Reportage

Rachida Dati: Eine Begegnung mit der ehemaligen Justizministerin von Frankreich

Text: Gabriela Herpell, Fotos: Jonas Unger

Rachida Dati
Rachida Dati
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Erst wenn Rachida Dati über ihre Tochter Zohra (4) spricht, klingt ihre Stimme weich

Sie sieht sich als Feministin, ihre Gegnerinnen aber halten sie für eine Verräterin an der Sache der Frau: Die einstige Justizministerin von Nicolas Sarkozy will jetzt Bürgermeisterin von Paris werden.

Lockerlassen, das ist nicht ihre Sache. Rachida Dati sitzt in ihrem Büro im Europaparlament in Strassburg und telefoniert. Es ist Mittwoch. Sie möchte sich für Freitag verabreden, geschäftlich, und zwar dringend. Aber das Gespräch läuft nicht so, wie sie sich das vorgestellt hat. 
Sie ist immer sehr früh auf den Beinen, zwitschert sie in den Hörer, kann morgens um sieben da sein, kein Problem. Das klingt nicht wie ein Vorschlag. Das klingt wie ein Angebot, das man nicht ausschlagen kann.

«7.30 Uhr also. Perfekt», sagt sie. «Au revoir, bis Freitag.» Sie legt auf, guckt triumphierend in die Runde. Bingo! Lucie und Philip, ihre Assistenten, lächeln. Sie teilen das enge Strassburger Büro mit ihr und wissen: Wenn Rachida Dati etwas will, bekommt sie es.

Meistens jedenfalls. Den Job als Europaabgeordnete wollte Dati ursprünglich nicht so recht. So schien es jedenfalls im Jahr 2009, als Frankreichs damaliger Präsident Nicolas Sarkozy sie als Justizministerin absägte und nach Strassburg ins Europaparlament schickte. Doch wenn man sie jetzt fragt, ob sie ihm das verziehen hat, schnaubt sie nur. «Da gibts nichts zu verzeihen. Ich habe ein Buch geschrieben, wenn Sie also darin nachlesen möchten, wie ich Europaabgeordnete wurde: Ich habe ein Kind bekommen und wollte mit der Politik aufhören. Sarkozy musste mich dazu überreden, ins Europaparlament zu gehen. Er riet mir dazu, weil es ein ruhigeres Mandat sei, das mir Zeit geben würde, mein Leben neu zu ordnen.»

Ein Haufen Vorwürfe

Tatsache ist, dass Rachida Dati am fünften Tag nach der Geburt ihrer Tochter im Jahr 2008 wieder ins Büro der Justizministerin stöckelte. Im taillierten Costume. Fünf Tage nach einem Kaiserschnitt. Den Franzosen stockte der Atem. Das konnte man schon so interpretieren, dass sie Angst um ihren Job hatte.
Ganz Frankreich regte sich auf damals. Nun würde sie auch den Frauen in den Rücken fallen, hiess es. Wer würde sich jetzt noch leisten können, nach der Geburt des Kindes länger als ein paar Tage von der Arbeitsstelle wegzubleiben?

«Ach, wissen Sie, mir hat man immer Vorwürfe gemacht, egal was ich getan oder nicht getan habe», sagt sie und winkt ab. «Als ich schwanger war, hiess es, oh là là, wir werden bald keine Justizministerin mehr haben. Oder: Sie verdient einen Haufen Geld, und sie wird nichts mehr dafür tun. Als ich aber sofort wieder ins Büro ging, hiess es, oh là là, was für eine Rabenmutter!»

Sie lacht laut und jovial, aber da ist ein bitterer Unterton. Wenn man sie fragt, ob man sich daran gewöhnt, immer attackiert zu werden, antwortet sie mit einem «Bof». Denkt kurz nach. Sagt dann: «Anfangs hat mich das sehr verletzt. Dann habe ich begriffen: Ich bin eine öffentliche Figur, da steht das sozusagen in der Packungsbeilage.» Sie bläst die Backen auf, stösst die Luft wieder aus und sagt wieder: «Bof.» Was solls, egal. Achselzucken.

