Heft 11/14

Boxen: Ärger und Fitness in einem

Redaktion: Sven Broder, Bild: SXC

Boxen Sven Broder

Warum sich annabelle-Redaktor Sven Broder von seinem Boxtrainer immer wieder aufs Neue ärgern lässt.

Es gibt wenige Menschen, denen ich gern mal eine reinhauen würde. Mein Boxlehrer, ein zäher, drahtiger alter Mann, gehört definitiv dazu. Wenn ich mit meiner Rechten gegen seine wattierte Übungspranke schlage – die Fersen angehoben, die Hüften ausgedreht –, wischt er mir mit seiner Linken immer eins an den Hinterkopf. «Schtudiere!» Schlage ich mit der Linken gegen seine Pranke, haut er mir mit seiner Rechten eine runter. «Abstand hebe!» – Da wird man doch hässig, oder?!

Dabei hatte ich mich fürs Fitnessboxen eingeschrieben. Ein bisschen Seiligumpe, ein bisschen Sandsack massieren, dachte ich, angetrieben von einem attraktiven Typ mit Muckis und der fitnessgeilen Masse. Doch mein Boxlehrer repräsentiert die alte Schule. Trendy ist das nicht, was man auch daran erkennt, dass selten mehr als vier Schnäuze bei ihm auf der Matte stehen.

Neulich liess er mich Jo-Jo spielen mit einem Gerät aus der Epoche «Rocky I»: ein Stück Besenstiel mit einem Seil in der Mitte, an dessen Ende ein 1.5 Kilo schweres Gewicht baumelte. Arme nach vorn – «dänn uufrügele und wider abrügele». Easy, dachte ich. Aber nur etwa 20 Sekunden lang. Nach 30 Sekunden war ich schon wieder hässig. Tags darauf musste ich mir die Tasse Morgenkaffee zwischen die Arme klemmen, um sie zum Mund zu führen, so gross war der Muskelkater, so saftlos waren noch immer die Handgelenke.

Als ich ihm berichtete, dass er mich – in seinen Augen nur eine schmalbrüstige Tippse – mit seinem fiesen Jo-Jo für fast eine Woche berufsunfähig gepeinigt habe, freute er sich schelmisch, der greise Quälgeist. Zur Belohnung holte er das antike Foltergerät gleich noch mal hervor – und danach die Seile aus dem Kasten, und liess mich eine Stunde lang hüpfen (nachdem ich zuvor wochenlang vergeblich nach Seilspringen gefragt hatte). Am anderen Morgen im Büro nahm ich den Lift, den Knopf zum vierten Stock drückte ich mit dem Ellbogen.

Warum ich mir das immer wieder antue, fragte meine Frau neulich vor dem Zubettgehen. Ich zog das T-Shirt aus und hoffte, das sei Antwort genug. War es nicht. Aber es fühlte sich trotzdem saugut an.

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