Literatur

Diese Bücher lesen wir jetzt

Text: Stephanie Hess, Sacha Verna

Maschinen wie ich von Ian McEwan
All das zu verlieren von Leïla Slimani
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Frau im Dunkeln von Elena Ferrante

Das Cover zeigt die Kulisse, vor der dieses dunkle Buch spielt: An einem heissen Strand an der Südküste in Italien, überlaufen mit viel Lebensgefühl, grossen und kleinen Dramen. Anglistik-Professorin Leda verbringt hier unbeschwerte Tage. Und beobachtet dabei eine junge Mutter und ihr kleines Mädchen, die voller Hingabe miteinander spielen. Bis sich Leda in dieses Spiel einmischt und damit die heile Welt durcheinanderschüttelt. Die italienische Autorin mit dem Pseudonym Elena Ferrante schreibt auch in diesem Buch über weibliche Abgründe, so wie man es von ihr gewohnt ist – leicht, abgründig und hochintelligent.

Gespräche mit Freunden von Sally Rooney

So viel aus ihrem eigenen inneren Universum haben die vier Protagonisten miteinander zu besprechen und zu analysieren. Über Ehrgeiz, Abhängigkeit, Krankheit, Freundschaft und selbstverständlich Liebe, die in verschiedensten Formen gelebt wird: Man ist lesbisch, bi- und heterosexuell, entschieden nicht monogam und verstrickt sich im verregneten Dublin und in der sonnigen Bretagne in sich verästelnde Gespräche. Sally Rooney (27) wird als die neue grosse Stimme der Millennials-Literatur gehandelt. Ein Buch, das eintauchen lässt und Fragen stellt.

Wann hat man schon mal Zeit, um sich auf ein gänzlich neues Gebiet einzulassen? Am Strand mit Ian McEwan! Der inzwischen 70-jährige Autor bietet nicht nur grandiose Unterhaltung, sondern immer auch einen Einblick in ein Fach, an das man sich selber wegen seiner Komplexität kaum wagen würde. Die Tätigkeiten seiner Protagonisten beschreibt er mit solcher Akribie, dass man sich als Leserin ohne es zu merken ein kleines Wissen über Quantenphysik, Hirn-OPs oder britisches Familienrecht aneignet. In seinem neusten Buch taucht man nun ein in die Welt der künstlichen Intelligenz. Charlie hat vom Geld eines kleinen Erbes einen Androiden gekauft, Adam. Gleichzeitig lernt er seine Nachbarin Miranda kennen. Zwischen ihnen entwickelt sich bald eine Liebesgeschichte, in der auch Adam eine Rolle spielt.


«Ich denke an all die Frauen dieser Welt, die jahrhundertelang gekocht, gearbeitet, geboren haben – und alle hatten sie auch Gedanken und Gelüste, die nie gehört wurden. All das wurde nicht aufgeschrieben, das will ich imaginieren», sagte die aus Marokko stammende Pariser Autorin Leila Slimani in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger». Wie gut sie das kann und wie radikal, das wird nun in ihrem auf Deutsch übersetzten Erstling klar. Sie schreibt über eine Frau und Mutter, die alles hat und gleichzeitig in Langweile ertrinkt. Sie entflieht ihr mit wildem Sex mit fremden Männern. Und bricht damit brutal mit immer noch fixen Erwartungen an Mutterschaft und Frausein.

Vernon Subutex 1-3 von Virgine Despentes

Paris ist nicht grad die ideale Sommerdestination. Doch die Geschichte, die Autorin Virginie Despentes in ihrem dreiteiligen Romanwerk erzählt, braucht – gerade am Anfang – Geduld, damit sie sich entfalten kann. Zeit, wie man sie nur in den Ferien hat. Plattenladenbesitzer Vernon Subutex fällt aus dem System, wird aber nach kurzer Zeit als Obdachloser aufgefangen von zahlreichen Bekannten. Sie bilden ein einzigartiges, nie klischiert wirkendes Figuren-Sammelsurium, das das Frankreich von heute spiegelt. Darunter der hundeliebende, konservative Xavier, Pornodarstellerin Pamela und der leidenschaftliche Alkoholiker Charles, der seinen Lottogewinn einzig in neue Turnschuhe investiert. 

Es gibt Bücher, die liest man am besten mit ein bisschen Sand zwischen den Seiten. Unsere fünf liebsten Romane für heisse, faule Tage lassen sich aber auch gut zu Hause auf der Couch geniessen. 

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