Hautkrebs-Scanning

App statt Arzt?

Redaktion: Viviane Stadelmann; Foto: iStock

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In der Bildergalerie finden Sie die Ergebnisse des App-Tests und die Meinung der Hautärztin Dr. med. Maile.

Muttermal #1 (Rücken)

 

Das sagt die SkinVision-App: Niedriges Risiko. Bei dieser Hautveränderung wurde kein unregelmässiges Aussehen festgestellt. Die Haut oder die Risikoindikation können sich jedoch im Laufe der Zeit ändern. Deshalb sollten Hautveränderungen vierteljährlich überwacht werden.

 

Das sagt die Expertin Natalie Maile: Nach der ABCD-Regel würde sie bei naher Betrachtung Auffälligkeiten aufweisen, die man kontrollieren müsste. Unter der Lupe sieht man dank dem Gewebsmuster aber, dass es gutartig ist.  

Muttermal #2 (Arm)

 

Das sagt die SkinVision-App: Niedriges Risiko. Bei dieser Hautveränderung wurde kein unregelmässiges Aussehen festgestellt. Die Haut oder die Risikoindikation können sich jedoch im Lauf der Zeit ändern. Deshalb sollten Hautveränderungen vierteljährlich überwacht werden.

 

Das sagt die Expertin Natalie Maile: Das ist gar kein Muttermal, sondern ein Café-au-lait-Hautfleck. Eine gutartige Hautveränderung.

Muttermal #3 (Unterbrust)

 

Das sagt die SkinVision-App: Niedriges Risiko. Bei dieser Hautveränderung wurde kein unregelmässiges Aussehen festgestellt. Die Haut oder die Risikoindikation können sich jedoch im Laufe der Zeit ändern. Deshalb sollten Hautveränderungen vierteljährlich überwacht werden.

 

Das sagt die Expertin Natalie Maile: Das ist ein Muttermal, das man im Auge behalten sollte und das man in Zukunft vielleicht rausschneiden müsste. Im Moment aber noch gutartig. 

Muttermal #4 (Hüfte)

 

Das sagt die SkinVision-App: Mittleres Risiko. Ein Muttermal, das sich ändert, erhöht die Risikoindikation und ist ein direkter Grund, den Arzt aufzusuchen. (Anm: Vor dem Check hat man verschiedene Auswahlmöglichkeiten, um bestimmte Beobachtungen des Muttermals festzuhalten. In allen Versuchen wurde sonst Option 1 «Muttermal ist unauffällig (Ich weiss es nicht)» gewählt. Hier aber glaubte ich, dass es über die Jahre grösser geworden ist, deswegen wurde die Option «Muttermal verändert sich» gewählt. Wählt man beim gleichen Muttermal wieder Option 1, wird es wieder als niedriges Risiko eingestuft)

 

Das sagt die Expertin Natalie Maile: Absolut gutartiges Muttermal.

Muttermal #5 (Lende)

 

Das sagt die SkinVision-App: Niedriges Risiko. Bei dieser Hautveränderung wurde kein unregelmässiges Aussehen festgestellt. Die Haut oder die Risikoindikation können sich jedoch im Lauf der Zeit ändern. Deshalb sollten Hautveränderungen vierteljährlich überwacht werden.

 

Das sagt die Expertin Natalie Maile: Gutartiges Muttermal, von aussen sehr unauffällig. Aber ich habe auch schon ein äusserlich sehr ähnliches, kleines Muttermal gesehen, das dann doch ein Melanom war. Das Muster sieht man eben nur mit der Lupe. 

App Miiskin

 

Das sagt die Miiskin-App: MiiSkin sagt gar nichts zu den fotografierten Muttermalen und gehört eher zum Typ stiller Beobachter. Sie informiert mit Facts über Hautkrebs und die Vorbeugung und erinnert einen gemäss eigenen zeitlichen Wünschen an ein neues Selfscreening.

Mit dem Smartphone Arztkosten sparen und dank einer App Hautkrebs vorzeitig erkennen – das klingt eigentlich gut. Doch was taugen Muttermal-Apps zum Screening und zur Früherkennung? Wir habens ausprobiert und von der Dermatologin die Expertenauskunft eingeholt. 

«Solarium-Süchtige wurde dank einer App vor einem bösartigen Muttermal gewarnt» (Independent) und «Britin diagnostiziert bösartiges Muttermal dank Smartphone-App» (Le Parisien) sind nur einige der Schlagzeilen, die in der Presse über die Muttermal-Test-App SkinVision veröffentlicht wurden. Doch sind diese und andere Apps zum Selfscreening von Muttermalen wirklich zuverlässige Tools, die man nutzen soll?  Wir haben zwei Apps getestet und bei einer Dermatologin die Probe aufs Exempel gemacht. 

