Autotest

Abheben auf Knopfdruck: Sven Broder testet den neuen Porsche 911 Turbo S

Text: Sven Broder; Foto: Porsche Schweiz

Abheben auf Knopfdruck: Sven Broder hatte den neuen Porsche 911 Turbo S im Autotest
  • Sven Broder mit dem Fahrzeug, das seine Urinstinkte weckte

Im neuen Porsche 911 Turbo S gingen annabelle-Redaktor Sven Broder glatt die Pferde durch.

Die Männer unter Ihnen – verzeihen Sie mir diesen für eine Frauenzeitschrift eher unüblichen Einstieg – werden sich genüsslich erinnern: K. I. T. T. hatte diesen Turbo-Boost-Knopf. Wenn David Hasselhoff als Michael Knight da draufdrückte, hob K. I. T. T. ab. Und war das trockengelegte Bachbett überflogen, dann schaute der David, immer wieder aufs Neue fasziniert von der Durchschlagskraft seines Wunderautos, ungläubig in den Rückspiegel, schüttelte sich süffisant lächelnd seine Dauerwelle zurecht und sagte Dinge wie «Yeah!». Ich fand: Geil! – war ja auch erst zehn damals, als mich die TV-Serie «Knight Rider» automobiltechnisch frühsozialisierte.

Der Porsche 911 Turbo S hat auch so einen Knopf. «Sport Plus» steht drauf. Wenn man ihn drückt, hebt der Porsche zwar nicht ab, aber man kommt dem Fliegen doch recht nahe – und den menschlichen Urinstinkten: Als gäbe der präfrontale Kortex, der als Regulator des Mandelkerns dient, in dem die Urinstinkte wie Angst und Aggression sitzen, Forfait. Forfait angesichts der 560 PS, die vom Biturbo-Motor aus über die Lenden die Wirbelsäule hinauf zum männlichen Hirn donnern. Ich würde Ihnen gern schildern, wann und wo ich erstmals auf diesen Sport-Plus-Knopf drückte, aber ich schäme mich ein wenig. Und ich hege die nicht unberechtigte Sorge, dass die Kühe, die die Passstrasse säumten, nach meinem Vorbeidonnern zwei Wochen lang keine Milch mehr gaben, sondern Joghurt. Oder Crème fraîche. Und sich den Instinkten hinzugeben, hat ja per se auch etwas Ungehobeltes.

Dieses Auto ist unglaublich

Doch man möge nachsichtig mit mir sein. Denn dieses Auto ist schlicht unglaublich. Dass der Mensch so etwas zu konstruieren fähig ist, muss jeden angeblich so nah verwandten Primaten tierisch beschämen. Ein solches Wunderwerk der Ingenieurskunst in all seinen Finessen zu erkunden, ist also geradezu Pflicht, wenn man schon mal die Möglichkeit dazu hat. Obwohl: Wirklich erfassen tut man das ja alles nicht.

Variable Turbinengeometrie, Expansionssauganlage, adaptive Aerodynamik mit flexiblen Bugspoilern und Heckflügeln, aktive Hinterachslenkung … wer versteht schon, wie das alles funktioniert und ineinanderzahnt. Mir persönlich ist ja schon rätselhaft, wie man es technisch anstellt, dass ich als Fahrer über die Multifunktionsanzeige den Luftdruck in jedem einzelnen Pneu beobachten kann, ja, sogar die bei Kurvenausgang wirkenden G-Kräfte. Doch es funktioniert.

Alles. Super. So gut – und das ist vielleicht das Irrste an diesem neuen Porsche-Flaggschiff –, dass es keine besonderen Fähigkeiten braucht, um dieses Biest im Luxuscoupé-Pelz zu beherrschen. Schon schwieriger ist es, das Animalische in einem selbst zu zügeln – und die Finger von diesem Knopf zu lassen.

Modell: Porsche 911 Turbo S
Motor: 3.8-Liter-6-Zylinder-Biturbo
Fahrleistung: 560 PS, von 0 auf 100 km/h in 3.1 s
Höchstgeschwindigkeit: 318 km/h
Masse: Länge 4.51 m, Breite 1.88 m, Höhe 1.30 m
Leergewicht: 1605 kg Kofferraumvolumen: 115 l CO2-Emission: 227 g/km
Energieeffizienzklasse: G Verbrauch: 9.7 l/100 km
Preis: 270 200 Franken
Infos: www.porsche.ch

Sven Broder

Der Reportagenleiter schwärmt für Anekdoten und gute Geschichten, mag Fragen lieber als Antworten, Optimisten lieber als Nörgler. Er hat ein Näschen für Tabus und Fettnäpfchen, aber erschreckend wenig Talent, sie aktiv zu meiden. Er lebt mit Frau und drei Kindern in Zürich.

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