Hochzeitsplanung

Mit drei Bräuten zur Traumhochzeit

Text: Verena Edinger, Foto: Pexels

Braut

Eine grosse Hochzeit im Hotel oder doch lieber eine kleine Zeremonie am See? In der Schweiz oder im Ausland? Der Weg zur Traumhochzeit kann mühsam sein. Gute Planung ist essenziell. Drei Frauen, die schon bald vor den Altar treten, verraten, worauf es ankommt. 

So unterschiedlich einzelne Brautpaare sind, so verschieden sind auch ihre Hochzeiten. Wir haben drei Bräute gefragt, auf was man beim schönsten Tag im Leben vorab achten sollte und welche Organisationspunkte auch getrost vernachlässigen werden können.

Grosse Hochzeit im Grandhotel

Seline (27) empfängt im Juli zwischen 180 und 200 Gäste zum Apéro im Weingut Davaz in Fläsch. Am Abend feiert das Brautpaar mit 85 Gästen im Grand Resort Bad Ragaz.

Seline, wann haben Sie angefangen, das Hochzeitsfest zu planen?
Das war im Mai des Vorjahres, also 14 Monate vor der Hochzeit selber. Ich fand diese Zeit war mehr als ausreichend. Ich würde jedem empfehlen, frühzeitig mit den Vorbereitungen anzufangen. Es ist eine sehr schöne und spannende Zeit und es wäre schade, wenn man dabei unter Zeitdruck steht. Zudem muss man bestimmte Örtlichkeiten für das Fest frühzeitig anfragen, da sie sonst schon von anderen Paaren reserviert sind.

Wann haben Sie die Einladungen verschickt?
Da wir im Juli heiraten und viele normalerweise zur gleichen Zeit in die Ferien gehen, haben wir schon im Oktober «Save the Date»-Karten verschickt. Die offiziellen Einladungen gab es dann erst im April, drei Monate vor der Hochzeit.

Gibt es Planungspunkte, die Sie anders eingeschätzt hätten?
Am meisten habe ich die Dekoration unterschätzt. Ich dekoriere selber sehr gern, bin deshalb vielleicht auch etwas heikler und habe mir sehr viel Zeit gelassen. Bei der Hochzeitslocation hingegen ging es viel schneller. Wir haben insgesamt nur zwei Orte besichtigt, und als wir den Festsaal in Bad Ragaz gesehen haben, war es klar: Da wollen wir unser Hochzeitsfest feiern.

Wie sind Sie auf diese Location gekommen?
Ich kannte ein anderes Hochzeitspaar, das auch sein Fest dort gefeiert hatte. Bei der Besichtigung waren wir dann überwältigt vom sehr hellen, grossen Saal und dem zuvorkommenden Personal. Zudem lässt uns das Hotel völlig freie Hand, was die Einrichtung der Räumlichkeit angeht – egal ob eine zusätzliche Bar oder eine Lounge, alles gar kein Problem.

Wie lange hat es gedauert, alle notwendigen Papiere für die Hochzeit zusammenzutragen?
Da wir nicht in unserer Wohngemeinde respektive unserem Wohnkanton heiraten werden, brauchten wir vielleicht ein wenig mehr Zeit. Wir mussten zuerst bei unserem Zivilstandsamt in Landquart die Ehevorbereitungsformulare erstellen lassen, welche dann dem zuständigen Zivilstandesamt in St. Gallen geschickt wurden. Zudem mussten wir für die kirchliche Trauung beim Dorfpfarrer unserer Wohngemeinde Taufurkunden, Konfirmations- und Firmungsbestätigungen vorlegen. Der Pfarrer, der uns dann trauen wird, ist ein Freund der Familie und benötigt dann ebenso all diese Dokumente.

Und wie lange dauerte es, das perfekte Hochzeitskleid zu finden?
Eigentlich hatte ich mein Kleid sehr schnell ausgesucht. Zuhause, als ich mir nochmals Fotos von mir im Brautkleid anschaute, war ich dann aber einfach nicht mehr so richtig überzeugt. Ich war unsicher, schlief nochmal zwei Nächte darüber und entschied dann, dass ich nicht in diesem Kleid heiraten kann. Also bin ich eine Woche später mit meiner Mutter noch einmal in dasselbe Brautmodegeschäft gefahren und habe mich für ein anderes Kleid entschieden. Die Verkäuferinnen waren sehr verständnisvoll und die bereits getätigte Anzahlung wurde mir zum Glück auf das zweite Kleid überschrieben.

Haben Sie einen Dresscode angegeben?
Nicht direkt einen Dresscode, wir haben aber darauf hingewiesen, dass wir uns auf unsere Gäste in festlicher Garderobe freuen.

Was wäre für Sie ein No-Go in Sachen Outfits bei Ihren Gästen?
Wenn jemand mit einem weissen Kleid kommen würde.