SkinVision

SkinVision ist die populärste Checking-App und hat seit 2011 schon über eine Million Nutzer. Die Handhabung ist einfach: Nach dem Download macht man direkt in der App ein Foto (mit automatischem Auslöser möglich), gibt kurz eine Angabe zur Natur des Muttermals an (Bsp: «Verändert sich nicht», «blutet») und schreibt die Stelle des Muttermals zur Archivierung an. Dann entscheidet man, ob man das Risiko durch die App einschätzen lassen möchte. Dieser Schritt kostet Credits. Die Technologie basiert auf einem Algorithmus, der auf Fraktalgeometrie beruht – einem Zweig der Mathematik, der dafür gebraucht werden kann, das natürliche Gewebewachstum zu simulieren. Der Algorithmus soll so Symptome entdecken, die generell Muttermalen mit erhöhtem Risiko zugeordnet werden können.

Kosten: Entweder 2 Franken pro Credit (d. h. die Auswertung eines Foto). Wird das Muttermal als hohes Risiko eingestuft, bekommt man zusätzlich kostenlos per manuellem Fotocheck die professionelle Meinung der Dermatologen von SkinVision. Möglich ist auch ein Jahresabo für 23 Franken oder ein Credit-Bündel (7 Credits à 9 Franken)

Handhabung: Die App leitet einen einfach durch die weiteren Schritte. Das Fotografieren am eigenen Körper ist nicht ganz einfach, mit dem automatischen Auslöser (der ein für die App optimales Ergebnis sichern soll) schon gar nicht. Also besser von einer anderen Person fotografieren lassen. Bei der männlichen zweiten Testperson gab es teilweise Probleme mit den Barthaaren, welche in der Nähe des Muttermals waren und die Kamera ablenkten. So konnte deswegen kein Foto gemacht werden. Gemäss App funktioniere es nur an haarlosen Stellen. Ein eigenes Foto kann generell nicht hochgeladen werden. Die Ergebnisse des Checks kommen fast unverzüglich zurück.   

Ergebnisse: Alle Ergebnisse des Selbsttests finden Sie in der Bildergalerie.

MiiSkin

Die App Miiskin bietet keinen automatisierten Muttermal-Check an, der Fokus der App liegt in der Dokumentation der eigenen Muttermale. Der genaue Standort der Muttermale wird lokalisiert und festgehalten und anhand von Fotos archiviert. Dann erinnert einen die App an einen regelmässigen Check, weitere Fotos zu machen. Veränderungen in Grösse und/oder Farbe können so sichtbar gemacht werden und den Weg zum Dermatologen weisen.

Handhabung: Einfache und ansprechende Handhabung, man hat alle Muttermale an einem Ort gespeichert. Für Leute mit einem erhöhten Risiko oder sehr vielen Muttermalen wahrscheinlich nützlich, aber im Prinzip könnte man sich mit minimal mehr Aufwand auch einen eigenen Archivordner auf dem Smartphone zulegen. 

Kosten: Entweder monatlich 4 Franken oder ein Jahresabo für 25 Franken. 

Die Expertin: Dr. med. Natalie Maile 

«Ich halte von den Checks der Muttermal-Apps nicht besonders viel», sagt die Dermatologin Natalie Maile bei unserem Besuch. Und lässt mich zum Beweis auch gleich durch die Lupe aufs Muttermal blicken. «Das Problem ist, dass die Fotokamera eines Smartphones niemals die Auflösung haben, welche es für eine verlässliche Klassifizierung des Muttermals braucht. Natürlich kann Grösse, Form und Farbe nach ABCD-Regel oberflächlich etwas eingeordnet werden. Das ist wahrscheinlich auch mit einer App möglich. Worauf es beim Muttermal-Check aber ankommt, ist das Gewebemuster im Innern des Muttermals.» Auch ein von aussen kleines und von der Farbe her unauffälliges Muttermal könne ein Vorstadium von Hautkrebs oder ein Melanom sein. «Das würde aber bei einer App, auch mit ausgeklügeltem Algorithmus, sicherlich durchs Raster fallen.» Es sei zwar gut, wenn das Bewusstsein durch die Kontrolle mit solchen Apps gesteigert werde, aber man solle sich nicht in falscher Sicherheit wiegen. Dazu spielen viele andere Faktoren in der Beurteilung eines Muttermals eine Rolle: Ob Hautkrebs in der Familie schon vorgekommen ist etwa, genauso wie der Vergleich mit anderen Muttermalen des Patienten. Ihre Expertenauskunft und die App im Test lesen Sie in der Bildergalerie.  Dr. med. N. Maile betreibt zusammen mit Dr. med. M. Corti eine eigene Praxis, Hautarztpraxis Zürich City.

 

 

Viviane Stadelmann

Die stellvertretende Online-Leiterin liebt die grenzenlosen Möglichkeiten der digitalen Welt. Sie schreibt besonders gern über die kleinen und grossen Absurditäten des Alltags, genauso wie über Mode, Literatur und Kunst.

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