Interview

So vermeiden Sie Müll im Alltag

Text: Miriam Suter; Bilder: Conradin Zellweger (7), FreeImages (1)

So vermeiden Sie Müll im Alltag
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Das Klimaabkommen in Paris inspirierte den 27-Jährigen zum einwöchigen Experiment.

Gehört seither zu Conardins Grundausrüstung: Stofftasche und Tupperware.

So sieht ein Einkauf aus, der möglichst wenig Abfall zurücklässt: Käse im Tupperware und Gemüse im wiederverwendbaren Sack.

Im Bachsermärt an der Kalkbreite in Zürich wird Pasta, Kaffee, Getreide und vieles mehr im Offenverkauf angeboten.

Auch duschen und Haare waschen geht ohne Abfall: Mit festen Shampoos und Seifen.

Conradin Zellwegers erstes Mittagessen, ohne Abfall zu produzieren: Suppe aus der Tupperware, Brot, Mandarine und Wurst. Kein Problem!

Ärgerlich: Im Gegensatz zum konventionellen Gemüse ist Bio-Ware oft in Plastik verpackt.

Der Zürcher Journalist Conradin Zellweger hat für ein Experiment eine Woche lang versucht, keinen Abfall zu produzieren. Uns hat er seine Tipps für den Alltag verraten.

Wir leben in einer Umgebung, in der es nicht einfach ist, durch und durch umweltfreundlich zu leben. Eine der grössten Herausforderungen bezüglich Nachhaltigkeit im Alltag ist der Müll, den wir tagtäglich produzieren: Der Kaffee im Pappbecher am Morgen, die Pasta-Box über Mittag oder das Schaumbad am Abend – vieles enthält entweder eine Umverpackung, die oft nicht rezyklierbar ist. 

Der 27-jährige Conradin Zellweger wollte wissen, wie man diesen unnötigen Abfall vermeiden oder zumindest verringern kann. Auf Facebook hat er dazu aufgerufen, sich ihm anzuschliessen und eine Woche keinen oder nur rezyklierbaren Abfall zu produzieren. Und die Community hat fleissig mitgemacht. Allerdings wurde allen klar: Ein einfaches Unterfangen ist das nicht. Was Zellweger während seines Experiments alles gelernt hat, und ob er das Vorhaben weiterziehen wird, erzählt er uns im Interview.

annabelle.ch: Conradin Zellweger, was hat Ihnen den Anstoss zu Ihrem Experiment gegeben? 
CONRADIN ZELLWEGER: Der Auslöser war das Klimaabkommen in Paris. Wenn die Politik so ein ehrgeiziges Ziel verabschiedet, dann müssen wir mitmachen. Und zwar nicht in einigen Jahren, sondern sofort. Müll ist etwas, auf das ich gern verzichte. Nur wird es einem extrem schwer gemacht. Aber die grosse Resonanz auf das Experiment hat mir gezeigt: Die Leute finden das gut, das Bedürfnis nachhaltiger zu Leben besteht. Wichtig ist aber auch, dass die Industrie und der Detailhandel mitmachen.

Wie ist es Ihnen in dieser Woche ergangen?
Erstaunlich gut. Wenn man sich an den Müllverzicht gewöhnt hat, dann gehts wie von allein. Man muss sich ja nur einmal überlegen, wie man das Produkt auch ohne Verpackung oder in recycelbarer Verpackung bekommt. Danach ist es kein Aufwand mehr. Am Ende der Woche war ich so gut ausgestattet, dass ich kaum mehr ans Abfallvermeiden gedacht habe.

Wo lagen die grössten Herausforderungen?
Am schwierigsten war es, die Hygiene- und Kosmetikprodukte zu ersetzen. Da muss man ganz schön suchen. Aber auch das geht. Und wenn man die Seife im Aludöschen gefunden hat, dann ist man versorgt. Diese Produkte müssen wir ja zum Glück nicht wöchentlich kaufen. Nicht ganz einfach war es bei Treffen mit Freunden und Bekannten. Jedes Mal zu erklären, warum ich jetzt dieses Dessert nicht esse, war etwas mühsam. Dafür hat es extrem viele spannende Gespräche über Konsum und Abfall gegeben. Man hat auch auf mich Rücksicht genommen und den eigenen Konsum angepasst. Das war schön zu erleben.