Destination-Wedding in Italien

Sandra (27) heiratet Ende September im italienischen Varenna am Comer See und kommt auf ungefähr 30 000 Franken für die sechzig Gäste. Darin enthalten sind drei Übernachtungen des Brautpaares vor Ort.

Sandra, wie lang vor Ihrer Hochzeit haben Sie mit der Organisation begonnen?
Den Antrag bekam ich im Dezember und somit haben wir etwa neun Monate Zeit, um unsere Hochzeit zu planen. Bis jetzt sind wir relativ gut in der Zeit, finde ich. Wenn man jedoch an einem bestimmten Datum an einer bestimmten Location heiraten möchte, müsste man vermutlich etwas früher anfragen. Wir waren aber vom Datum her relativ flexibel.

Was waren die grössten Schwierigkeiten bei der Planung?
Da wir in Italien heiraten, wollten wir vieles online organisieren. Aber das Internet wird dort noch nicht so stark genutzt wie bei uns. Deswegen war es schwierig, Anbieter, wie Catering oder eine Sängerin, vor Ort zu finden, und wir waren auf die Tipps der Mitarbeiter unserer Lokalität angewiesen. Glücklicherweise spricht meine Mutter perfekt Italienisch und kommt zur nächsten Hochzeitsbesprechung in Varenna mit.

Warum haben Sie sich für die Location entschieden?
Uns war es wichtig, dass alle Gäste am selben Ort übernachten können und dass die Trauung, das Bankett und das Fest an einer Lokalität stattfinden, um Transportmittel und möglichen Zeitverlust ausschliessen zu können. Da wir einen feierfreudigen Kollegenkreis haben, war uns eine Location mit «Openend» sehr wichtig. Und wir haben von anderen Brautpaaren gehört, dass der grosse Tag selbst immer so schnell vorbeigeht. Daher wollten wir noch einen weiteren Tag anhängen und noch entspannen – das Landgut in Varenna mit drei Pools und einem riesigen Garten erfüllte all unsere Punkte. Zudem ist der Panoramablick über den Comer See einfach nur atemberaubend schön.

Wie wurde das Budget festgesetzt?
Wir haben eine Grobkostenschätzung gemacht und genügend Reserven eingeplant. Wir hatten viele verschiedene Örtlichkeiten angefragt und somit mehrere Offerten und einen guten Vergleich.

Wie haben Sie entschieden, wen Sie einladen?
Dies ist wohl eine der schwierigsten Entscheidungen überhaupt bei der Hochzeitsplanung. Wir haben versucht, diejenigen auszuwählen, ohne die wir uns eine Hochzeit nur schwer vorstellen können. Relativ schnell mussten wir uns jedoch eingestehen, dass man einfach nicht alle dabei haben kann und irgendwo einen Strich ziehen muss. Schlussendlich haben wir uns für engste Familienmitglieder und gute Freunde entschieden.

Mussten Sie sich durch einen bürokratischen Dschungel kämpfen, da Sie im Ausland heiraten werden?
Nein, wir heiraten offiziell in der Schweiz. In Italien führen wir dann nur eine freie Trauung durch und benötigen deswegen keine besonderen Papiere.

In puncto gemeinsamer Name – wie haben Sie sich entschieden?
Wir haben uns ganz traditionell für den Namen des Bräutigams entschieden. Da ich noch einen Bruder habe, der unseren Familiennamen weiterführen wird, ist das für mich in Ordnung.

Wie lange hat es gedauert, das perfekte Kleid zu finden?
Dank einer Hochzeitsmesse und unzähliger Brautkleider-Magazine hatte ich bereits eine konkrete Vorstellung von meinem Kleid. Anschliessend besuchte ich zwei Brautmodegeschäfte, wobei im ersten die Chemie zwischen der Beraterin und mir nicht stimmte und auch kein einziges Kleid meinen Vorstellungen entsprach. In der zweiten Boutique wurden wir sofort sehr herzlich empfangen und das erste Kleid war genau so, wie ich es mir immer vorgestellt habe. Lustigerweise wurde es dann aber von einem weiteren Kleid getoppt. Meine Begleiterinnen trauten sich allerdings nicht, etwas zu sagen, und schauten mich nur mit grossen Augen an. Schliesslich meinte meine Schwägerin, dass mir dieses Kleid noch viel besser stehe. Mir selber ist der Entscheid aber enorm schwergefallen und ich musste Fotos von mir selber in den beiden Kleidern sehen. Es wurde dann Kleid Nummer zwei.

Welchen Tipp würden Sie anderen Bräute geben?
Also erstens, dass man sich immer erinnert, für wen man das Ganze überhaupt macht – nämlich für sich selbst! Während der Planung kann das manchmal in Vergessenheit geraten. Und zweitens: Wenn möglich sollte man vermeiden, zu erwähnen, dass eine bestimmte Dienstleistung für eine Hochzeit ist. Ansonsten wird nämlich gern einmal ein grosszügiger Preisaufschlag gemacht.

