Haft wegen Kindesentführung

Der Sporttag als willkommene Pflichtveranstaltung im Gefängnis

Text: Dalma Aebischer; Foto: Gabi Vogt

Briefe aus dem Gefängnis
Briefe aus dem Gefängnis
Brief aus dem Gefängnis
Briefe aus dem Gefängnis
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Die Stoffwerkstatt, in der die Frauen kreativer Arbeit nachgehen können

Eine Zelle in der Strafanstalt Hindelbank

Ein Aufenthaltsraum

Der Speiseraum

Dalma Aebischer sitzt wegen Kindesentführung eine mehrjährige Haftstrafe in der Strafanstalt Hindelbank ab. In ihren Briefen berichtet sie für uns regelmässig aus dem Gefängnisalltag.

Ein Highlight dieses Sommers war unser Sporttag. Die Veranstaltung war Pflicht. Alle, die aus gesundheitlichen Gründen nicht daran teilnehmen konnten, mussten dafür bei der Organisation helfen. Man teilte uns in acht Zwölfergruppen ein, die sich durch bunte Halstücher voneinander unterschieden. Die Aufgaben, die wir zu bewältigen hatten, waren lustig, teilweise sogar richtig herausfordernd. Wir mussten eine künstliche Kuh melken, aus deren schwerem Euter Wasser floss. Die Gruppe, die die grösste Menge Wasser molk, hatte die Runde gewonnen. Eine andere Aufgabe bestand darin, eine Tafel eingepackte Schokolade mit Skihandschuhen sowie Messer und Gabel zu verspeisen. Die Uhr lief, die schnellste Gruppe gewann. Spass machte es uns auch, die am gefürchteten Gefängniszaun befestigten Spielgeldnoten zu sammeln. Die Gruppe, die die höchste Summe zusammentrug, durfte jubeln.

In der Pause bekamen wir ein leckeres Glace und kalte Getränke. Aus den Lautsprechern dröhnte Latinomusik. Wir tanzten bei 34 Grad Sommerhitze. Es war ein seltener Augenblick der Begegnung und des Teamgeists. Plötzlich hatten wir das Gefühl, uns nahezustehen, und plötzlich empfanden wir so etwas wie Frauenpower. Nach weiteren Spielen trat die Hindelbank-Rockband auf. Die Stimmung war ausgelassen – wir tanzten und feierten. Frauen, die sonst mit Einsamkeit und Depressionen kämpfen, umarmten sich und lachten.

Doch trotz aller Ausgelassenheit: Als der Sporttag vorbei war, ging jede wortlos in ihre Zelle und machte die Tür hinter sich zu.

Dalma Aebischer (Name geändert) wurde wegen qualifizierter Freiheitsberaubung und Entführung sowie Erschleichung einer Falschbeurkundung verurteilt.

Ein Porträt über sie und die Hintergründe ihrer Tat finden Sie hier.

Die älteren Briefe aus dem Gefängnis finden Sie hier:

Nr. 1. Der erste Tag

Nr. 2: Arbeit

Nr. 3: Tischordnung

Nr. 4: Knastkost

Nr. 5: Alltag in der Zelle

Nr. 6: Hafturlaub

Nr. 7: Krankheit und Wehwehchen

Nr. 8: Besuch

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