Safer Sex

Alles, was Sie über Lecktücher wissen müssen

Text: Sara Lisa Schäubli; Bild: Getty Images

Kondome kennen alle. Doch wer weiss, was genau ein Lecktuch ist? Wir klären die sieben brennendsten Fragen zum Thema.

«Was ist das?»

«Leider gerade ausverkauft.»

«Haben wir nicht. Sie sind nicht die Erste, die fragt.»

Wer sich auf die Suche nach Lecktüchern begibt, will nach kurzer Zeit frustriert aufgeben. Man trifft auf überforderte Apotheker*innen, abgeklärte Sexshopbesitzer*innen und vor allem auf fragende Gesichter.

Lecktücher oder Dental Dams sind dünne Latextücher, die beim Oralsex vor Geschlechtskrankheiten schützen. In ihrer Funktion gleichen sie dem Kondom, werden aber vorwiegend von Frauen benutzt, die Sex mit Frauen haben. Während es in jedem gut sortierten Supermarkt Dutzende Kondomsorten gibt, glänzen Lecktücher durch ihre Abwesenheit.

«Du brauchst Lecktücher im Sortiment!»

Jessica Sigerist führt den ersten queer-feministischen Sexshop der Schweiz. In der Gründungsphase von Untamed.love hörte sie von queeren Frauen immer wieder: Du brauchst Lecktücher im Sortiment! «Unter Frauen, die Sex mit Frauen haben, sind Lecktücher bekannt. Bei Heteros eher nicht», sagt sie. Den Grund sieht sie darin, dass diese viel schwerer erhältlich seien als Kondome. «Für mich haben die Lecktücher in meinem Shop auch Symbolcharakter.» Sie will damit Sex zwischen Frauen sichtbarer machen.

Erste Anlaufstelle rund ums Thema Safer Sex ist das Bundesamt für Gesundheit (BAG). Im sogenannten Safer-Sex-Check erhalten Nutzer*innen, nachdem sie einige Fragen zu ihrem Sexleben beantwortet haben, individuelle Verhütungstipps. Wer hier angibt, eine Frau zu sein, die mit Frauen Sex hat, bekommt allerdings keine Informationen zu Lecktüchern. Auf Anfrage teilt das BAG mit: «Der Safer-Sex-Check empfiehlt Dental Dams bei Oralsex bei bezahltem Sex» – da dort ein erhöhtes Risiko bestehe, sich mit Geschlechtskrankheiten anzustecken. Auch die Aids-Hilfe Schweiz schliesst sich dieser Empfehlung an.

Wie hoch das Risiko einer Ansteckung im Detail ist, ist für Camille Béziane eher zweitrangig. Sie hat den Verband Les Klamydia's ins Leben gerufen, der sich für die sexuelle Gesundheit von Frauen, die Frauen lieben, einsetzt. «Uns ist es erstmal viel wichtiger, darüber aufzuklären, dass Oralsex überhaupt Risiken mit sich bringt. Deswegen wollen wir Dental Dams auch bekannter machen», sagt sie.

Denn nur wer die Risiken und den nötigen Schutz kennt, kann eine fundierte Entscheidung treffen. Hier kommen nun alle wichtigen Infos zu Lecktüchern.

  1. Was ist ein Lecktuch genau?
    Ein Lecktuch, auch Dental Dam oder Oral Dam genannt, ist ein rechteckiges Latextuch ungefähr in der Grösse eines A5-Papiers. Es ist besonders dünn und in verschiedenen Geschmacksrichtungen erhältlich. Für Allergiker*innen gibt es auch eine latexfreie Variante.
     
  2. Für wen sind Lecktücher?
    Lecktücher sind für alle, die sich auch beim Oralsex vor Geschlechtskrankheiten schützen wollen. Sie sind für Cunnilingus (Lecken der Vulva) und fürs Rimming (Lecken des Anus) geeignet.
     
  3. Wie benutze ich es?
    Das Lecktuch wird beim Oralsex über Vulva oder Anus gelegt. So entsteht eine Barriere zwischen potenziell infektiösen Körperflüssigkeiten. Am besten wird es mit einem Gleitgel auf Wasser- oder Silikonbasis befeuchtet und fixiert.
     
  4. Mit welchen Geschlechtskrankheiten kann ich mich beim Oralsex anstecken?
    Auch beim Oralsex kann man sich, laut BAG, mit sexuell übertragbaren Infektionen (STI) anstecken. Dazu gehören unter anderem Chlamydiose, Gonorrhö (Tripper), Syphilis und Herpes. Das Risiko einer Ansteckung mit HIV hingegen ist beim Oralsex, laut Aids-Hilfe Schweiz, sehr gering. Beratungs- und Teststellen zu HIV und STI finden Sie hier.
     
  5. Gibt es Risiken beim Benutzen eines Lecktuchs?
    Lecktücher dürfen nur einmal benutzt werden. Sobald Person oder Körperstelle gewechselt wird, sollte man ein neues Lecktuch verwenden. Vorsicht ist bei ölhaltigen Gleitgels geboten, diese vertragen sich nicht mit Latex. Auch sollte das dünne Tuch nicht überdehnt werden.
     
  6. Wo kann ich Lecktücher kaufen und wie viel kosten sie?
    Lecktücher sind in Sexshops oder online, zum Beispiel im Shop der Aids-Hilfe Schweiz, erhältlich. Auch Apotheken können sie bestellen, wenn Kund*innen den genauen Produktnamen kennen und sie gerade lieferbar sind. Lecktücher kosten, je nach Anbieter, etwa zwischen zwei und drei Franken pro Stück. Sie sind damit grundsätzlich teurer als Kondome.
     
  7. Was tun, wenn ich gerade kein Lecktuch zur Hand habe?
    Wer gerade kein Lecktuch griffbereit hat, muss etwas kreativ werden. Dazu trennt man von einem Kondom die Spitze und den Ring ab und schneidet es der Länge nach auf. Von anderen DIY-Projekten wird abgeraten. Ein Schutz kann sonst nicht garantiert werden.

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