Hollywood

Brad Pitt sollte sich warm anziehen: Das ist die Anwältin von Angelina Jolie

Interview: Jacqueline Krause-Blouin; Fotos: Getty Images

Laura A. Wasser: Die Scheidungsanwältin der Stars
Laura A. Wasser: Die Scheidungsanwältin der Stars
Laura A. Wasser: Die Scheidungsanwältin der Stars
Laura A. Wasser: Die Scheidungsanwältin der Stars
Laura A. Wasser: Die Scheidungsanwältin der Stars
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«Eine Scheidung kann manchen sehr gelegen kommen»: Scheidungsanwältin Laura A. Wasser, die hier gerade das Gerichtsgebäude verlässt bei der Scheidung von Amber Heard und Johnny Depp

In der TV-Show The View

«Was alle Menschen, die sich scheiden lassen, gemein haben, ist das Gefühl von Versagen»: Amber Heard und Johnny Depp

Gwen Stefani und Gavin Rossdale

Laura A. Wasser mit Stevie Wonder

Kim Kardashian, Mel Gibson, Stevie Wonder – und jetzt auch noch Angelina Jolie: Laura A. Wasser (48) ist die Anwältin der Stars und der Star unter den Scheidungsanwälten. Ein Gespräch über bizarre Eheverträge, Rosenkriege um den Hund und Hollywood-A-Lister, denen man mal die Meinung sagen muss.

Als sich Britney Spears 2004 im Flugzeug mit ihrem Backgroundtänzer Kevin Federline verlobte, organisierte ihr Team als Erstes einen Juwelier, einen Hochzeitsplaner und – Laura A. Wasser. Wasser ist die am meisten gefürchtete Scheidungsanwältin Hollywoods. Um in das gläserne Hochhaus in Beverly Hills zu gelangen, das ihre Büros beherbergt, ist ein wenig Geduld gefragt. Von zwei strengen Security-Mitarbeitern werde ich gelöchert, bis ich schliesslich einen Besucherausweis erhalte und in einen metallenen Lift geschleust und dann in Wassers Vorzimmer gebracht werde. Obwohl die Anwältin derzeit keine Angaben darüber macht, ob sie Jennifer Garner während der Trennung von Ben Affleck vertritt, liegt wie zufällig das etwas ältere Sensations-Trennungs-Interview aus «Vanity Fair» auf dem edlen Coffeetable. Die Assistentin reicht mürrisch professionell Mineralwasser, während ein Mann lautstark telefoniert. Scheint wichtig zu sein. Aber sicher nicht so wichtig wie das, was Wasser gerade hinter verschlossener Tür bespricht – wer wohl gerade um Rat bittet? Britney Spears, Mel Gibson, Kim Kardashian, Heidi Klum, Johnny Depp? Wassers Klientenliste liest sich wie das Telefonbuch der Entertainment-Branche. Und nun soll Laura A. Wasser – deren Initialen übrigens nicht zufällig L. A. W (Law, wie Gesetz) lauten, sondern aufgrund väterlicher Voraussicht – also auch Angelina Jolie vertreten, wie mehrere Medien übereinstimmend berichten. Diese vermeintliche «Brangelina»-Symbiose auseinander zu dividieren – man darf sagen: ein Jahrhundertfall. Kein Wunder, dass Laura A. Wassers Lohn bei 850 Dollar liegt. Pro Stunde. Da öffnet sich die Tür, die 1.53 grosse Wasser erscheint auf mörderischen Highheels und in einem Kleid von Lanvin, das ihre durchtrainierten Arme zur Schau stellt. Die Haltung hat etwas von einer Ballerina, die Stimme etwas von Tom Waits. Sie, die von Klatschjournalisten gern als «sexiest lawyer in Hollywood» bezeichnet wird, ist – vielleicht ist das ihr Erfolgsrezept – ganz offensichtlich selbst ein Star.

annabelle: Laura Wasser, glaubt man als Scheidungsanwältin eigentlich noch an Romantik?
Laura Wasser: Oh ja, ich bin eine hoffnungslose Romantikerin, stehe auf romantische Komödien und liebe es, auf Hochzeiten zu gehen. Trotzdem glaube ich nicht, dass die Liebe zu einem Menschen ein Leben lang hält. Ich liebe Liebe, aber ich habe keine Ahnung, wie die Ehe funktioniert. Ich selbst bin geschieden und habe zwei Kinder von zwei unterschiedlichen Männern. Ich weiss nur, wie man eine Ehe so beendet, dass man sich danach noch in die Augen schauen kann.

