Heilsteine

«Besitzen reicht nicht, man muss die Steine auch nutzen»

Interview: Leandra Nef; Fotos: Geraldine Leblanc

 

Nora Kersten beim Yoga mit Heilsteinen
Edelsteine
Energetisches Wasser
Amethyst
Achat und Malachit
Edelsteine entladen
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Die Edelsteine sind beim Yoga immer in Nora Kerstens Nähe.

Edelsteine gibt es in den unterschiedlichsten Formen und Farben. Ihnen werden unterschiedliche Wirkungen zugeschrieben.

Wer über Nacht Kristalle wie Shungit, Citrin oder Rosenquarz in ein Glas oder in eine Karaffe gibt, dem soll das energetische Wasser am nächsten Morgen Kraft für den Tag schenken.

Den Amethysten, ihren Schutzengel, trägt Nora Kersten immer bei sich. Amethysten werden unter anderem eingesetzt, um Entspannung und Harmonie zu fördern.

Bei der Geburt ihrer Tochter hatte sie zudem einen Achat (l.) und einen Malachit (r.) dabei. Achate gelten als Schutzsteine für Schwangere und Kinder, Malachite sollen Geburtsschmerzen lindern. 

Nach dem Gebrauch werden die Steine unter fliessendem lauwarmem Wasser entladen – bevor man sie im Mondschein erneut auflädt.

Lebenshilfe von Edelsteinen? Hokuspokus, dachte Yoga-Lehrerin Nora Kersten (32). Heute besitzt sie 20 davon – unter anderem einen Hebammenstein, der ihr bei der Geburt ihrer Tochter geholfen hat.

annabelle: Nora Kersten, seit einem Jahr schwören Sie auf die Kraft der Edelsteine. Woher kommt diese Überzeugung?
Nora Kersten: Als ich schwanger wurde, habe ich starke Ängste vor der Geburt entwickelt. Viele Frauen, die mir nahestehen, hatten negative Geburtserlebnisse – auch mein Mami. Ich habe dann etwas gesucht, das mir Mut gab, der Geburt meiner Kleinen mit Freude entgegenzuschauen.

Etwas gesucht – und Edelsteine gefunden?
Zunächst bin ich auf einen Workshop gestossen. Ich dachte, wir würden dort ein Mentaltraining absolvieren. Aber dann hat der Kursleiter plötzlich von Steinen gesprochen. Von Steinen! Mein erster Gedanke war: Das ist doch Hokuspokus.

Was hat Sie umgestimmt?
Der Kursleiter war Physiker. Seine Erklärungen zu Steinen und ihren Schwingungen fand ich einleuchtend. Er hat uns einen Ozean-Jaspis präsentiert, einen Stein, der helfen soll, ein persönliches Ziel zu erreichen. Ziemlich absurd eigentlich. Aber ich wollte unbedingt die Angst vor der Geburt loswerden. Darum dachte ich: Ich probiers mal – wenns nicht klappt, klappts nicht. Der Ozean-Jaspis war der erste Stein, den ich bewusst gekauft und programmiert habe.

Programmiert?
Ja, in mehreren Schritten. Bevor man den Stein kauft, muss man ihn beispielsweise fragen, ob er der richtige für einen ist. Man bittet ihn um Erlaubnis, einem zu helfen. Wenn der Stein Ja sagt, darf man ihn zu sich nehmen.

Wie sagt ein Stein denn Ja?
Klar sagt er nicht: Nimm mich! Aber irgendwie spürt man, dass er der richtige ist. Vielleicht genau dank dieser Schwingungen. Das ist wie mit Räumen: Manchmal betritt man einen Raum und fühlt sich sofort wohl, kann aber nicht erklären, warum. Und manchmal betritt man einen Raum und möchte ihn am liebsten gleich wieder verlassen.

Wofür verwenden Sie Ihre Steine im Alltag?
Ich besitze rund zwanzig Edelsteine. Aber besitzen allein reicht nicht, man muss sie auch nutzen. Wenn ein Stein nur rumliegt wie ein Küchengerät, das man nie braucht, dann kann er einem nicht helfen. Die Kitchen-Aid backt den Kuchen ja auch nicht von allein. Also lasse ich ein paar Steine über Nacht in einer Wasserkaraffe einwirken. Nach dem Aufstehen trinke ich ein Glas energetisches Wasser, das gibt mir Power. Beim Yoga platziere ich Steine in der Nähe meiner Matte. Zum Meditieren halte ich sie in der Hand. Im Schlafzimmer liegen Schutzsteine und solche, die helfen, besser zu schlafen. Auf dem Bürotisch die für mehr Klarheit und Konzentration. Und ich habe immer einen Amethysten dabei, meinen Schutzengel.