Kompliziertes  Privatleben

In ihrer Zeit als Justizministerin setzte Rachida Dati Sarkozys Reformen und Ziele – mehr Regeln und härtere Strafen zum Beispiel, besonders bei rückfällig gewordenen Jugendlichen – mit grossem Engagement durch. Und wurde heftig kritisiert, für ihre harsche Amtsführung, ihre Radikalität und Selbstherrlichkeit.

Oft posierte Dati hübsch angezogen für die französische Presse. Als sie ihre Tochter bekam, rätselte das Land, wer der Vater sein könnte. Dati sagte nichts. Nur, dass sie eben «ein kompliziertes Privatleben» habe. Zu jener Zeit wurde sie unbequem für Sarkozy. Auch weil seine neue Ehefrau, Carla Bruni, die schöne Ministerin wohl nicht so gern in seiner Nähe sah. Anfang 2009 willigte Dati ein, nach zwei Jahren als Ministerin auszuscheiden. Die Reaktionen waren hämisch.

Auch wenn sie beim ersten Treffen so tut, als sei sie cool genug, all das an sich abperlen zu lassen – diese Erfahrungen haben sie nicht unberührt gelassen. Von jeder Frage fühlt sie sich angegriffen und antwortet schnell, ruppig, bockig, schnippisch. Manchmal ist das witzig. Aber sie greift keinen Faden auf, lässt kein Gespräch entstehen. Wie ein Tennisspieler, der den Gegner mit dem ersten Return ausschalten will und nicht versteht, dass man nur ein paar Bälle schlagen möchte, um sich aufzuwärmen.

Neun Affären

Rachida Dati ist zierlicher als erwartet. Und unauffälliger angezogen: schwarzer Rollkragenpullover, dunkle Jeans, schmaler schwarzer Mantel. Perlenohrringe. Sie passt ins Europaparlament.

Vor einigen Wochen hat sie wieder reichlich Presse bekommen, und wieder war der Ton süffisant. Sie hat den Mann, den sie als Vater ihrer mittlerweile vierjährigen Tochter bezeichnet, auf Unterhalt verklagt. Der Mann heisst Dominique Desseigne, ist 68 Jahre alt und meistens braun gebrannt. Er besitzt 16 Luxushotels, 90 Restaurants, 39 Spielcasinos, bestreitet die Vaterschaft und lehnt einen Test ab. Seinen Anwalt hat er mitteilen lassen, dass Dati während der Affäre mit ihm acht weitere Liebhaber gehabt hätte, darunter einen Bruder Sarkozys, den früheren spanischen Regierungschef José Maria Aznar, einen Konzernchef, einen Minister, einen Fernsehmoderator und so weiter. Eine 42-jährige Frau, die angeblich neun Affären hat, ist halt ungewöhnlich.

Vier Jahre hat Dati den Namen des Mannes nicht genannt. Warum jetzt?
Ganz falsche Frage. «Das werde ich Ihnen nicht sagen. Darüber rede ich mit niemandem. Und alles, was dazu geschrieben wurde, ist falsch.» Die schwarzen Augen blitzen. Stille.

Nonchalance

Philip räuspert sich. Er sagt, dass nicht mehr viel Zeit ist, um 13 Uhr wird abgestimmt. Dati lächelt verbindlich und sagt: «Dann machen wir mal weiter mit dem Interview.» Soll heissen, sie erwartet die nächste Frage.

Was kann sie nicht ertragen an anderen Menschen? «Nonchalance. Dann kämpft man nicht mehr.»
Sieht sie sich als Einzelkämpferin? «Gar nicht. Einzelkämpfe sind zerstörerisch. Und wenn man versagt, ist es auch besser, nicht allein zu sein. Es kann sogar schön sein, zusammen zu scheitern.»

Interessant. Was man auch nicht unbedingt gedacht hätte: Dati sieht sich als Feministin.

Die Feministin

«Alles an mir ist Feministin. Der Feminismus besteht darin, für die richtigen Dinge einzustehen. Ich setze mich seit zwanzig Jahren für die Rechte der Frauen ein. Bekämpfe Gewalt gegen Frauen in den Familien. Ich habe mich für die Finanzierung von Beratungsstellen eingesetzt, für Psychologen auf den Polizeiposten, ich habe Gesetze verändert, damit Männer, die ihre Frauen schlagen, härter bestraft werden. Das ist mein Kampf. Ich kämpfe auch gegen Alkohol und Drogen unter Jugendlichen, besonders unter Mädchen, ein Thema, das fast tabu ist. Ich setze mich dafür ein, dass Frauen Arbeit haben, unbefristete und garantierte Arbeitsplätze.»