Wären Sie heute wirklich immun gegen einen romantischen Heiratsantrag?
Ja. Ich mag es, in einer monogamen Beziehung zu leben, aber ich sehe keinen Grund für eine Ehe. Diese Institution ergibt für mich keinen Sinn. An so einem Vertragsabschluss ist nichts Romantisches. Mein Freund macht mir ganz viele andere romantische Anträge, die nichts mit der Fusion unserer beider Familien oder unserer Finanzen zu tun haben. Ich mag Anträge wie «Willst du ein Wochenende mit mir wegfahren?».

Warum hat die Ehe bei Ihnen nicht funktioniert?
Wir waren extrem jung, 25. Es war eine sogenannte Anfängerehe. Wir spielten Ehe, legten uns einen Hund zu, aber es war eben ein Spiel. Wir hatten diese enorme Hochzeit mit zehn Brautjungfern und Freunden und Familie aus aller Welt. Ein grosses Tamtam, und kaum ein Jahr später wars vorbei. Das war mir schon unangenehm. Das Schmerzhafteste am Scheitern dieser Ehe war das Gefühl, versagt zu haben.

War die Hochzeit eine Rebellion gegen Ihren Vater, ebenfalls ein Topscheidungsanwalt in Hollywood?
Ja, das muss ich wohl zugeben. Obwohl er mir nie davon abgeraten hat zu heiraten. Für meine Hochzeit hat er ein Vermögen hingeblättert. Aber als ich ihm sagen musste, dass es nicht funktioniert, sagte er nur: «Ich hab es kommen sehen. Lass dich scheiden, aber ich werde nicht für eine weitere Hochzeit bezahlen.» Noch ein Grund, warum ich nicht mehr heiraten will!

Sie selbst waren Ihr erster Scheidungsfall.
Ja, es war sehr einfach, weil wir nichts hatten. Ich habe unsere Ehe annullieren lassen. Das ist heutzutage viel schwieriger, da die Gesetze verschärft wurden. Ich höre hier in Hollywood oft «Oh mein Gott, ich bin nach Vegas geflogen und habe völlig betrunken geheiratet, bitte annullieren Sie diese Ehe!» Das ist praktisch unmöglich. Annullieren kann man eine Ehe nur bei Betrugsverdacht, Unzurechnungsfähigkeit oder manchmal in Transgenderfällen, wenn das ursprüngliche biologische Geschlecht verheimlicht wurde.

Ihr Ratschlag an frisch Verlobte?
Kommuniziert! Man ist in seiner Märchenwelt, wählt das Kleid, die Blumen, das Streichquartett aus, aber es gibt Dinge, die man diskutieren muss, die nicht besonders sexy sind. Sie wären erstaunt, wie uninformiert die Leute teilweise in die Ehe gehen. Ich erlebe ständig, dass ein Klient sich scheiden lassen will und ich ihm erst einmal erklären muss, dass die Hälfte seines während der Ehe verdienten Vermögens an seinen Partner geht. Die sind immer ganz erstaunt und sagen Dinge wie «Okay, aber mein Drehbuch oder meine Songs, die ich geschrieben habe, nicht!» Doch! Alles, was in der Zeit geschaffen wurde und Geld bringen kann, wird geteilt. Frauen, die mehr Geld als der Partner verdient haben, sind die Schlimmsten. Sie wollen sich scheiden lassen, weil der Typ nur faul herumsass, und dann fallen sie aus allen Wolken, wenn sie plötzlich Unterhalt zahlen müssen. Es ist erstaunlich: Sie kennen den Vertrag mit dem Weddingplanner oder der Band, aber nicht den, um den es eigentlich geht.

Sind Sie deshalb ein so grosser Fan von Eheverträgen?
Ja, weil er die Leute zwingt, vor der Hochzeit über all die geschäftlichen Dinge zu sprechen. Man ist als Ehe- mann und Ehefrau auch Geschäftspartner. Obwohl ich dazu sagen muss, dass man nicht in den Ehevertrag reinschreiben kann: «Meine Mutter wird bei uns leben, wenn sie alt ist.»

Hollywood ist aber bekannt für bizarre Eheverträge, viermal pro Woche Sex, wie bei Jennifer Lopez etwa.
Ja, das machen hier viele verrückte Leute, aber das ist rechtlich gesehen nichtig. Man kann natürlich reinschreiben, dass die Frau eine Busse bezahlen muss, wenn sie nach der Geburt dick bleibt, aber vor Gericht hat das keine Chance. Man hat von mir aber durchaus schon verlangt, in den Ehevertrag reinzunehmen, dass der Mann den Toilettendeckel runterklappen muss. Nur fürs Protokoll.

