Meine Meinung

Meine Meinung: Brustwarzen sind schön

Text: Stefanie Rigutto, Illustration: Grafilu

Stefanie Rigutto
  • Stefanie Rigutto ist annabelle-Redaktorin und kann sich mit der aktuellen Bademode gar nicht anfreunden

annabelle-Redaktorin Stefanie Rigutto über Bikini-Einlagen und Brustwarzen am Strand.

Ein Bikini zu kaufen, war auch schon einfacher. Einen ganzen Nachmittag habe ich damit verbracht, die Bademode-Abteilungen zu durchforsten, nur um zu erkennen: Neun von zehn Badeanzügen haben ein gefüttertes Oberteil. Damit meine ich nicht Push-up-Einlagen, die den Busen vergrössern; es ist vielmehr ein dicker Stoff, der an eine Stilleinlage erinnert. Das Futter fühlt sich steif an, unangenehm; es ist fast schon so, als ob man den Kegel-BH von Madonna montieren würde.

Eine nette, sehr braun gebrannte Verkäuferin erklärte mir, was es mit dieser Einlage auf sich hat: «Viele Frauen mögen es nicht, wenn sie aus dem Wasser steigen und man ihre Brustwarzen sieht.» Also, ich weiss nicht, wie das bei Ihnen ist, liebe Leserin, aber ich finde Brustwarzen schön. Sie gehören zum weiblichen Körper wie das breite Becken und die weichen Oberschenkel. Abgesehen davon sind Brustwarzen doch eine lustige Sache: Wie sie sich je nach Temperatur kräuseln und dann wieder entspannen, ohne dass wir darauf Einfluss hätten – grossartig! Und welche Lust sie uns bescheren können! Praktisch sind sie auch, sonst wäre das mit dem Stillen ganz schön kompliziert.

Ich bin weder eine Nacktwanderin noch eine Femen-Anhängerin. Ich trage auch keine durchsichtigen Blusen ohne BH. Aber warum wir Frauen ausgerechnet am Strand unsere Brustwarzen verstecken sollen, leuchtet mir nicht ein. Ist es Prüderie? Das wäre absurd: Die Pobacken dürfen ja auch fröhlich an der Sonne glänzen. Die Männer, nebenbei, haben damit rein gar nichts zu tun, wie eine nicht repräsentative Umfrage ergab: Ihnen würden die Brustwarzen, die sich frech unter dem Bikinistoff abzeichnen, durchaus gefallen (logisch …).

Die nette, sehr braun gebrannte Verkäuferin im Bademodegeschäft hatte noch ein zweites Argument parat, um mich vom gefütterten Bikini zu überzeugen: «Der Busen wird mit der Einlage schön geformt», sagte sie. Wie langweilig, wenn alle Brüste zu standardisierten Einheitskugeln genormt werden. Ich verstehs nicht: Da wollen wir mit der Wahl des Bikinis unsere Individualität ausdrücken, aber wenn unsere Brüste alle dieselbe Form haben, ist uns das egal?

Ich wollte es genauer wissen und ging in die Badi. Dort zeigte sich, dass ein gefüttertes Bikini sogar richtig unpraktisch ist. Denn die Einlage – so lernte ich von der jungen Frau neben mir – saugt sich mit Wasser voll und trocknet schlecht. Deshalb muss man sie nach dem Baden auspressen. Das sieht dann so aus: Die Frauen steigen aus dem Wasser, lehnen den Oberkörper nach vorn, fassen sich an die Brüste und drücken die nassen Kissen aus, dass das Wasser runterläuft. Die Geste ist etwa so sexy wie Ramona Drews, die einst vor laufender Kamera Milch aus ihrem Busen spritzte.

Übrigens, die nette, sehr braun gebrannte Verkäuferin schaffte es doch noch, mir ein Bikini zu verkaufen: Die meisten Oberteile haben nämlich eine kleine Öffnung, wo man die Einlage herausnehmen kann. Done! Falls Sie sich also diesen Sommer von der Harmlosigkeit einer durchschimmernden Brustwarze überzeugen möchten – ich bin meist in der Frauenbadi in Zürich anzutreffen.

annabelle-Reminder: Neues aus Meine Meinung

Empfehlungen der Redaktion

Meine Meinung

Meine Meinung: Stefanie Rigutto über Sinn und Unsinn von glutenfreien Menüs

Mehr aus der Rubrik

Vulva-Trend

Sex sells: Vulva

Von Jessica Prinz