Wenn sie politisch reden kann, kommt Dati aus ihrer Deckung und wird fast emotional. Findet sie denn, dass Frauen untereinander solidarisch sind, nach allem, was sie sich auch von ihren Geschlechtsgenossinnen anhören musste? «Wenn Sie genau hingucken, sind es die Männer, die einen Keil zwischen die Frauen treiben. Wenn sich in der Politik zwei Frauen feindlich gegenüberstehen, ist das eine Feindschaft, die Männer erfunden oder da hereingebracht haben. Es gefällt ihnen, wenn sich Frauen zoffen. Denn es ist im Interesse der Männer, dass sich die Frauen gegenseitig eliminieren. Besonders die starken Frauen.»

Von der Vorstadt ins französische Justizministerium

Um es von der Vorstadt in Chalon-sur-Saône im Burgund bis ins französische Justizministerium zu schaffen, musste Dati stark sein. Sie war das zweite von zwölf Kindern. Vater und Mutter, er marokkanischer Maurer, sie algerische Hausfrau, konnten nicht lesen und nicht schreiben. Über ihre Eltern spricht Rachida Dati nur gut: «Sie haben nie gerufen: Kinder, essen. Sie haben uns alle mit Namen gerufen, einen nach dem anderen, und uns nie verwechselt. Das war toll, denn in so einer grossen Familie hat man nicht viel Eigenes. Man schläft zu dritt in einem Bett, das Licht brennt immer irgendwo. Aber jeder hatte eine Kiste mit seinen Sachen. Keiner ging an die Schachtel der anderen. Das war Ehrensache.»

Die Eltern, beides Muslime, schickten ihre Töchter auf ein katholisches Mädchengymnasium: Es hiess Le Devoir, was Pflicht oder Aufgabe bedeutet – ein Motto, das von Dati verinnerlicht wurde. Mit 16 fing sie an, neben der Ausbildung zu jobben, erst im Supermarkt, dann als Hilfspflegerin und Putzfrau im Spital, schliesslich als Kosmetikverkäuferin für Avon. Ihr grosser Traum: «Ich wollte frei sein», sagt sie. «Unabhängig. Die Mittel dazu haben.»
Trotzdem liess sie sich mit 25 Jahren von ihren Eltern verheiraten. Weil es ihnen so wichtig war. Die Ehe hielt nur kurz. Danach suchte Dati, die Jus studierte, Kontakt zu den wichtigen Leuten. «Dati war eine freie Frau, die bei ihren Beziehungen zu Männern deren Nützlichkeit im Blick hatte», erinnert sich der Fernsehproduzent Mohamed Mebtoul. Er kennt Rachida Dati seit zwanzig Jahren und meint das nicht böse.

Die Taktik hat funktioniert: Der frühere konservative Justizminister Albin Chalandon vermittelte Dati ihre erste Stelle beim Ölkonzern Elf-Aquitaine. Sie sagt, dass sie sich vor allem an erfolgreichen Frauen orientiert. «Die Frauen, von denen wir hören, sind grosse Ausnahmen. Sie sind niemals banal. Denn dann wüsste man ja nichts von ihnen.»

Die Aussergewöhnliche

Simone Veil ist eine dieser Ausnahmefrauen. Die ehemalige französische Sozialministerin wurde zu Datis Mentorin und empfahl ihr eine zusätzliche Richter-Ausbildung, die sie 1999 in Bordeaux abschloss. «Ich habe viele Menschen kennen gelernt, aber so eine habe ich noch nie erlebt», hat Simone Veil einmal über Rachida Dati gesagt. «Sie ist aussergewöhnlich.»

