Roger Federer

Wie ist es eigentlich, Roger Federer zu heissen?

Aufgezeichnet von Tina Huber, Bild: SXC / Redaktion

Roger Federer (43), Inhaber einer Versicherungsagentur aus Wildhaus SG hat einen besonderen Namen.

Ich mag meinen Namen. Sehr. Er öffnet mir Türen, wo immer ich bin. Letztes Wochenende zum Beispiel war ich mit meiner Frau in einem Hotel. Als ich bei der Reservation meinen Namen nannte, bot man uns eine Juniorsuite an. Wir bestanden auf einem normalen Zimmer – trotzdem bekamen wir ein Upgrade.

Eigentlich spreche ich meinen Vornamen ja französisch aus. Aber mittlerweile nennen mich meine Freunde oft auch Rodscher. Weil ich so heisse, sind mir praktisch alle auf Anhieb positiv gesinnt. Sie wissen natürlich, dass ich nicht der andere Roger Federer bin. Jedoch bricht das Eis sofort, die Leute lachen, freuen sich, machen Bemerkungen. Natürlich weiss ich, dass das nur wegen meines Namens passiert. Aber das ist mir egal.

Klar, manchmal nerven die immer gleichen Sprüche auch. Wenn mich jemand zum zweitausendsten Mal auf Baseldeutsch fragt: «Bisch du dr Roger Federer, dr Tennisschpillr?», finde ich das nicht mehr so unglaublich witzig. Aber damit kann ich leben. Ich weiss um den Wert meines Namens. Früher nannte ich bei einer Reservation auch schon mal absichtlich meinen vollen Namen, um einen Vorteil zu bekommen.

Mitte der Neunzigerjahre war ich Verkaufsleiter im Swissôtel in Basel. Damals machten wir das Catering für Roger Federer zu heissen?das Tennisturnier Swiss Indoors. Ich war also am Vorbereiten, wie alle anderen trug ich ein Namensschild, als plötzlich eine Frau auf mich zukam. Sie sagte, das sei aber lustig, ob ich wirklich so heisse, ihr Sohn heisse auch so. Es war Roger Federers Mutter. Ich lernte ihn auch kennen, schüttelte ihm einmal kurz die Hand – ein sympathischer Junge, 15 oder 16 Jahre alt, der zum ersten Mal bei den Grossen mitspielen durfte. Getroffen habe ich ihn seither nie mehr. Dass er ein Weltstar werden würde, hätte ich natürlich nicht gedacht.

Als Roger Federer noch nicht so bekannt war, gab es manchmal Verwechslungen, weil ich ebenfalls Sport treibe. Als ich zum Beispiel einmal an einem Golfturnier zum Abschlag kam, standen etwa fünfzig Leute dort. Sie hatten die Startliste gesehen und dachten, jetzt kommt Roger Federer. Als ich dann erschien, beschwerten sich einige. Heute ist aber allen klar: Er ist der Tennisspieler, ich der Namensvetter.

Wir haben noch weitere Gemeinsamkeiten: den Heimatort Berneck im St. Galler Rheintal. Unsere Väter sind beide von dort. Ob ich verwandt bin mit ihm, weiss ich jedoch nicht. Und unser Töchterchen Charleen heisst fast gleich wie eine seiner Töchter, Charlene. Ein Zufall.

Früher bekam ich viel Post, Päckli und Briefe. Ich leitete alles an sein Management weiter, Fanpost, Bettelbriefe und Geschenke für Roger Federers Zwillinge zur Geburt, Teddybärli und Giräffli. Zeitweise musste ich täglich Anfragen auf Facebook abweisen. Dasselbe auf Twitter. Hackerangriffe wehrte ich mit neuen Passwörtern und Benutzernamen ab. Mittlerweile habe ich meinen Eintrag im Telefonbuch löschen lassen, weil immer wieder Leute aus aller Welt mitten in der Nacht anriefen und mit Roger Federer sprechen wollten.

Ich bekomme enorm viel Aufmerksamkeit. Meinen eigenen Sohn würde ich aber trotz aller Vorteile nicht Roger taufen. Ausserdem kann ich nur erahnen, mit wie viel öffentlichem Interesse Roger Federer konfrontiert ist. Ob ich das so lustig finden würde, weiss ich nicht. Ich bin ganz zufrieden, wie es ist.

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