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Ein König, ein Rotschopf, ein Faschist und ein gestürzter Meister

Text: Stephanie Hess und Kerstin Hasse; Fotos: Getty Images

Ibrah, der König
Sänger aus Leidenschaft:
Schmach oder Sieg?
Der kleine Rotschopf
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Ibrah, der König

Wird er in diesem Turnier die Vorrunde mit seiner Mannschaft überstehen?

Sänger aus Leidenschaft:

Gianluigi Buffon singt die italienische Hymne stets mit besonderer Imbrunst. 

Schmach oder Sieg?

Die Spanier müssen beweisen, dass ihre Niederlage in der Vorrunde der Welmeisterschaft 2014 eine Ausnahme war. 

Der kleine Rotschopf

Kevin De Bruyne gehört zu den wertvollsten Spielern der EM. 

Diese Spieler werden am heutigen EM-Tag aus der Trikotmasse hervorstechen – die etwas anderen Facts über Buffon, Ibrah und einen roten Teufel aus Belgien.

Italien – Gianluigi Buffon, der Braunbefleckte

Mutter Maria war italienische Meisterin im Diskuswerfen, Vater Adriano ein Gewichtheber. Woher Gianluigi Buffon – vierfacher Welttorhüter, Captain und Herz der italienischen Nationalmannschaft – sein sportlerisches Talent hat, ist also klar. Schwieriger zu eruieren ist es, woher Grande Gigis Wonne am Singen kommt. Er schmettert die Nationalhymne Fratelli D'Italia mit geschlossenen Augen, bebend fast – nicht vollends melodisch, aber zumindest textsicher. Leider gemahnt diese Imbrunst aber auch an die dunkeln – oder besser – braunen Seiten des Gianluigi Buffon. Er soll einst die Trikotnummer 88 favorisiert haben (ein Verweis auf den Ausspruch «Heil Hitler»), ob er sie wirklich auch getragen hat, darüber gehen die Berichterstattungen auseinander. 2000 zeigte er sich mit einem T-Shirt mit dem faschistischen Spruch «Boia chi molla» – Gehenkt sei, wer aufgibt. Und nach dem Sieg Italiens bei der WM 2006 hielt er das Spruchband eines Fans mit einem keltischen Kreuz und der Aussage: «Stolz, ein Italiener zu sein.» Möglicherweise hat der jahrzehntelange intensive Gelgebrauch dem besten (und bestaussehendsten) Torwart der Geschichte die Gehirnwindungen verklebt.

Schweden – Ein Ibra macht noch keinen Meister

Es gibt sie, diese einzigartigen Spieler, diese enfants terribles, diese verrückten Typen, deren Talent immer ein wenig in Konkurrenz steht mit ihrem Wahnsinn. Maradona war so einer, Mario Balotelli ebenso – und natürlich auch Zlatan Ibrahimovic, von seinen Anhängern zärtlich Ibra genannt. Als Ibrahimovics Zeit bei Paris Saint Germain diesen Sommer zu Ende ging, postete er auf Facebook ein Foto mit dem Schriftzug: «I came like a King - I left like a Legend». Ibra ist gross – sein Ego noch grösser, so viel ist klar. Was aber kann man von dem Schweden mit dem verschmitzten Grinsen an der EM 2016 erwarten? König Ibrahimovic wird auch im Nationalkader sehr royal behandelt, schliesslich ist er mit 62 Toren der Rekordschütze des schwedischen Teams. Das Problem von Schweden ist seit mehreren Jahren aber das gleiche: ein Ibra allein macht noch keinen Meister. In diesem Jahr wäre es aber möglich, dass der 1,97 Meter grosse Zlatan eine überraschende 1,75 Meter kleine Unterstützung bekommt und zwar durch Emil Forsberg. Der Schwede ist soeben mit RB Leipzig in die erste Bundesliga aufgestiegen und hat mit seiner Spielkunst unter anderem in der EM-Vorbereitung auf sich aufmerksam gemacht. Heute Abend wird sich zeigen, ob King Zlatan seinem Hofdiener Platz lässt und die Schweden gegen Irland die ersten Punkte holte. Vielleicht übersteht Schweden dann auch wieder einmal die Gruppenphase.

Belgien – Kevin De Bruyne, der nächste Star

Er sieht ein bisschen aus wie der kontinentale Bruder von Prinz Harry, abgesehen vom eindrucksvoll dichten Haarschopf und seiner bedeutend früheren Familienbereitschaft: Der 24-jährige Belgier ist kürzlich Vater eines (rothaarigen) Jungen geworden. Und Kevin De Bruyne legt auch sonst gern vor. Der junge Mittelfeldspieler gehört heute schon zu den Grossen der Fussballszene: Manchester City zahlte für ihn die Bundesliga-Rekordablöse von 75 Millionen Euro! Auf dem Platz kann Kevin de Bruyne explodieren wie eine Handgranate, im Übereifer aber auch mal übers Ziel hinaus schiessen. Vor knapp zwei Jahren beleidigte er einen Balljungen mit «Motherfucker», was eine Strafe von 20 000 Euro nach sich zog. Abseits des Spielfeldes soll er aber eher gelassen und fast schüchtern sein. Vielleicht auch, weil auf ihm grosse Erwartungen lasten. Die roten Teufel – wie man die belgische Nationalmannschaft nennt – gelten auch dank ihm als Favoriten an dieser Europameisterschaft.

Spanien – gegen die Schmach mit tiki taka und waka waka

Heute tritt der amtierenden Europameister zum ersten Mal an der EM 2016 an. Die Spanier müssen sich gegen die Tschechen beweisen, um mit einem Sieg die Schmach der Weltmeisterschaft 2014 zu überwinden. Damals überstand die Mannschaft von Vincente del Bosque nicht einmal die Vorrunde – ein tiefer Fall für den amtierenden Europa-Welt-Europameister (2008/2010/2012). Mit einem Sieg über Tschechien wollen die Spanier nun den ersten Schritt zur Wiedergutmachung schaffen und das mit einem Team, das ein bisschen anders daherkommt als bei der WM 2014. Xavi ist nicht mehr dabei, der Barca- Ausnahmespieler, der bereits 2014 mit der Teilnahme an der WM haderte und schliesslich auch nicht die erhoffte Leistung brachte. Eine wichtige Rolle spielt auch bei diesem Turnier Cesc Fabregas, er wird noch mehr Verantwortung übernehmen müssen. Für eine Überraschung könnte Nolito sorgen, der elegante Dribbler wurde einst von Barca fortgeschickt und gilt nun als Geheimtipp in der «Furia Roja». Gerüchte gehen umehr, dass sich zudem Gerard Piqué besonders an der EM einsetzt, um seine Shakira ein bisschen zu beeindrucken. Bei der WM 2010 lernten sie sich beim Dreh zum «Waka Waka»-Video kennen – und jetzt bei der EM 2016 will der spanische Verteidiger seiner Frau beweisen, dass die Spanier nicht nur tiki taka, sondern auch immer noch waka waka können. 

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