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Ein Cabrio für die Familie: Der Opel Cascada im Autotest

Fotos: Yves Bachmann

Ein Cabrio für die Familie: Der Opel Cascada im Autotest
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Genuss pur für Vater und Tochter: Unser Testerduo im neuen Opel Cascada auf grosser Fahrt am Mont Vully

Familienauto? Da denkt niemand an ein Cabrio. Auch Redaktor Sven Broder nicht. Doch nun hat er – samt Tochter – den Opel Cascada getestet.

Sie hatte mich offenbar falsch verstanden, als ich ihr am Telefon erklärte, um was es geht. «Wo steht jetzt das Rennauto?», fragte meine Tochter erwartungsvoll, als wir endlich oben waren auf dem Mont Vully. «Kein Rennauto», sagte ich, «leider. Aber immerhin ein Auto ohne Dach.» Scherzkeks. Witzbild. Autos ohne Dach gibts gar nicht. Gibts doch – voilà! Man darf sagen: Der Opel Cascada wirkte auf meine Tochter wie eine Offenbarung. Denn mit Autos im Allgemeinen hat sie es nicht so; zu eng, zu stickig, zu langweilig. Verständlich, muss man sagen. Denn spielte unsereiner als Kind noch unangegurtet im Laderaum des Familienkombis Karten mit seiner Schwester, sitzen die Kinder neuester Generation wie festgesaugt in ihren Hochsicherheitsschalen, chancenlos, sich auch nur nach links oder rechts zu bewegen. Und das Einzige, was Unterhaltung böte und auch noch in Griffnähe wäre, der elektrische Fensterheber zum Beispiel, ist im modernen Familienauto meist nur Dekoration, weil vom Chefpiloten zwecks elterlicher Nervenschonung in aller Regel ausgeschaltet.

Der Superpapi im Cascada

Nun aber stand da dieses verheissungsvolle Cabrio, die Sonne über und der gleissende Murtensee unter uns, und versprach, dieses ominöse Gefühl von Freiheit, das manche Autobauer in ihren Werbebotschaften so gern propagieren, endlich auch wirklich einzuhalten – zumindest aus der Sicht meiner Tochter. Ich brauchte sie nicht zweimal zu bitten, im Cascada Platz zu nehmen. Und als dieser ihr dann noch ganz automatisch und wie von Zauberhand den Gurt nach vorn reichte, hatte er beziehungsweise ich sie vollends im Sack, die kleine Prinzessin. «Und?», meinte ich rhetorisch. «Super, Papi», antwortete sie – und ich hörte nur Superpapi.

Vom Restaurant Mont Vully aus ging es einmal rund um den Berg, der sich zwischen dem Murten- und dem Neuenburgersee wie aus dem Nichts erhebt. So, als hätte sich das Dreiseenland in der Mitte einmal aufgeplustert, um sich seinen aussichtsfreudigen Gästen in seiner ganzen Pracht präsentieren zu dürfen. Wir nahmen die Einladung gern an; dafür brauchten wir nicht einmal auszusteigen, sondern nur aus unseren Schuhen zu schlüpfen und barfuss aufs kühle, weiche Nappaleder zu stehen. Als wir uns an der Landschaft sattgesehen hatten, gings im Cascada (Fahrmodus komfortorientierte Tour-Einstellung) hinunter nach Lugnorre, vorbei an Rebbergen und knorrigen Bauernhöfen, vorbei an Pferden und Freiburger Kühen, dann am Murtensee entlang durch winzige Weindörfer, wo man sich in jedem einzelnen sofort für den Rest seines Lebens niederlassen würde.

Eleganter, geschmeidiger und zeitloser Openair-Cruiser

Und weils so schön war, fuhr ich in Sugiez gleich nochmals hinauf auf den Berg, diesmal im Sportmodus und steil und kurvenreich entlang der schroff zur Entre-deux-Lacs-Region abfallenden Nordflanke. Der Cascada zog hinauf wie am Schnürchen, meine Tochter juchzte vor Entzücken, ich aber hätte es gern noch etwas sportlicher gehabt. Was ich erstens nicht durfte, wegen der Beifahrerin, und zweitens nicht konnte, weil sich die 140 Pferde des 1.4-Liter-Motors spürbar schwertaten mit den 1.7 Tonnen. Es war ihm verziehen, will der Cascada zumindest in dieser PS-schwächsten Version doch auch gar kein Sportler sein, sondern ein eleganter, geschmeidiger und zeitloser Openair-Cruiser. Und das gefällt; Oben ohne fahren ist wie nackt schwimmen, fand der Papi, wie Velo fahren ohne Helm, meinte die Tochter, als wir auf dem Mont Vully neuerlich Rast gemacht hatten.

«Kaufen wir jetzt das Auto?», fragte sie – in dieser entblössenden Ehrlichkeit, die nur Kinder beherrschen. «Nein, nur testen», meinte ich. Meine Tochter hat meinen Beruf als Journalist noch nie verstanden, doch jetzt fand sie ihn ganz eindeutig blöd und total widersinnig. Denn was sollte das bringen? – Na warte! Ich fuhr also mit Tempo auf einen Baum zu, um den Abstand- und Kollisionswarner zu testen. Ich erklärte ihr mit einem zügigen Überholmanöver die Funktion des Toter-Winkel-Warners. Ich präsentierte ihr die Rückfahrkamera und die automatische Strassenschilderkennung, als sässen wir vor einem Fernseher. Ich liess sie per Knopfdruck das Verdeck auf- und zuzaubern, und dies während der Fahrt. Nur die Stahlstützen, die im Fall eines Überschlags in Sekundenbruchteilen «pyrotechnisch aktiviert» hinter den Rücksitzen herausschnellen sollen, liess ich sicherheitshalber unangesprochen. Für ein abschliessendes Wow reichte es trotzdem.

Auf der Rückfahrt schlief meine Tochter friedlich ein. Auf der Autobahn. Bei offenem Verdeck. Ein letztes und vielleicht das schönste Kompliment an den Opel Cascada.

Modell: Opel Cascada
Motor: 1.4-Liter-Turbobenziner
Fahrleistung: 140 PS, von 0 auf 100 km/h in 10.9 s
Höchstgeschwindigkeit: 207 km/h
Masse: Länge 4.69 m, Breite 2.20 m, Höhe 1.44 m
Leergewicht: 1701 kg
Kofferraumvolumen: 380 l / 280 l (bei offenem Verdeck) bis max. 750 l
CO2-Emissionen: 149 g/km
Energieeffizienzklasse: C
Verbrauch: 6.3 l/100 km
Preis: ab 35 600 Fr.
Infos: www.opel.ch

Sven Broder

Der Reportagenleiter schwärmt für Anekdoten und gute Geschichten, mag Fragen lieber als Antworten, Optimisten lieber als Nörgler. Er hat ein Näschen für Tabus und Fettnäpfchen, aber erschreckend wenig Talent, sie aktiv zu meiden. Er lebt mit Frau und drei Kindern in Zürich.

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