Gleich 13 Uhr. Auf zwölf Zentimeter hohen Louboutins federt die Aussergewöhnliche munter wie eine Sportlehrerin durch die Gänge des Europaparlaments zur Abstimmung, grüsst nach rechts und nach links, strahlt die Arbeitskollegen aus schwarz schim-mernden Augen an. Philip und Lucie bleiben im kleinen Büro zurück und seufzen matt. Sie erzählen, dass Dati nichts lieber macht als arbeiten. Weder Essens- noch Schlafenszeiten interessieren sie besonders. Sie kann durchmachen und regeneriert sich in kürzester Zeit.

Aber es ist spannend mit ihr, sagt Lucie. Sie ist unkompliziert. Sie sagt, was sie denkt. Sie ist gut im Delegieren. Sie vertraut ihren Leuten, überträgt ihnen Verantwortung. Und sie nimmt sie überall mit hin, um sie wichtigen Leuten vorzustellen. Die Stimmung im gemeinsamen Büro ist meistens locker, sagen beide. Solange man belastbar ist. Sehr belastbar. «Sie verlangt viel von sich», sagt Philip. «Also verlangt sie auch viel von anderen.»

«Die Kassiererin hat keine Leute, die etwas für sie erledigen»

Drei Wochen später. Rachida Dati steht im Rathaus des 7. Arrondissements von Paris und hängt Primarschulkindern Medaillen um, die sie beim Schachturnier am Nachmittag gewonnen haben. «Bravo», sagt sie zu jedem Kind und klatscht lahm in die Hände. Vierzig Mal geht das so. Ein paar Eltern möchten Fotos von ihren Kindern mit der Bürgermeisterin machen. Dati legt einem Kind nach dem anderen die Hände auf die Schultern und lächelt in die Kamera.

Seit 2008 ist Rachida Dati Bürgermeisterin des 7. Arrondissement von Paris. Sie übt das Amt neben ihren anderen Tätigkeiten aus. Das 7ième, das von den Invalides über das Musée d’Orsay bis zum Eiffelturm reicht, ist chic, teuer, konservativ. Es war Sarkozys Idee, seine populäre Aufsteigerin und Integrationsfigur für Immigranten zur Bürgermeisterin ausgerechnet dieses Quartiers zu machen. «Der Wahlkampf war unglaublich hart», sagt sie, «aber dann habe ich sehr gut abgeschnitten, mit sechzig Prozent der Stimmen.»

Wenn man fragt, wie sie es als alleinerziehende Mutter geschafft hat, den Posten der Justizministerin und später den der Europaabgeordneten mit dem Amt des Bürgermeisters zu kombinieren, gibt sie eine ihrer strategischen Lieblingsantworten: «Fragen Sie doch mal die Fabrikarbeiterin. Oder die Kassiererin, die alleinerziehend ist. Ich habe Leute, die für mich arbeiten. Das könnte alles ohne mich laufen. Die Kassiererin hat keine Leute, die etwas für sie erledigen.»
Ihr nobles Büro im Rathaus des 7. Arrondissements von Paris ist ungefähr zehnmal so gross wie das in Strassburg, und sie hat es für sich allein. Es sieht so aus, als hätte sie nicht mehr Persönliches darin als ihre Tasche. Private Fotos im beruflichen Umfeld lehnt Rachida Dati ab. Überhaupt interessieren Fotos sie nicht besonders, sagt sie. Das ist eine Art von Sentimentalität, mit der sie nichts anfangen kann. Sie fotografiert nie, auch nicht ihr Kind.

«Es vervollständigt mich, dieses Kind zu haben»

Dati hat ihre Tochter Zohra genannt, nach ihrer eigenen Mutter. «Damit möchte ich sie lebendig halten.» Die Mutter ist 2001 gestorben. Den Vater sieht sie mindestens zweimal im Jahr, sagt sie. Im Sommer und an Weihnachten. Da trifft sich die ganze Familie.

Das müssen fünfzig Leute sein.
«Mehr. Ich habe fast fünfzig Neffen und Nichten. Wir sind nicht viel weniger als hundert Leute an Weihnachten. Wir legen Matratzen auf den Boden. Wir sind ja daran gewöhnt.»
Dati hatte schon viele Neffen und Nichten, als sie ihre Tochter Zohra bekam. Sie war 43. «Es war keine Obsession, ein Kind zu kriegen. Aber es war ein Wunsch. Es hat mich vervollständigt, dieses Kind zu haben», sagt sie. «Meine Tochter ist das Wichtigste in meinem Leben. Sie ist das beste Antidepressivum, das es gibt. Man denkt, nichts ist mehr schlimm. In ihren Augen ist alles süss, lustig und interessant. Sie laugt dich aus, aber vor allem heitert sie das Leben auf.»

