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Elliot Page: Die Berichterstattung zeigt, wie viel wir noch lernen müssen

Text: Sandra Huwiler; Bild: Alamy

Elliot Page outet sich als trans. Ein wichtiger Schritt, der für mehr Sichtbarkeit von trans Menschen sorgt. Und doch zeigt die mediale Berichterstattung, wie viel wir über dieses Thema noch lernen müssen.

Am 1. Dezember wandte sich Elliot Page auf Social Media mit folgenden Worten an die Öffentlichkeit: «Hallo Freunde, ich wollte euch mitteilen, dass ich trans bin, meine Pronomen sind he / they und mein Name ist Elliot.»

 

Dass ein Hollywood-Star («Juno», «X-Men», «The Umbrella Company») sich als trans outet, geschieht nicht alle Tage, entsprechend gross sind die Beachtung und die mediale Berichterstattung. Doch genau diese zeigt auf, wie unterschiedlich mit dem Thema immer noch umgegangen wird.

Deadnaming

Gerade im deutschsprachigen Raum gab es kaum ein Portal, das nicht mit Elliots Geburtsname titelte. Doch genau darauf zu verzichten, ist für viele trans Menschen ein Zeichen von Respekt, wie auch die «Transgender Journalist Association» auf Twitter erklärt: «Es gibt niemals einen Grund, den Deadname von jemandem zu publizieren.»

 

Als Deadname wird der bei der Geburt zugewiesene Name von trans Menschen bezeichnet. Jener Name also, der viele an das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht erinnert, was oft mit negativen Erinnerungen verbunden ist.

Sorgfaltspflicht

Eine sprachliche Hilfestellung für den medialen Umgang mit trans Menschen stellt das Transgender Network Switzerland (TGNS) in Form eines Medienguides auf seiner Website zur Verfügung. «Eine fundierte und differenzierte Berichterstattung über trans Menschen, über deren negative und positive Lebensrealitäten unterstützt den Abbau von Vorurteilen und Ängsten und hilft, Diskriminierung entgegenzuwirken», heisst es dort.

Die Wichtigkeit, über die Lebensrealitäten von trans Menschen zu berichten, ist unbestritten. Umso wichtiger also, Sprache sorgfältig zu wählen. In der Berichterstattung über Pages Coming-out war auch vielerorts von «Transsexualität» zu lesen und dass der Schauspieler «als Frau geboren» sei. Trans hat aber nichts mit der sexuellen Orientierung eines Menschen zu tun, sondern mit seiner Geschlechtsidentität. Entsprechend hat Page auch nicht sein Geschlecht gewechselt, sondern macht jetzt lediglich sichtbar, was er vorher schon war.

Umgangston

Das Verwenden der richtigen Pronomen und Genderbezeichnung scheint gerade im englischen Sprachraum viel selbstverständlicher zu sein als im deutschsprachigen. So verwendeten zwar auch wenige englischsprachige Medien den Deadname, grösstenteils wurde aber darauf verzichtet. Die Wirkung der eigenen Sprache bei dieser Thematik scheint viel bewusster, so wurden durchgehend die richtigen Pronomen verwendet und nur wenige Medien bezogen sich überhaupt auf das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht von Page.

 

Vielleicht ist das ein Indiz dafür, dass der Diskurs zum Thema trans im englischen Sprachraum schon ein paar Schritte weiter ist als in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass die deutsche Sprache nach wie vor mit passenden Pronomen hadert und wir hierzulande einen neuen Umgangston und neue Anstandsregeln diesbezüglich lernen müssen.  

Die mediale Aufmerksamkeit, die Pages Entscheid entgegengebracht wurde, ist wichtig – denn sie schafft Sichtbarkeit. Sprache bildet Realität und angesichts dieser Tatsache sollten sich nicht zuletzt Medienschaffende mit angemessenen Bezeichnungen auseinandersetzen und trans Menschen durch deren Verwendung Respekt zollen.

Informationen zum Thema trans finden Sie unter anderem auf tgns.ch oder du-bist-du.ch

Sandra Huwiler ,
Beauty-Praktikantin
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