Wie gehen Sie mit weltfremden Prominenten um?
Es sind ganz normale Leute. Der Unterschied ist, dass sie bedeutend mehr Geld verdienen als die meisten von uns und den ganzen Tag von Leuten umgeben sind, die zu allem ja und amen sagen. Ich mache den Prominenten von Anfang an klar, dass ich mit dem Gesetz arbeiten muss und es nun mal nicht ändern kann. Auch wenn viele das erwarten (lacht). Ich sage gern: «Ich blase keine Sonnenstrahlen in Ihren Arsch!» Und es ist schon vorgekommen, dass Berühmtheiten gegangen sind, weil sie es nicht ertragen konnten, dass jemand ihnen die Wahrheit sagt. Oft gehen sie dann zu einem Kollegen, der ihnen die Welt verspricht, werden enttäuscht und kommen reumütig wieder angekrochen.

Kommt es vor, dass Sie prominente Klienten ablehnen?
Oh ja, oft sogar. Wenn sie unrealistische Erwartungen haben. Und manchmal sitzt mir jemand gegenüber, der mir absolut unsympathisch ist – mit dem möchte ich doch nicht so viel Zeit verbringen. Alle sagen immer «Ich will, dass es fair bleibt, und meine Kinder haben Priorität». Und nach der ersten Sitzung merkt man dann, dass das eine fette Lüge ist Fairness spielt keine Rolle, und die Kinder sind ihnen auch schnurzegal. Nur Geld zählt. Ich merke es in den ersten Minuten.

Wie ein guter Therapeut?
Ja, das hat etwas. Es ist ein sehr intimer Prozess – allerdings nur einseitig. Ich weiss so unglaublich viel von meinen Klienten, und sie wissen praktisch gar nichts über mich. Ich bin denen auch egal, ich bin Personal.

Ihr allererster High-Profile-Fall war gleich Stevie Wonder, angeblich verklagte seine Partnerin ihn, weil er sie mit Herpes angesteckt hatte. Was war da los?
Stevie Wonder war mit der Frau, die ihn verklagte, nicht verheiratet. Sie beschuldigte ihn, versprochen zu haben, bis an ihr Lebensende für sie zu sorgen. Natürlich gab es nichts Schriftliches, schliesslich ist Stevie Wonder blind. Glauben Sie etwa, er hätte selbstständig einen Vertrag aufgesetzt? Wir mussten also prüfen, ob es ein mündlicher Vertrag war oder ob diese Versprechungen sich in seinen Handlungen angedeutet hatten. Es war sehr einfach zu lösen, sie hatte absolut keine Chance. Aber Sie wissen ja, wir Amerikaner finden immer jemanden, den wir verklagen. Stevie ist mein Seelenverwandter, er ist für mich heute wie Familie.

Ist es nicht hinderlich, wenn man eine solche Nähe zu einem Klienten pflegt?
Es ist eine verzwickte Situation. Die meisten meiner Klienten gehen durch eine sehr schwere Phase ihres Lebens, und wenn man in einer verletzlichen Situation auf jemanden angewiesen ist, bringt das Nähe mit sich. In meinen ersten Jahren fiel mir das ziemlich schwer. Wir haben diese intensive Zeit zusammen, und es fühlt sich an wie eine Freundschaft. Aber wenn der Fall vorbei ist, wollen sie nichts mehr mit mir zu tun haben. Ich erinnere sie ja an die schlimmste Zeit ihres Lebens.

Also treffen Sie Maria Shriver nicht mal eben auf einen Dirty Martini?
Nun, manche Prominente sind schon meine Freunde, das ist unvermeidlich, weil Hollywood ja eine eingeschworene Gemeinschaft ist. Aber sie bezahlen mich in der Phase, in der wir uns kennen lernen. Und Freunde nehmen nun mal kein Geld fürs Zuhören.

Haben die Paparazzi Sie eigentlich auf dem Radar?
Schon, aber wir arbeiten in einem Gebäude mit strenger Security, da kommt niemand einfach rein, wie Sie gemerkt haben. Ausserdem führe ich meinen eigenen Kalender, zu dem niemand Zugang hat. Das Problem ist aber, dass die Paparazzi den Prominenten folgen, und wenn sie sehen, dass sie zu Laura Wasser gehen,steht garantiert kurz darauf im Internet, dass Promi XY sich scheiden lässt. In Restaurants kann man auch nicht gehen, dann rufen gleich Hunderte Journalisten bei mir an: «Sie wurden mit Promi XY gesichtet, was ist da los?» Dabei sind das manchmal einfach Freunde aus der Highschool! Ehrlich gesagt, ich mag diesen Rummel nicht. Die Celebritys haben sich für ein solches Leben entschieden. Ich aber nicht. Ich will nicht, dass jemand mich und meine Kinder fotografiert, mir macht das Angst. Wenn wir aus dem Gericht kommen, sind sie überall und schubsen sich gegenseitig weg, schreien und lassen dich kaum ins Auto einsteigen, furchtbar!

