Meinung

5 Dinge, die ich von Corona gelernt habe

Text: Claudia Senn; Foto: GettyImages

  • Der persönlicher Quarantäne-Tipp unserer Autorin:

    «Jeden Abend ein festlicher Dreigänger. Bikinifigur ist jetzt auch egal.»

1. Es sind die Nebensächlichkeiten, die über das Auf und Ab der eigenen Stimmung entscheiden.
Wie hiess doch gleich der Coiffeur-Witz, den ich neulich in der «Tagesschau» gehört habe? In spätestens zwei Monaten werden neunzig Prozent aller Blondinen verschwunden sein. Inzwischen weiss ich von allen Menschen in meiner Umgebung, welche Haarfarbe sie in Wirklichkeit haben. Und die anderen kennen natürlich auch meine: ein trauriges Grau, das mich so alt aussehen lässt, wie ich mich niemals fühlen wollte. Angesichts der vielen Corona-Toten ist das ein First- World-Problem, doch unwichtig ist es deshalb noch lang nicht. Selbst in Flüchtlingslagern bauen die Menschen improvisierte Coiffeursalons, sobald ihre Grundbedürfnisse nach Nahrung, Wasser und einem Dach über dem Kopf erfüllt sind. Eine anständige Frisur bedeutet Würde. Sie bedeutet, der Tristesse etwas Schönheit abzutrotzen. Wirklich eine Erleichterung, dass mit der Grauzone nun bald Schluss ist. Mein Coiffeurtermin ist am 27. April.

2. Wir sind nicht die Krone der Schöpfung.
Viren sind viel erfolgreicher, obwohl sie absolut nichts können, ausser uns zu nerven. Ihre Anzahl wird auf 1031 geschätzt – das sind so unvorstellbar viele, dass wir diese Grössenordnung nur mit einem Bild begreifen können: Wäre ein Virus so gross wie ein Sandkorn, dann würden alle Viren zusammen die komplette Erdoberfläche mit einer etwa 15 Kilometer dicken Sandschicht bedecken.

3. Jede Zeit hat ihre Stars.
Daniel Koch vom BAG macht seine Sache gut, trotz oder gerade wegen seiner Valium-Stimme. Auch Alain Berset füllt seine Rolle aus wie einen perfekt sitzenden Anzug. Doch der wirkliche Star in dieser Krise ist Prof. Dr. Christian Drosten, also known as «Virologen-Gott». Drosten ist Direktor der Virologie an der Berliner Charité, trägt eine aus der Mode gekommene Britpop-Frisur und hat auch schon einen Fanclub, die «Drosten Ultras». Sein täglicher Podcast «Das Coronavirus-Update» (in der ARD-Audiothek) ist der absolute Quotenbringer. Zudem ist Drosten ein emanzipierter Vater, für den es ganz selbstverständlich ist, seinen vierjährigen Sohn mit zu betreuen. «Oh mein Gott, und jetzt sagt er auch noch, dass er mit dem Fahrrad zu seinen Terminen fährt. Er ist perfekt!», flötet die Berliner Autorin Hatice Akyün auf Twitter. Der letzte Arzt, der so angeschmachtet wurde, war George Clooney in der Fernsehserie «Emergency Room».

4. Menschen können mit allem Möglichen klarkommen, wenn es sein muss.
Die meisten macht eine Krise sogar stärker. «Posttraumatisches Wachstum ist wesentlich häufiger als eine posttraumatische Belastungsstörung», sagt der in der Privatklinik Hohenegg praktizierende Angst-Spezialist Dietmar Hansch. Wenn das kein Lichtblick ist!

5. Kaum zu glauben, aber Corona hat auch sein Gutes.
Die Terrororganisation Islamischer Staat hat ihre Selbstmord-Attentäter in einem geheimen, aber peinlicherweise doch publik gewordenen Brief dazu aufgerufen, im Moment keine Reisen nach Europa zu unternehmen. Die haben jetzt Angst! Vor uns!! Ja, fürchtet euch nur, ihr Hosenscheisser. Das Virus macht bestimmt keinen Bogen um euch

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