Talk of the Day

Kanye West durchlebt eine manische Phase – und die ganze Welt schaut zu

Text: Vanja Kadic; Bild: Getty Images, Instagram

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Kanye West mit Ehefrau Kim Kardashian: Die beiden wollen sich nach den jüngsten Äusserungen des Rappers angeblich scheiden lassen. 

Kanye mit Tochter North (7): Der Rapper erklärte vor wenigen Tagen, dass er und Kim eine Abtreibung in Betracht zogen, als sie mit ihr schwanger wurde. 

Zerbricht jetzt ihre heile Celebrity-Welt? Kim Kardashian und Kanye West sind seit 2014 verheiratet und haben die vier gemeinsamen Kinder North (7), Chicago (2), Saint (4) und Psalm (14 Monate).

Kanye West bezeichnete seine Frau öffentlich als Rassistin und erklärte, dass er seine Tochter abtreiben lassen wollte: Der Rapper leidet an einer bipolaren Störung und steckt aktuell in einer Mental-Health-Krise. Was heisst das für ihn – und sein Umfeld? Darüber haben wir mit einem Experten gesprochen. 

Seit Kanye West vor wenigen Wochen seine US-Präsidentschaftskandidatur für 2020 angekündigt hat, ist sein Verhalten – zumindest öffentlich – unberechenbar. Der US-Rapper und Yeezy-Gründer leidet an einer bipolaren Störung und durchlebt offenbar eine manische Phase. Seine Ehefrau Kim Kardashian nannte er in den vergangenen Tagen auf Twitter in einer Folge von Tweets eine «Rechtsextreme», seine Schwiegermutter Kris Jenner «Kris Jong-Un». Er schrieb, dass er sich seit zwei Jahren von seiner Frau scheiden lassen und sie ihn in Begleitung von Ärzten in eine psychiatrische Einrichtung einweisen lassen wollte. «West-Kinder» würden ausserdem nie für den «Playboy» modeln, hiess es in seinem Twitter-Rant weiter – ein Seitenhieb gegen Kim, die das Männermagazin im Jahr 2007 zierte. Die Tweets hat er in der Zwischenzeit wieder gelöscht. 

Das bisherige traurige Highlight seines öffentlichen Zusammenbruchs war Kanyes Auftritt an seiner ersten Präsidentschafts-Rally in Charleston, South Carolina. Unter Tränen enthüllte er, dass sein Vater ihn habe abtreiben lassen wollen, «weil er zu beschäftigt» war. Er schob schluchzend nach: «Ich hätte fast meine eigene Tochter getötet.» Kanye verriet, dass er und Kim eine Abtreibung in Betracht zogen, als sie mit ihrer ältesten Tochter North (7) schwanger wurde.

Mit der Enthüllung über die Beinahe-Abtreibung seiner Tochter dürfte er für Ehefrau Kim – und den Rest des Kardashian-Clans – eine Grenze überschritten haben. Kim sei geschockt, dass ihr Ehemann an der Rally so etwas Privates erzählt habe. Ihre Kinder seien ihr das Wichtigste – sie wolle ihre Kleinen, aber auch ihre Karriere und ihren Ruf schützen. US-Medien sprechen nun von einer Scheidung, die bereits vor Wochen in Gang gesetzt wurde. Die Trennung der beiden Mega-Stars stand laut «People» schon seit geraumer Zeit im Raum. Wie sich diese Krise um Kanye auf die Kardashian-Maschinerie auswirkt, ist offen. Fest steht: Die Familie ist sehr darauf bedacht, das öffentliche Narrativ über ihr Multi-Milliarden-Unternehmen zu kontrollieren – für den vermeintlich perfekten Clan dürften Kanyes manische Phasen ein PR-Albtraum sein. Wobei: Mit Krisen kennt sich die Familie aus. Die PR-Abteilung der Kardashians verarbeitete sämtliche Skandale und persönliche Tiefpunkte der Familien-Mitglieder zu Cliffhangern für die Reality-Show «Keeping up with the Kardashians».