Datis Stimme klingt rau, wenn sie angespannt ist. Jetzt wird sie weicher. Schon bemerkenswert, dass selbst eine Frau wie Dati auftaut, wenn es um ihr Kind geht. Stolz berichtet sie, wie gut ihre Tochter sich durchsetzen kann. Wie oft sie recht hat. Wie sie ihre Mutter dazu zwingt, sich auf sie zu konzentrieren und nicht nebenher zu mailen oder Nachrichten zu gucken. Wie sie mit ihrer Mutter verhandelt. Und dass sie, Dati, nicht in Kindersprache mit ihrer Tochter spricht, weil sie das schrecklich findet.

«Als ich schwanger war, hat man mir gesagt: Dein Leben wird sich total ändern. Du wirst dich ändern. Nichts ändert einen mehr als ein Kind. Ich dachte schon, ich würde blond.» Sie lacht, fast unbekümmert. «Es stimmt nicht. Ein Kind verändert dich nicht. Es bringt Dinge ans Licht, die in dir sind und schlummern. Ein Kind macht dich empfindlicher, vielleicht ängstlicher, dankbarer. Aber es macht keinen anderen Menschen aus dir. Ich denke allerdings auch nicht, dass wir beide eins sind. Sie ist ein eigenes Wesen. Es ist ihr Kindergarten, nicht unserer. Ihr Schnuller, ihr Teller. Ich würde nie von ihrem Teller essen.»

Mehr Miteinander in Paris

Dati ist die einzige Bürgermeisterin in Paris, die in dem von ihr verwalteten Arrondissement lebt. Sie liebt das Quartier, so wie sie alles liebt, was elegant und glamourös ist. Wenn sie genug Zeit hat, spaziert sie morgens mit ihrer Tochter durch den Parc des Invalides, bringt sie in den Kindergarten, geht noch einen Kaffee trinken, freut sich über dieses Leben. Die Arbeitstage sind auch in Paris lang, aber keine grosse Herausforderung. Viel kann man nicht ausrichten als Bürgermeister eines Arrondissements. «Wenn in meinem Quartier ein Trottoir verbreitert werden soll, entscheide ich das. Aber bei der Strasse muss ich mich an den Bürgermeister von Paris wenden.»

Der Bürgermeister der Stadt wird nächstes Jahr gewählt. Rachida Dati würde das gern werden. Eine Art Boris Johnson für Paris. In letzter Zeit hat sie die Amtsführung des exzentrischen Londoner Bürgermeisters ein paar Mal öffentlich gelobt. Sie kennt ihn zwar nicht persönlich, sagt sie, aber sie findet ihn originell. Eine Ausnahmeerscheinung. «Das kommt in der Politik ja nicht so oft vor.»
Eine Ausnahmeerscheinung ist auch Dati. Was noch für sie spricht, als Bürgermeisterin von Paris? Sie sagt, dass die Linken eine Politik gemacht haben, die gegen alles ist. «Gegen Autos. Gegen die Mittelschicht. Junge gegen Alte. Die Bewohner der Arrondissements im Osten gegen die im Westen. Arm gegen Reich. Ich würde versuchen, wieder mehr Miteinander nach Paris zu bringen.»

Versöhnliche Töne. Dazu schlägt die Standuhr in ihrem Büro sieben Mal. Der letzte Termin des Tages steht an: mit den Gärtnern besprechen, was gepflanzt wird. Draussen, bei neun Grad. Sie zieht ein Gesicht. Nicht so ihr Ding.
Sie entschuldigt sich kurz und erscheint zwei Minuten später im anderen Outfit wieder: Statt des schwarzen Hosenanzugs für die Fotos mit den Kindern trägt sie jetzt Jeans und einen pinkfarbenen Lacoste-Pullover. Passend zu den Frühlingsblumen.

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