tod Ihrer Tochter vielleicht nur ein dummer Unfall war. Verfolgt Sie diese Frage?
Es ist ein Rätsel. Charlotte glaubte anfangs, dass da jemand anderes im Apartment gewesen sein muss, der sie geschubst hat. Da sind so viele Fragen. Wenn sie nur den Zigarettenqualm lüften wollte, warum hat sie dann den Schreibtisch zur Seite gerückt? Sie war doch dabei, das Essen für ihren Freund und seine zwei Kinder zuzubereiten. Warum gerade dann? Ich werde es nie wissen. Kate war nicht immer leicht zu verstehen. Am Tag vor ihrem Tod habe ich sie gefragt, ob sie nicht mit mir auf Tour kommen wolle, weil sie erst kürzlich eine schwere Trennung hinter sich hatte und umgezogen war, und ich Angst hatte, dass sie allein traurig sein könnte. Aber sie versicherte mir, dass alles in Ordnung sei und sie arbeiten müsse. Kate hatte Stimmungsschwankungen, manchmal war sie extrem aufgekratzt und dann wirklich sehr, sehr traurig, das war Teil ihres Charakters, genau wie bei ihrem Vater.

Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?
Nein. Aber ich mag die Vorstellung, dass Menschen nie wirklich weggehen und als Geister bei uns herumschnüffeln und uns eines Tages mitnehmen – wie Peter Pan.

Sie waren in letzter Zeit viel im Krankenhaus, hat die Diagnose Leukämie Ihre Einstellung zum Tod verändert?
Nein, ich habe das alles nicht so ernst genommen. Ich hatte grossen Spass mit den Krankenschwestern und den Ärzten und wollte mich auch nicht damit beschäftigen, was Leukämie genau ist. Ich weiss, dass ich sterben werde, und habe das einmal bei einer Freundin so nebenbei erwähnt. Sie hat darauf so sehr geweint, dass ich mich entschieden habe, nicht mehr darüber zu sprechen. Die Ärzte haben temporäre Lösungen für meine Krankheit gefunden, und ich habe Vertrauen in sie.

Was ist gut am Älterwerden?
Ich habe keine Ahnung. Eigentlich nur, dass man jungen Männern Komplimente über ihr Aussehen machen kann, ohne dass sie sich belästigt fühlen.

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