Heft 11/14

Treppensteigen: Kein Treppenwitz sondern Fitness

Redaktion: Sven Broder, Text: Frank Heer, Bild: SXC

Treppensteigen annabelle
  • «Es könnte weitaus schlimmer sein, das muss man sich beim Treppensteigen stets vor Augen halten»

annabelle-Redaktor Frank Heer braucht kein Ausdauertraining im Gym: Täglich die Treppe rauf- und runterzusteigen, reicht als Fitnessprogramm völlig aus.

Auch bei mir ist es jetzt so weit: Aus Gründen der Selbstoptimierung verzichte ich öfter auf den Lift. Widerwillig, immerhin sind es 76 Stufen bis zur Redaktion. Die erste ist die schwierigste, sie erfordert Überwindung. Doch es könnte weitaus schlimmer sein, das muss man sich beim Treppensteigen stets vor Augen halten: Zum Beispiel in einem windschlüpfrigen Trainer zu joggen, fluoreszierendes Herstellerlogo am Oberschenkel. Igitt.

Ich hatte das Glück, vor einigen Jahren den holländischen Biologen Midas Dekkers zu interviewen (sein Buch: «Der Gesundheitswahn»). Er sagte: «Der Homo adidas denkt, er würde durch Rennen länger leben, besser aussehen und glücklicher sein als andere. Dabei reicht es vollkommen, viel zu Fuss zu gehen, mit dem Velo ins Büro zu fahren, weniger zu essen und die Treppe statt den Lift zu nehmen.» Voilà. Seither steige ich Treppe. Und ich weiss dank Midas Dekkers, warum so viele Menschen auf den albernen Gedanken kommen, Sport zu treiben: Langweile und Schuldgefühle. Sie lachen, doch das ist kein Treppenwitz! Reiche Engländer erfanden den Sport, weil sie nicht arbeiten mussten.

Heute treiben wir Sport, weil wir glauben, es sei gesund. Gesund? Dreissig Prozent der Nichtberufsunfälle sind Sportunfälle: kaputte Gelenke, Brüche, Zerrungen, zertrümmerte Knie. 300 000 Sportversehrte zählt die Schweiz jedes Jahr. Sie verursachen Kosten von 1.8 Milliarden Franken. Und wenn wir schon bei den Zahlen sind: Als Treppensteiger verbrenne ich pro Minute doppelt so viele Kalorien wie der Jogger. 400 Stufen am Tag entsprechen einer 15-minütigen Laufeinheit, denn Beinstrecker (Musculus quadriceps femoris), Oberschenkelrückseiten (Musculus biceps femoris) und Gesässmuskeln (Musculus gluteus maximus) werden in der Vertikalen weit intensiver beansprucht als in der Horizontalen. Mag sein: In der Wildnis wäre ich zu bedauern. Käme mir eine Elefantenherde entgegen, fehlte mir die Ausdauer des Joggers. Aber für einen Spurt aufs Tram reichts allemal.

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