Senn & So – Die Kulturkolumne

Trostmusik: 3 Alben für alle, die Corona satthaben

Text: Claudia Senn; Foto: Pexel, Andrea Piacquadio

Besser als Frustsaufen und Zoom-Zumba – unsere Kulturredaktorin Claudia Senn empfiehlt drei Alben, die jetzt für Ablenkung sorgen.  

In letzter Zeit war viel von Echinacea die Rede, von Vitamin D und von der Corona-Impfung, die uns bald aus diesem Alptraum erlösen soll. Doch warum spricht eigentlich niemand über die heilsame Kraft der Musik? Es gibt wohl kein anderes Mittel, das uns so einfach, schnell und frei von Nebenwirkungen in bessere Stimmung versetzen kann – auch und vor allem unter den erschwerten Umständen, die gerade herrschen. Deshalb hier drei aktuelle Alben, die eines gemeinsam haben: Sie sind Medizin für die Ohren.

Madsen: Na gut, dann eben nicht

Vorsicht, das ist Punkrock. Wenn Sie sonst nur Mädchenmusik hören, könnten Sie von der Energie dieser deutschen Anarcho-Kapelle umgeblasen werden. Genau das, was wir jetzt brauchen! Denn Stille und Entschleunigung sind zwar grundsätzlich etwas Kostbares und Erhabenes, doch irgendwann ist auch mal gut. Die lakonischen Texte von Madsen passen zur Zeit wie die Faust aufs Auge: «Draussen wird alles immer schlimmer, ich bleib in meinem Zimmer», singen sie mit ihrer wunderbaren Scheiss-drauf-Deutschpunk-Attitüde. Wir drehen die Lautstärke voll auf und grölen mit, denn Grölen macht gute Laune und einen rosigen Teint. Noch etwas Pogo tanzen vielleicht? Schon ist die Stimmung wieder im grünen Bereich. «Quarantäne für immer» heisst übrigens der Song. Ist natürlich nur als Witz gemeint.

Carla Bruni: Carla Bruni

Man kann nicht immer an sich heranlassen, wie schlimm die Welt da draussen gerade ist. Von Zeit zu Zeit braucht jeder eine Auszeit. Dann hört man lieber ein paar Takte Carla Bruni statt alle fünf Minuten die Infektionslage zu checken. Drei, vier Chansons, und das Leben fühlt sich plötzlich so französisch an. So unbeschwert, so flirrend, so leicht, als gäbe es kein Problem, das sich nicht mit ein bisschen Charme und einem Café au Lait lösen liesse. Es liegt Liebe in der Luft, Madame! Sollte gerade kein Flirt zur Hand sein, denken Sie sich einfach den eigenen Lebensgefährten etwas schöner. Macht Carla Bruni ja schliesslich auch. Der «petit guépard», den sie besingt, kann unmöglich Sarkozy sein!

Matt Berninger: Serpentine Prison

Aus der Resilienzforschung wissen wir, dass jene Menschen am besten mit schwierigen Situationen zurechtkommen, die keine Energie mit Hadern verschwenden, sondern schnell akzeptieren, dass die Dinge nun einmal so sind, wie sie sind. Das gilt auch für Corona. Stellen Sie sich vor, Sie seien eine Art Bär, der den grössten Teil des Winters in seiner Höhle verbringt. Einer Luxushöhle immerhin, die mit Zentralheizung und einem Mega-Honigtopf ausgestattet ist. Sie brauchen jetzt keine Höchstleistungen zu vollbringen, es geht einzig darum, den Winter zu überstehen und mit den anderen Höhlenbewohnern keinen Krach anzufangen. Dafür bringt Sie Matt Berninger in die richtige Stimmung. Berninger ist der Frontmann und Sänger von The National, doch wie sein erstes Soloalbum «Serpentine Prison» zeigt, schlägt er sich auch allein ganz wacker. Berningers Lieder sind von unwiderstehlicher Melancholie durchdrungen und erzählen alle davon, dass Schmerz nun einmal Teil des Lebens ist. «Ein Song muss Haare auf dem Rücken haben, damit ich ihm glaube», sagte er kürzlich in einem Interview. Damit wollte er ausdrücken, dass das Ungezähmte und Unperfekte, die Fehler im System, sowohl die Musik wie auch das Leben erst richtig ausmachen. Wenn das keine versöhnliche Corona-Musik ist! Also: Werden Sie Bär. Hören Sie Matt Berninger. Schlummern Sie viel und leeren Sie den Honigtopf. Und ehe Sie sichs versehen, ist es Frühling.

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