Der achte Brief

Eine Kindesentführerin erhält Besuch im Gefängnis

Text: Dalma Aebischer; Foto: Gabi Vogt

Brief aus dem Gefängnis
Brief aus dem Gefängnis
Brief aus dem Gefängnis
Brief aus dem Gefängnis
Brief aus dem Gefängnis
Brief aus dem Gefängnis
Brief aus dem Gefängnis
Brief aus dem Gefängnis
Brief aus dem Gefängnis
Brief aus dem Gefängnis
Brief aus dem Gefängnis
Brief aus dem Gefängnis
Brief aus dem Gefängnis
e
f

Ein Aufenthaltsraum

Der Speiseraum

Die Stoffwerkstatt, in der die Frauen kreativer Arbeit nachgehen können

Eine Zelle in der Strafanstalt Hindelbank

Dalma Aebischer sitzt wegen Kindesentführung eine mehrjährige Haftstrafe in der Strafanstalt Hindelbank ab. In ihren Briefen berichtet sie für uns regelmässig aus dem Gefängnisalltag.

Die meisten von uns Insassinnen sind Mütter. Vielleicht leiden wir mehr als die kinderlosen Frauen, weil wir uns schuldig fühlen, unsere Kinder allein gelassen zu haben. Viele unserer Kinder sind bei Pflegefamilien untergebracht. In diesem Fall bestimmt die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde, wie oft die Kinder ihre Mütter anrufen oder besuchen dürfen. In Hindelbank hat man ein Kontingent von drei zweistündigen Besuchen pro Monat. Der Besucher muss rechtzeitig einen Antrag stellen – der meistens bewilligt wird. Im Besucherhaus neben der Sicherheitsloge gibt es drei Besucherräume. Es sind spartanisch eingerichtete Zimmer mit weissen Tischen und Stühlen, fast wie in einem Spital. Dazu gehört ein kleiner Innenhof mit etwas Rasen.

Ein Besuch von Freunden oder der Familie ist für uns immer etwas Besonderes. Wir dürfen die Besucher mit Selbstgebackenem verköstigen. Viele Frauen bereiten schon Tage zuvor mehrere leckere Kuchen zu. Sie holen ihre kurzen Jupes, bunten Blusen und Highheels aus dem Schrank. Die Frauen schminken sich und tragen die Haare offen – man erkennt sie kaum wieder.

Die zwei Stunden vergehen wie im Flug. Anschliessend sind die meisten in sich gekehrt und ziehen sich in ihre Zellen zurück. Wir wiederholen die kostbaren Momente der Begegnung aus der Erinnerung, denken über das Gesagte nach und versuchen den Anblick der Besucher festzuhalten. Die Kriminalität schläft im Besucherraum nicht. Trotz Kontrollen werden manchmal Drogen hineingeschmuggelt. Ich habe Besucher gesehen, die sich kaum auf den Beinen halten konnten, so zugedröhnt waren sie. Manche dürfen sich deshalb nur durch eine Trennscheibe sehen.

Dalma Aebischer (Name geändert) wurde wegen qualifizierter Freiheitsberaubung und Entführung sowie Erschleichung einer Falschbeurkundung verurteilt.

Ein Porträt über sie und die Hintergründe ihrer Tat finden Sie hier.

Die älteren Briefe aus dem Gefängnis finden Sie hier:

Nr. 1. Der erste Tag

Nr. 2: Arbeit

Nr. 3: Tischordnung

Nr. 4: Knastkost

Nr. 5: Alltag in der Zelle

Nr. 6: Hafturlaub

Nr. 7: Krankheit und Wehwehchen

Empfehlungen der Redaktion

Der siebte Brief

Krankheit und Wehwehchen: Brief einer Kindesentführerin aus dem Gefängnis

Digitale Post

Das Beste aus unserer Redaktion jede Woche in Ihrer Mailbox

Mehr aus der Rubrik

Mascara

Erzählungen vom Leben auf der Gasse

Von Lara Marty