Interview

Film über den Schauspieler Mathias Gnädinger

Interview: Mathias Heybrock

Interview mit Stefan Jäger

Der Schweizer Regisseur Stefan Jäger erzählt im Interview über den letztes Jahr verstorbenen Schauspieler Mathias Gnädinger und seinen neusten Film.

annabelle: Stefan Jäger, Sie haben drei Spielfilme mit Mathias Gnädinger gedreht. Was haben Sie bei der Recherche für Ihren Dokfilm Neues über ihn erfahren?
STEFAN JÄGER: Wie unglaublich früh in seiner Karriere er schon Qualität geliefert hat. Diese Urkraft, die er auf der Bühne hatte, hat mich gebannt. Und dann war es schön zu sehen, dass er spät im Leben zu seelischer Ruhe fand. Da hat Ursula eine wichtige Rolle gespielt.

Sie war seine grosse Liebe, er kannte sie schon mit zwölf.
Ja, er wollte, dass sie auch in die Schauspielschule käme. Das wollte sie aber nicht. Mathias hat Ursula dann einmal nach Zürich eingeladen, aber den Fehler begangen, ein Foto von einer Geliebten nicht fortzuräumen, das fand Ursula nicht so toll. Dann trennten sich ihre Wege, beide hatten andere Partner, Mathias wurde Vater. Vor kurzem habe ich einen alten Brief von ihm lesen dürfen. Da schreibt er, dass er immer wusste, dass Ursula eigentlich die Frau seines Lebens ist. Nach dem Tod ihres ersten Mannes trafen sie sich wieder, heirateten – und sein Leben nahm eine grosse Wendung.

Warum musste er im Privaten zuvor so viele Tiefschläge einstecken?
Es gab Zeiten, da hatte er die Tendenz zu zerstören, was er liebte. In seiner ersten Lebensphase hat er vieles dem Beruf geopfert. Er hat sich so in seine Rollen versenkt, dass kaum noch anderes Platz fand.

Für Ihren Dokfilm haben Sie zusammen mit Ursula Gnädinger viele Regisseure und Schauspieler getroffen, die mit Gnädinger gearbeitet haben. Eine Art Zeitreise?
Für Mathias war ein Satz von Niklaus Meienberg wichtig: «Tot ist einer erst, wenn sich niemand mehr an ihn erinnert.» Er hat diesen Satz in seinem Abschiedsbrief zitiert. Es war Ursula ein Bedürfnis, die Erinnerung an ihn wachzuhalten.

Ab 7. 4.: «Mathias Gnädinger. Die Liebe seines Lebens» von Stefan Jäger, der mit Gnädinger «Im Namen der Gerechtigkeit» (2001), «Hunkeler und der Fall Livius (2009)

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