Hochzeit am See

Olivia (28) feiert das Fest ihrer Liebe Anfang Juni am Zürichsee im «Fischer’s Fritz». Eingeladen sind 74 Personen und das Budget beträgt insgesamt etwa 30 000 Franken.

Olivia, wann haben Sie angefangen, die Hochzeit zu planen, und hatten Sie Hilfe?
Ich habe die Hochzeit zum grössten Teil allein geplant, natürlich mit Entscheidungsveto und Hilfe meines Partners, aber die Hauptorganisation lag bei mir. Die Location, der Fotograf und das Datum standen schon ganz zu Anfang, 16 Monate vor der Hochzeit, fest. Und obwohl wir sechs Monate später die Location wechseln mussten, war die Zeit ausreichend. Zudem unterstützt uns unsere Familie tatkräftig bei der Hochzeit: Mein Vater führt die freie Trauung durch, meine Mutter begleitet mich zum Altar und die Mutter meines Partners backt die Hochzeitstorte.

Gab es bei der Organisation Entscheidungen, die besonders schwierig waren?
Die schwierigste war für uns die Gästeliste – ich wollte eine kleine Hochzeit mit maximal dreissig Gäste am liebsten im Ausland, mein Partner eine grosse Feier in der Schweiz. Schlussendlich haben wir uns für einen Kompromiss aus Apéro- und Festgästen am schönen Zürichsee entschieden. Anstrengend war auch, dass man sich nicht nur als Paar einig wird, sondern all diese Entscheidungen auch vor Familie und Freunden verteidigen muss. Bei Hochzeiten hat jeder eine Meinung oder eine bessere Idee. Man muss hier einen kühlen Kopf bewahren, auch wenn es schwerfällt, und sich bewusst sein, dass es nur für zwei Personen wirklich stimmen muss: für das Brautpaar.

Sie heiraten ja im Freien am See – musstet Sie da etwas beachten?
Ja, die Schweiz ist, was das Wetter anbelangt, nicht besonders zuverlässig. Deshalb haben wir noch ein Safarizelt dazu gebucht, falls es regnen sollte. Ich hoffe aber sehr, dass es nicht so weit kommt und wir uns unter freiem Himmel das Ja-Wort geben können.

Für welchen zukünftigen Familiennamen haben Sie sich entschieden?
Neben der Gästeliste haben wir diesen Punkt am längsten diskutiert: Ich wollte meinen Familiennamen behalten, er seinen. Mir ging es einerseits darum, dass mein Name auch ein Stück meiner Identität ist. Andererseits sehe ich auch nicht ein, als Frau den Familiennamen des Mannes anzunehmen, nur «weil man das halt so macht». Was ist es nun geworden? Wir behalten beide unsere eigenen Namen, bekommen aber auch beide den Familiennamen des jeweils anderen als Allianznamen. Der Name wird nicht auf dem Zivilstandsamt eingetragen, sondern von uns einfach an unseren bisherigen Namen angehängt. Wir können ihn auch im Pass vermerken, wenn wir wollen.

Wie lange dauerte es, bis Sie das Traumkleid gefunden haben?
Oh, das war gar nicht so einfach, aber mittlerweile kann ich darüber lachen. Vor drei Jahren habe ich auf Pinterest das perfekte Hochzeitskleid gesehen. Aber: Es gab es natürlich dann nicht mehr, da die Hochzeitskollektionen jährlich wechseln. Also dachte ich mir, ich lasse mir meine Traumkleid via Etsy massschneidern. Das Endergebnis nach zehn Monaten Wartezeit war allerdings frustrierend: viel zu gross und unförmig. Also musste ein neues Kleid her und ich verliebte mich schliesslich bei einem Besuch in den USA in ein A-Linien-Hochzeitskleid mit einem Tüll-Rock, spitzenbesetztem Oberteil und tiefem Rückenausschnitt. Es ist von BHLDN, der gleichen Marke, die das erste Kleid auf Pinterest designte.

Welcher Rat, den Sie bekommen haben, war der beste?
Mein Arbeitskollege hat mir wirklich die Augen geöffnet. Irgendwann meinte er: «Olivia, du musst absolut nichts machen, nur weil man das anscheinend so macht. Das Einzige, was zählt, ist, was du willst. Wenn alle sagen, dass man für seine Hochzeit die Haare wachsen lässt und sie dann hochgesteckt trägt, du sie aber nie so trägst, musst du dir für deine Hochzeit auch nicht auf einmal die Haare wachsen lassen. So einfach ist das!» Drei Tage später habe ich mir meine Haare wieder kurz schneiden lassen!

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