FKA Twigs

FKA Twigs: Die Sängerin ist endlich zurück

Text: Annik Hosmann; Foto: GettyImages

  • FKA Twigs: Ein Exzentrikerin auf der Bühne.

    Ihre ausgefallenen Outfits und ihr auffälliges Make-up gehören zu FKA Twigs. 

Fünf Jahre nach ihrem Debüt ist FKA Twigs mit ihrem neuen Album «Magdalene» auf Tour. Über dieses hätten wir mit der Britin sprechen wollen - doch es kam anders.

Toronto, New York, London, Köln und dann Zürich. Das zumindest wäre der Plan gewesen. Denn neben sämtlichen Interviewterminen (inklusive dem mit annabelle) hat FKA twigs ihr einziges Schweizer Konzert abgesagt – «aus Gründen, die ausserhalb FKA Twigs’ Kontrolle sind», liess sie sich in einer offiziellen Mitteilung zitieren.

Auf Tour ist Tahliah Debrett Barnet, wie die Britin mit bürgerlichem Namen heisst, mit ihrem neuen Album «Magdalene». Die Anspielung an die heilige Maria Magdalena ist natürlich kein Zufall. In einem Interview mit dem «Zeit-Magazin» (das sie vor Tourbeginn gab) sagte sie, dass sie sich bereits in der Schulzeit für die biblische Figur interessiert habe, weil sie von den Lehrern stets als Prostituierte bezeichnet wurde, die Jesus aber dennoch freundlich behandelte. Und dass eine Frau über den Mann an ihrer Seite definiert wird, weiss auch FKA Twigs. Ihre Beziehung mit Twilight-Star Robert Pattinson füllte wochen-, ja monatelang die Klatschspalten. Doch die Britin einfach als «Freundin von» – oder mittlerweile Ex-Freundin – zu bezeichnen wird ihr lang nicht gerecht.

Denn seit ihrem Debüt «LP1», das 2014 erschien und damals für den renommierten Mercury-Preis nominiert war, ist FKA Twigs eine der experimentierfreudigsten und interessantesten Popmusikerinnen. Als Avantgarde-Pop wird ihre Musik beschrieben, sie selbst sagte einst von sich, dass sie sich selbst als Punk verstehe. Rebellisch ist sie durchaus, aber auf ihre eigene Weise. So lernte sie für ihre Bühnenshow und das Musikvideo zu «Cellophane» neben Pole Dance auch die Kampfsportart Martial Arts. Gegensätze und Brüche gibt es auch auf dem neuen Album zu hören: In «Thousand Eyes» etwa treffen kirchenchorähnliche Gesänge auf metallisch blecherne Töne. Die Einflüsse aus Hip-Hop und R ’n’ B sind noch immer zu hören - aber da sind eben auch die nicht ganz definierbaren Klänge.

 

«Magdalene» ist das zweite Album von FKA Twigs – und es ist ein sehr persönliches. Vor zwei Jahren unterzog sie sich die 31-Jährige einer Uterus-Operation, weil sie sich mehrere Fibrome hatte entfernen lassen müssen. Das habe sie stark geprägt, schrieb sie einige Monate nach dem Eingriff auf Instagram: Trotz Unterstützung von Familie und Freunde habe sie das Vertrauen als Frau verloren. Dass sie sich überhaupt dazu äusserte, überraschte, ist die Sängerin doch jemand, der selten über private Themen spricht. Aber sie wisse, schrieb sie in demselben Post, dass viele Frauen darunter leiden würden und wolle ihnen Mut zusprechen – «you are amazing warriors» («Ihr seid grossartige Kämpferinnen»). Die schwere Zeit, kurz vor der Operation trennten sie und ihr Freund Robert Pattinson sich, ist dem Album anzuhören. Twigs singt von sich als «Fallen Alien», und auch in der Ballade «Mirrored Heart» ist ihr Schmerz hörbar. Doch als Trennungsalbum will FKA Twigs «Magdalene» nicht verstehen.

Dass FKA Twigs das Konzert in Zürich kurzfristig abgesagt hat, kam bei den Fans wenig überraschend nicht gut an. Viele zeigten sich enttäuscht, einige waren gar aus dem Ausland angereist. Sie hatten sich vor allem auf die aufwendige Bühnenshow von FKA Twigs gefreut. Denn die Britin ist auf allen Ebenen ausgefallen: Ihre ausgefallenen Outfits und ihr auffälliges Make-up gehören ebenso zu ihr wie ihre oftmals bunten Zöpfe. Und bevor sie in ihren eigenen Videos und Show getanzt hatte, war sie in Clips von Kylie Minogue und Ed Sheeran zu sehen. Wegen ihrer Bewegungen, auf Bühne und in Videos, kombiniert mit ihrem Äusseren und ihrer Stimme wird sie oft fast bewundernd als alienartige, ausserterrestische Figur beschrieben. Denn diese Tahliah Barnet ist nicht einfach zu fassen – im wahrsten Sinn des Wortes.

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