Die neue First Lady

Jill Biden: «Ich muss tun, was ich tun will»

Text: Anna Böhler; Bilder: Getty Images

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Die neue First Lady der USA: Dr. Jill Biden. 

Von der Lehrlingsausbildung in der Schweiz zeigte sich Biden beeindruckt.

Jill Biden will auch weiterarbeiten, wenn ihr Gatte im Januar 2021 sein Amt als US-Präsident antritt.

Auf dem Titel der First Lady will sich Jill Biden ab Januar 2021 nicht ausruhen. Sie ist Lehrerin – und will sich auch weiterhin für die Reformierung des US-Bildungssystems einsetzen.

«Lehrerin zu sein ist meine Leidenschaft, und ich muss tun, was ich tun will. Das gehört zu mir, das bin ich», erklärte die promovierte Erziehungswissenschafterin Jill Biden 2014 im Interview mit annabelle. Unsere Reporterin Helene Aecherli konnte die damalige «Second Lady» bei ihrem Schweizbesuch zu einem Interview treffen. Dreissig Minuten mit «Doktor Biden», diese Anrede sei ihr wichtig, hiess es vor dem Gespräch. In die Schweiz reiste Biden, um sich mit unserem dualen Bildungssystem auseinanderzusetzen, denn sie selbst sieht es als ihre politisches Ziel, eine Ausbildungsreform in den USA voranzutreiben. Ihr Engagement hat sich in den letzten sechs Jahren kaum verändert – ihre Position allerdings schon. Im kommenden Januar, wenn ihr Mann Joe Biden zum 46. Präsidenten vereidigt wird, wird Jill Biden die First Lady der USA. 

Jill Jacobs wurde 1951 in New Jersey geboren und wuchs in Pennsylvania auf. Als erste von fünf Töchtern eines Bankers und einer Hausfrau liebte sie die englische Sprache bereits in der Highschool. Später begann sie, Modevermarktung zu studieren, fand das Studium jedoch nicht interessant und brach ab. An der Universität Delaware machte sie anschliessend ihren Master in Englisch. Um ein bisschen zusätzliches Geld zu verdienen, modelte Jill für eine lokale Agentur.

Jill wollte keine Politikerfrau werden

Als der damalige Senator Joe Biden 1975 ihr Gesicht auf einer Werbeanzeige an der Bushaltestelle sah, verliebte er sich sofort in sie. Joe Bidens Bruder arrangierte daraufhin ein Blind Date für die beiden. Zwei Jahre und fünf Heiratsanträge später sagte sie Ja – denn Jill wollte eigentlich keine Politikerfrau werden.

Nach zwei Masterabschlüssen wurde Jill Biden 2007 im Alter von 55 Jahren promoviert. Heute unterrichtet sie am Delaware Technical & Community College. Ihr Job ist ihr wichtig – mit dem Unterrichten aufzuhören, kam für sie nie infrage, das hat sich seit dem Interview mit annabelle nicht verändert. Biden wird auch weiterhin als Lehrerin arbeiten, als erste First Lady, die ihren Job behält. Ihre Schüler wüssten oft nichts von ihrem zweiten Job an der Seite ihres Mannes, erklärte sie damals im Interview mit annabelle. «Meine Schüler nennen mich einfach Dr. B.» 

Beeindruckt vom Schweizer Bildungssystem

Das dürfte sich in der Zwischenzeit verändert haben, dennoch will Biden weiterhin unterrichten und sich für das Bildungssystem engagieren. Als Vorbild diene dabei auch die Schweiz, wie sie 2014 erklärte. Von unserem dualen Bildungssystem zeigte sich Biden 2014 besonders beeindruckt. Es sei ihr ein Anliegen, das US-amerikanische Bildungssystem so zu reformieren, dass junge Leute bereits während ihrer Ausbildung in die Wirtschaft einsteigen können. «Es hat mich beeindruckt zu hören, welch hoch qualifizierten Fachleute dieses System hervorbringt. Das ist weltweit einzigartig», sagte sie über die Lehrlingsausbildung in der Schweiz.

Joe Biden sagte bei seiner Siegesrede am Samstag: «Wie ich schon oft gesagt habe: Ich bin Jills Ehemann. Ohne ihre Liebe und Unterstützung stände ich heute nicht hier. Jill ist eine Mutter, eine Militärmutter und eine Lehrerin. Sie widmete ihr ganzes Leben der Bildung. Lehren ist nicht nur, was sie macht, sondern, wer sie ist. Heute ist ein wunderbarer Tag für alle Lehrer und Ausbildner, ihr habt jetzt eine eures Gleichen im Weissen Haus.» Er sei stolz auf seine Frau und überzeugt davon, dass sie eine wunderbare First Lady sein werde.

Unsere Reporterin Helene Aecherli kann sich noch genau an das Gespräch mit Jill Biden erinnern. «Jill Biden war umgeben von einer Schar von Mitarbeitern, Assistentinnen, Bodyguards, aber sie blieb vollkommen gelassen, sie kam mir geradezu tiefenentspannt vor. Sie war im Gespräch sehr aufmerksam, interessiert und überraschend zugänglich. Es war, als hätten wir uns nach langer Zeit wieder mal zum Kaffee getroffen. Ich weiss noch, wie ich zum Abschluss sagte: ‹Den Kuchen nehmen wir dann das nächste Mal.› Ich glaube, das fand sie sogar lustig.»

Das ganze annabelle-Interview mit Jill Biden aus dem Jahr 2014 finden Sie hier.

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