Fitness

Vita-Parcours: Nur du und deine Muskeln

Redaktion: Sven Broder, Text: Stephanie Hess, Foto: Karin Heer

Vita Parcours Sport annabelle
  • Turnen und dabei die Seele baumeln lassen: Vita-Parcours

Der Vita-Parcours: Zeitlos gesund für Einzel- und Gruppensportler. Auch annabelle-Redaktorin Stephanie Hess ist dem Wald-Workout seit ihrer Kindheit treu.

Auf dem Vita-Parcours gibt es keine fiesen Instruktoren, dafür pickende Amseln und dicke Weinbergschnecken. Keinen Schweissgeruch, sondern die kühle Frische des Walds. Keine Vollblutsportler, die auf surrenden Geräten rennen. Sondern nur dich und deine Muskeln. Ein paar vergilbte Holzgeräte. Und das Dach aus Laub.

Es heisst ja, dass man einer im Kindesalter ausgeübten Sportart auch später treu bleibt. Als Mädchen war der Vita-Parcours für mich tatsächlich eine der wenigen Ertüchtigungsformen, die ich halbwegs tolerierbar fand. Weil jeweils die ganze Familie in bunt-knittrigen Trainingsanzügen mittrabte. Und wegen dieses Spielplatzes, der sich mitten im Wald offenbarte. Meine Lieblinge waren die grossen, weissen Ringe, die etwas surreal zwischen den Bäumen baumelten und an denen man herrlich herumschwingen konnte.

Der Gesundheitsgedanke war mir damals sehr fern. Aber er ist selbstredend der Hintergrund der rund 500 Vita-Parcours im Land. Aufgekommen ist diese Art des Geländelaufs Ende der Sechzigerjahre, initiiert von einem Schweizer Lebensversicherer. Vita-Parcours standen am Anfang eines neuen, bis heute gültigen Fitnessverständnisses: vom Team- zum Individualsport. Trimm-dich-Pfade heissen sie in Deutschland, Forstmeilen in Österreich.

Was Sportarten wie Crossfit oder Bootcamp heute nachahmen, hat der Vita-Parcours seit über 45 Jahren zum Inhalt: die Abwechslung und die Ganzheitlichkeit. Man übt sich in Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Koordination. Im Lauf der Jahre haben sich die Übungen verändert, sie werden heute nach sportwissenschaftlichen Erkenntnissen gestaltet, wie es bei der 1993 gegründeten Stiftung Vita-Parcours heisst. Und wer die Tafeln mit dem gesichtslosen Vorturner nicht auf Anhieb versteht, für den gibts zeitgemässe Hilfe über die Vita-Parcours-App.

Für mich hat der Vita-Parcours im Vergleich mit den genannten Indoor-Adaptionen bestechende Vorteile: Er ist gratis. Er kennt keine Öffnungszeiten. Und man kann ihn in der Gruppe absolvieren, auch mit Kind und Kegel. Oder eben allein, umgeben von Amseln, Weinbergschnecken und der kühlen Frische des Waldes.

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