Können Sie die Presse nicht zum Vorteil Ihrer Klienten nutzen?
Das tue ich nicht. Aber viele Kollegen sind da anders. Die schicken ihre Klientin dann an Halloween verkleidet mit den Kids ans Strassenfest und rufen die Paparazzi an, damit sie als gute Mutter dasteht. Mich nervt das, weil ich weiss, dass die Richter sich von so einem Theater sowieso nicht so leicht beeindrucken lassen.

Haben Sie dann Ärger mit den PR-Leuten der Stars?
Ja. Ich sage immer, lasst es einfach ruhen, aber ich höre dann: «Wir machen die andere Seite fertig!» Aber klar, die PR-Leute müssen halt aufs Image achten, den Star auf Magazincovers bringen, denn wenn das Image nicht stimmt, verkauft er keine Kinobillette. Gerade wenn die Karriere nicht so läuft, kann eine Scheidung manchen offenbar sehr gelegen kommen. Sie kennen ja das alte Sprichwort, jede Publicity ist gute Publicity. «Die arme Schauspielerin wird betrogen!» – egal ob sie auf dem Bild weint, Hauptsache, sie ist auf dem Cover.

Gibt es Tricks, das Medieninteresse möglichst gering zu halten?
Oh ja. Ich versuche alles möglichst privat zu halten. In Kalifornien kann per Gesetz jeder zu jedem Gerichtsverfahren kommen, auch Journalisten. Also engagiere ich pensionierte Richter für private Anhörungen. Dazu könnte zwar theoretisch auch jeder kommen, aber die Öffentlichkeit weiss so nicht, wann die Verhandlung stattfindet. Ausserdem reiche ich die Scheidungsunterlagen in kleineren Dienststellen ein: Santa Monica, Santa Barbara, oder San Diego. Los Angeles ist sehr klatschorientiert, da gibt es immer Beamte, die von Paparazzi bestochen werden. Ich reiche die Papiere auch gern vor Feiertagen ein, da sind weniger Klatschjournalisten auf der Jagd. Dann gibt es noch meinen ultimativen Trick: Wenn ich gerade mehrere berühmte Klienten habe, reiche ich die Scheidungspapiere gleichzeitig ein, so wird die Medienaufmerksamkeit geteilt.

Also stecken Sie dahinter, wenn in den Klatschmagazinen mal wieder steht «Was ist nur in Hollywood los? Alle lassen sich scheiden!»
Kann schon sein (lacht). Jetzt habe ich Ihnen alle meine Tricks verraten!

Gibt es jemanden, den Sie nie vertreten würden? Donald Trump vielleicht?
Nun, das wäre sicher interessant (lacht). Ich habe Mr. Trump noch nie getroffen, aber ich würde auch ihn, wie alle, bei einem Gespräch beurteilen. Wenn es etwas gibt, das ich in meiner Laufbahn gelernt habe, ist es, Leute nicht voreilig zu verurteilen. Wenn Prominente, die man aus der Klatschpresse unsympathisch findet, weinend vor einem sitzen und sich Sorgen machen, dass der kleine Sohn sich am ersten Tag im Kindergarten unwohl fühlen könnte, lernt man das. Was alle Menschen, die sich scheiden lassen, berühmt oder nicht, gemein haben, ist das Gefühl von Versagen.

Über welche Trennung waren Sie persönlich sehr enttäuscht? Ben Affleck und Jennifer Garner?
Ja. Und Gwen Stefani und Gavin Rossdale. Ich habe Gavin vertreten, das war sehr traurig, sie haben drei Kinder. Aber man weiss wirklich nie, was hinter den Türen dieser tollen Häuser vor sich geht.

Kommt es manchmal vor, dass beide Parteien Sie anheuern wollen?
Ja, das kommt vor. Aber wenn ich das Paar sehr gut kenne, vertrete ich sie nicht. Ich arbeite nicht mit Freunden. Und ich habe eine Regel: Ich vertrete keine Eltern aus der Schule meiner Kinder.

