Der siebte Brief

Krankheit und Wehwehchen: Brief einer Kindesentführerin aus dem Gefängnis

Text: Dalma Aebischer; Foto: Gabi Vogt

Briefe aus dem Gefängnis
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Eine Zelle in der Strafanstalt Hindelbank

Ein Aufenthaltsraum

Der Speiseraum

Die Stoffwerkstatt, in der die Frauen kreativer Arbeit nachgehen können

Dalma Aebischer sitzt wegen Kindesentführung eine mehrjährige Haftstrafe in der Strafanstalt Hindelbank ab. In ihren Briefen berichtet sie für uns regelmässig aus dem Gefängnisalltag.

In den letzten Wochen hatte ich jeden Tag irgendwelche Wehwehchen. Mal tat mir der Kopf weh, mal hatte ich tiefen Blutdruck, mal litt ich unter Verstopfung, oder mein Rücken war verspannt. Ich bin überzeugt, dass all diese Beschwerden keine dramatische Ursache haben, sondern mit der Haft zusammenhängen. Trotzdem beeinflussen sie meine Befindlichkeit.

Wenn man zum Gesundheitsdienst gehen möchte, muss man sich gleich beim Aufschluss anmelden. Der Moment ist schnell verpasst, denn viele schlafen noch, wenn die Betreuerinnen um sieben Uhr klopfen und guten Morgen wünschen. Beim Gesundheitsdienst wird man von Pflegefachfrauen empfangen, die Medikamente ausgeben und entscheiden, ob man krankgeschrieben wird oder nicht. Es gibt Dauergäste, die jede Gelegenheit nutzen, um blauzumachen. Für andere ist ein freier Tag, allein in der Zelle, eine Qual. Diese Frauen gehen selbst mit Fieber, Durchfall oder starkem Husten lieber zur Arbeit. Viele Gefangene machen eine Psychotherapie. Einigen hat das Gericht eine therapeutische Massnahme verordnet. Für sie ist die Therapie Pflicht. Alle zwei Wochen kommen zudem eine Gynäkologin und eine Zahnärztin in Hindelbank vorbei.

Wer eine Abklärung oder eine stationäre Behandlung braucht, wird ins Inselspital Bern gebracht. Für mich ist das die Hölle – allein schon der Transport im Käfigwagen, mit Handschellen und Fussfesseln. Zudem ist man auf der Gefängnisstation hinter einer dicken Eisentüre eingesperrt. Man liegt in einem weissen Spitalhemd den ganzen Tag im Bett, kann mit niemandem ein Wort wechseln, darf nirgends rauchen. Ich verstehe, dass es für Strafgefangene besondere Sicherheitsmassnahmen braucht, trotzdem wünsche ich mir ein bisschen mehr Bewegungsfreiheit. Manche Frauen, die psychisch extrem belastet sind, werden ins Inselspital zum Time-out geschickt. Für sie ist gerade die Abgeschiedenheit und Ruhe im Spital wohltuend. Ausserdem ist die Kost hier deutlich besser als in Hindelbank.

Dalma Aebischer (Name geändert) wurde wegen qualifizierter Freiheitsberaubung und Entführung sowie Erschleichung einer Falschbeurkundung verurteilt.

Ein Porträt über sie und die Hintergründe ihrer Tat finden Sie hier.

Die älteren Briefe aus dem Gefängnis finden Sie hier:

Nr. 1. Der erste Tag

Nr. 2: Arbeit

Nr. 3: Tischordnung

Nr. 4: Knastkost

Nr. 5: Alltag in der Zelle

Nr. 6: Hafturlaub

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