Wo sind Sie gescheitert? 
Gescheitert bin ich bei wenigen Produkten. Magazine die ich abonniert habe, sind in Plastik verpackt bei mir im Briefkasten gelandet. Das liess sich ohne Vorbereitung nicht verhindern und daran habe ich auch nicht gedacht, aber es ist Plastikmüll, den ich verursacht habe. Auch im Offenverkauf im Supermarkt werden beim Abwägen plastifizierte Etiketten ausgedruckt. Verpackt habe ich die Produkte in Stoffsäcke und Brotdosen, aber die Etiketten zählen leider zum unrecycelbaren Müll. Am Schluss der Woche hatte ich eine Handvoll Plastikmüll beisammen, den ich nicht verhindern konnte.

Ziehen Sie Ihr Vorhaben seit dem Experiment weiterhin durch?
Teilweise. Ein Stoffsack und Tupperware gehört seit dem Experiment zu meiner Standartausrüstung. Plastiksäcke habe ich seit dieser Woche nicht mehr verwendet. Das geht wie von allein, ich muss nicht mehr darauf achten. Aber ich kaufe wieder Biogemüse, welches zum Teil in Plastikfolien verpackt ist. Jeden Einkauf auf dem Markt zu erledigen, liegt leider zeitlich nicht drin. Auch bei Hygieneprodukten bin ich zum Teil wieder auf die alten Produkte umgestiegen: An Zahnpaste in Pulverform konnte ich mich einfach nicht gewöhnen. Aber ich verwende weiterhin das unverpackte Shampoo und die Seife von Lush, diese Produkte haben mich überzeugt.

Was nehmen Sie aus dem Experiment mit?
Plastikfrei einkaufen verbraucht nicht mehr Geld, sondern weniger. Weil ich sehr darauf geachtet habe, was ich kaufe, habe ich weniger und viel bewusster eingekauft. Ich kaufte grössere Mengen, kochte öfters selber, ass weniger Süssigkeiten und Snacks zwischendurch. Fast plastikfrei zu leben ist nicht schwierig. Wir sind Gewohnheitstiere, wir kaufen doch zu 80 Prozent immer die gleichen Produkte. Wenn wir diese mal umgestellt haben, dann ist es keine Anstrengung mehr, viel weniger Abfall zu produzieren. Ganz müllfrei zu leben ist aufwändig und nicht jedermanns Sache. Aber den Abfall massiv zu reduzieren ist ein Kinderspiel. Wenn man einmal die Müllmenge von einem Take-Away-Salat anschaut, dann fällt es einem wie Schuppen von der Augen. Da kann man lange Biogemüse in Plastikfolie kaufen bis man die gleiche Menge Plastik bekommt.

Welche Tipps geben Sie für weniger Müll im Alltag?
Immer eine Tupperware-Dose fürs Take-Away-Essen dabei haben. Manchmal bekommt man da sogar noch Rabatt, wenn man mit dem eigenen Gefäss kommt. Ausserdem: Produkte ohne Verpackung kaufen – auch bei Kaffee, Pasta oder Reis. Das ist zwar noch nicht ganz einfach, aber in Zürich gibt es diese Möglichkeit zum Beispiel im Bachsermärt. Früchte und Gemüse gibt es aber auch im Migros oder Coop unverpackt. Das transportiere ich dann in wiederverwendbaren Gemüsesäcken. Wenn ich auf dem Markt bin, versuche ich, gleich für die ganze Woche einzukaufen und trage die Ware in einem Stoffbeutel nach Hause. Eine solche Stofftasche hat überall Platz, ich nehme auch im Supermarkt keine Papiertaschen mehr mit. Auch Secondhand-Läden sind eine gute Anlaufstelle – hier ist schliesslich alles unverpackt. Und Geschenke verpacke ich in Zeitungspapier. Das ist ein Statement und macht Eindruck.

Conradin Zellweger ist 27, Journalist und lebt in Zürich.

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