Sie vertreten sehr oft Rockstars, wie etwa Slash von Guns N’Roses, wie kommts?
Ich war früher viel an Rockkonzerten. Und ich war eine der jüngsten Scheidungsanwältinnen in Hollywood – eine mit Tattoos und Piercings, damals (lacht). Ich habe schon Rockstars, die in zerrissenen Jeans zum Gerichtstermin aufkreuzten, kurzerhand in ein Shoppingcenter verfrachtet und ihnen einen Anzug angezogen.

Was waren bisher die seltsamsten Forderungen von Prominenten im Scheidungskrieg?
Geschlechtskrankheitstests sind beliebt. Ein sehr berühmter Sportler wollte den Namen der Kindsmutter von der Geburtsurkunde entfernen lassen. Und Haustiere, grosser Gott, Haustiere sind so emotional! Ich musste schon komplizierte Aufsichts-Terminkalender für Hunde erstellen! «Nein, du darfst Yippy nur montags haben!» – ich helfe ihnen damit, weil sie mich bezahlen, aber das ist doch verrückt. Viele Frauen möchten nicht, dass ihre Kinder Zeit mit der Neuen des Ex verbringen, aber da lässt sich juristisch nichts machen, solange die Kinder nicht in Gefahr sind. Ich habe einmal den Leadsänger einer berühmten Band vertreten, und seine neue Freundin war ein Pornostar. Die Mutter wollte ihre Kinder nicht in der Nähe des Pornostars haben, aber der Richter hat dagegen entschieden. Pornostar zu sein, ist schliesslich nicht illegal, auch wenn überall im Haus die Hüllen ihrer Videos mit den Pornoposen rumlagen (lacht).

Wie werden Sie nicht zynisch bei all der schmutzigen Wäsche, die bei Ihnen gewaschen wird?
Nun, ich wuchs in Beverly Hills auf, mein Dad war ein knallharter Scheidungsanwalt, da ist man relativ schmerzfrei. Ausserdem finde ich, dass ich Glück habe. Für mich ist das alles nicht nur Klatsch, ich kenne die Wahrheiten und kann manchmal wirklich Leuten helfen. Ich sehe den Mann, der reumütig zugibt, seine berühmte Ehefrau betrogen zu haben, und in der Presse zerfleischt wird. Kein Wort davon, dass er unbedingt für seine Kinder da sein will. Es ist nicht alles so schwarz oder weiss wie in der Klatschpresse.

Bekommen Sie grosszügige Dankesgeschenke?
Ich kriege viel Wein, ich glaube, die wissen, dass ich ihn brauche. Dann laden mich viele zu ihren Shows oder Premieren ein. Luxushandtaschen sind keine Seltenheit, und ich habe mal eine Rolex bekommen. Prominente geben gern Geschenke, und ich nehme sie gern.

Mit all den Erfahrungen, die Sie tagtäglich mit der Liebe machen – gibt es nicht doch ein Rezept für dauerhaftes Glück?
Zwei Häuser. Ich habe mit vielen älteren Damen aus Hollywood gesprochen, und alle sagen: «Honey, wohne nie auf dem gleichen Anwesen wie dein Ehemann!»

Mrs. Mel Gibson bekam angeblich eine Abfindung von 425 Millionen Dollar, die höchste aussergerichtliche Einigung in der Geschichte Hollywoods. Gibt es bei einer Scheidung wirklich keinen Sieger?
Die Gibsons waren sehr lange verheiratet, hatten sehr viel Geld und viele Kinder. Alles beiseite, was Schreckliches über Mel Gibson geschrieben wurde, zu seiner Frau war er immer fair. Die Scheidung wurde mit gegenseitigem Respekt abgewickelt. Ich bewundere Robyn Gibson so sehr – sie hat in der ganzen Zeit kein einziges schlechtes Wort über ihren Mann verloren, und dadurch hat auch er sich unglaublich fair verhalten. Eine perfekte Scheidung gibt es nicht, aber es gibt das bestmögliche Szenario, um getrennte Wege zu gehen.

Das klingt ja wie bei Gwyneth Paltrow! Paltrows Theorie des Conscious Uncoupling – des bewussten Entpaarens – ging um die Welt. Entspricht Ihnen das?
Nun ja, das ist eigentlich meine Theorie. Das ist schon okay, wenn Gwyneth meine Idee promotet. Offenbar kann sie das ja besser als ich. Und bewusstes Entpaaren ist auf jeden Fall besser als unbewusstes Paaren. 

Jacqueline Krause-Blouin

Die stellvertretende Chefredaktorin interessiert sich für Mode, Musik, Theater und alle Facetten der Popkultur. Und für aussergewöhnliche Frauen: berühmt oder berüchtigt, tot oder lebendig.

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