Meine Meinung

Wir wollen kein Limo-Bier

Text: Kerstin Hasse

Wir wollen kein Limo-Bier

Der Sommer steht vor der Tür und mit ihm die Feierabenddrinks im Freien. Junior Editor Kerstin Hasse freut sich aufs Anstossen, aber nur mit richtigem Bier.

Jillz, Dlight, Karmi, Eve – das alles sind Produktenamen. Nicht für Vibratoren, auch nicht für Haarkuren, nein, für Biere. Frauenbiere. Noch immer scheinen Brauereien der Meinung zu sein, dass sich Bier besser an Frauen verkaufen lässt, wenn man es mit einem Namen versieht, der feminin und sexy klingt. Auf der Etikette steht dann so etwas wie «exotisch», «süss» oder «frisch», was nichts anderes heisst, als dass das Bier mit süssem Sirup gemixt wurde.

Daraus entstehen Dinge wie Litschi-Bier, Caramel-Bier, Apfel-Ingwer-Bier oder Caipirinha-Bier. Alles fancy, floral und farbig verpackt. Wenn dann im Sommer alle beim Grill stehen und die Männer das Pils oder Weissbier aus der Kühltruhe nehmen, fischen sich die lieblichen Mädchen ein rosa Grapefruit-Bier aus der Kiste und stossen herzig lächelnd an, während sich die Männer an ihren behaarten Bäuchen kratzen. Danach gibts für die Männer Würste und Steaks und für die Frauen grillierte Auberginen oder ein zartes Pouletbrüstli. Soweit das Klischee, zum Glück sieht die Realität anders aus.

Wenn Frauen Bier trinken wollen, dann bestellen sie Bier, wenn Frauen eine Limo oder einen Cocktail wollen, dann bestellen sie eine Limo oder einen Cocktail. Eine Mischung macht niemanden glücklich. Der Beweis: Animée, Copenhagen, Hummingbird Gold. Wieder keine Vibratoren, sondern Frauenbiere. Alle hübsch verpackt – und alle gescheitert. Also, liebe Brauereien, stellt kein Frauenbier mehr her, denn egal wie nett es klingt und wie glitzernd es verpackt ist, wir wollen es nicht. Wir wollen ein kühles Helles – und dazu ein Steak.

Kerstin Hasse

Die Online-Reporterin interessiert sich für die Fragen, die sich ihre Generation gerade stellt. Sie schreibt über Politik und Popkultur, über Feminismus und Gleichstellung, über Beziehungen und – typisch Millennial – manchmal auch über sich selbst.

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