Was, wenn Sie den mal zuhause vergessen?
Für mich sind die Steine wertvoll. Aber es ist nicht so, dass ich Schnappatmung bekomme, wenn ich einen verliere oder vergesse. C’est la vie. Man darf sich von nichts auf der Welt abhängig machen.

Wann haben Sie zum ersten Mal eine konkrete Wirkung der Steine gespürt?
Eigentlich schon, als ich zum ersten Mal einen in der Hand hatte. Die Steine geben mir einfach eine wahnsinnig positive Energie, ein gutes Gefühl. Sie machen mich stärker.

Was sagen Sie den Menschen, die all das für esoterischen Unfug halten?
Dass sie es doch einfach mal probieren sollen. Am Anfang dachte ich ja auch, das sei Unsinn. Aber jetzt merke ich, wie gut es mir tut – und viele Menschen, die sich wegen mir einen Edelstein gekauft haben, erzählen mir ebenfalls von ihren positiven Erfahrungen. Ob das auf jeden Menschen zutrifft? Keine Ahnung! Aber gegen positive Energie kann nun wirklich niemand etwas haben. Ausser mein Mami, sie findets immer noch ziemlich seltsam. Aber sie findet sogar Yoga seltsam.

Ihr Mann ist auch nicht gerade begeistert, haben Sie mir verraten.
Er lacht mich manchmal ein wenig aus – aber liebevoll, immerhin (lacht). Beim letzten Vollmond etwa habe ich alle Steine behutsam auf den Balkon getragen, damit sie sich mit Energie aufladen können. Weniger lustig fand er, als ich einen spitzen Stein auf dem Boden liegen gelassen habe und er draufgestanden ist. Der Lego-Schmerz. Aber wer weiss, vielleicht haben die Steine ja auch auf ihn eine positive Wirkung – selbst wenn er nicht daran glaubt.

Muss man an die Wirkung der Steine glauben, damit es funktioniert?  
Mein Cousin führt ein Mineralienzentrum in der Ostschweiz. Er ist überzeugt, dass die Steine auch dann helfen, wenn man nicht an sie glaubt. Vermutlich haben sie aber eine stärkere Wirkung, wenn man sich bewusst mit ihnen verbindet. Es ist wie mit Menschen: Die können dir auch besser helfen, wenn du offen für ihre Hilfe bist.

Sie haben erzählt, wie Sie Ihre Steine aufladen. Nun sollte man sie auch von Zeit zu Zeit entladen. Wann ist der richtige Zeitpunkt dafür?
Das spürt man – immer dann, wenn sich der Stein leer und matt anfühlt. Je öfter man ihn nutzt, desto öfter sollte man ihn reinigen. Ich halte den Stein dafür einmal pro Woche für ein paar Minuten unter fliessendes lauwarmes Wasser. So kann er sich entladen. Je nach Stein lade ich ihn im Mondschein oder in der morgendlichen Sonne wieder auf.

Wo haben Sie sich Ihr Wissen über Edelsteine angeeignet?
Ich bin ein autodidaktischer Mensch und habe mir vieles selbst beigebracht. Bücher wie «Heilsteine» von Michael Gienger oder der gleichnamige Titel von Sigrid E. Günther haben mir geholfen, aber auch Youtube-Videos. Ich habe mir einiges von meinem Cousin erklären lassen, habe nachgefragt, ausprobiert. Ausserdem teile ich meine Leidenschaft für Edelsteine mit meinen Followern auf Instagram. Oft fragen sie mich, welcher Stein ihnen in ihrer aktuellen Lebenslage weiterhelfen kann. Ich mache mich dann schlau und lerne dabei viel Neues. Mittlerweile verkaufe ich die Steine sogar über Instagram.

Verraten Sie uns noch, ob Ihnen der Ozean-Jaspis die Angst vor der Geburt Ihrer Tochter genommen hat?
Hat er. Auch ein Achat und ein Malachit haben mir geholfen, ich hatte beide Steine während der Geburt dabei. Der Achat ist der Schutzstein der Frau während der Schwangerschaft und der Schutzstein des Kindes. Der Malachit gilt als Hebammenstein, er lindert die Schmerzen während der Geburt. Die Steine waren aber natürlich nur ein Werkzeug von mehreren: die Atmung, das Wasser – ich hatte eine Wassergeburt –, mein Mann, alles war wichtig. Ich möchte nicht sagen, dass die Steine mehr geholfen haben als mein Mann (lacht). Ich war dankbar, dass er dabei war. Aber ich war eben auch dankbar, dass die Steine dabei waren.

Nora Kersten (32) lebt in Zürich. Sie arbeitet unter anderem als Yoga-Lehrerin und ist seit Kurzem Mama einer Tochter.

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