«Eine manische Phase kann Spuren hinterlassen»

Dass auch Kanyes Zusammenbruch nur ein PR-Stunt ist, ist zu bezweifeln. Sein lautes, rücksichtloses, aggressives Verhalten und seine Selbstüberschätzung sprechen dafür, dass Kanye West gerade eine manische Phase durchmache, erklärt Gregor Hasler. Der Psychiater, Psychotherapeut und Neurowissenschafter ist Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für bipolare Störungen. Bipolare Störungen zeigen sich durch episodische, willentlich nicht kontrollierbare und extrem entgegengesetzte Phasen. Betroffene schwanken abwechselnd zwischen Manie und Depression. Was bedeutet das für eine Partnerschaft, eine Ehe, für die gemeinsamen Kinder? «Das Problem ist, dass manische Phasen nachwirken. Angehörige wissen zwar, dass die betroffene Person bestimmte Dinge nur gesagt hat, weil sie manisch war. Doch verletzend ist es trotzdem. Eine manische Phase kann Spuren hinterlassen.» Hasler weiter: «Die Beziehung mit einer bipolaren Person kann eine Herausforderung sein.»

Betroffene können dann weniger Rücksicht auf andere nehmen, sie sind gereizt und haben ein grösseres Mitteilungsbedürfnis. «Wie stark eine solche manische Phase ist, hängt von der Persönlichkeit des Betroffenen ab. Depressive Phasen sind für das Umfeld häufig einfacher zu ertragen. Manien sind oft schlimmer und können zerstörerisch sein.» Häufig zerbreche eine Beziehung mit einer bipolaren Person dann, wenn sie in ihrer Behandlung nicht mehr kooperiert. «Wenn Patienten nicht mehr mitmachen, ist das oft schwierig für den Partner», so Hasler. Wichtig sei, dass Angehörige die Krankheit verstehen, in die Behandlung einbezogen werden und die beiden Phasen früh erkennen.

«Komplizierte und schmerzhafte» Situation 

Dass der Betroffene bei der Behandlung kooperieren muss, betont auch Kim Kardashian. Auf Instagram bestätigt sie in einem Statement die bipolare Diagnose ihres Mannes – und bittet um Mitgefühl für die «komplizierte und schmerzhafte» Situation der Familie. «Diejenigen, die psychische Krankheiten oder sogar zwanghaftes Verhalten verstehen, wissen, dass die Familie machtlos ist, es sei denn, das Mitglied ist minderjährig», sagte sie. «Menschen, die sich dieser Erfahrung nicht bewusst oder weit davon entfernt sind, können urteilend sein und nicht verstehen, dass der Einzelne selbst sich auf den Prozess einlassen muss, um Hilfe zu bekommen. Egal wie sehr sich Familie und Freunde bemühen.» Ihr Ehemann sei «eine brillante, aber komplizierte Person», die durch den Verlust der Mutter und die Bipolar-Diagnose geprägt worden sei. Sie verstehe, dass Kanye der Kritik ausgesetzt sei, weil er eine öffentliche Person sei und «seine Handlungen manchmal starke Meinungen und Emotionen hervorrufen können».

Im Netz wird der kontroverse Rapper für seine Äusserungen der vergangenen Tage von Kritikern verspottet. Die US-Sängerin Halsey, selbst bipolar, appellierte bei Twitter mit einem Statement an ihre Follower: «Eine manische Episode ist kein Witz. Wenn ihr kein Verständnis oder Mitgefühl aufbringen könnt, dann schweigt. (…) Jetzt beleidigende Bemerkungen zu machen und Menschen mit psychischen Erkrankungen zu verunglimpfen, ist wirklich nicht der richtige Weg.» Man könne die Handlungen oder Ansichten eines Menschen hassen, ohne zu einem Stigma beizutragen, das einer gesamten Community schade. 

Mehr Informationen zu bipolaren Störungen finden Sie hier

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